Donald Trump hat das Chaos im Nahen Osten selbst ausgelöst. Jetzt verkauft der US-Präsident seine Schadensbegrenzung als großen Deal. Die Öffnung der Straße von Hormus ist in Wahrheit aber ein Schwebezustand mit vielen Risiken. Bastian Brauns berichtet aus Washington Die Ölpreise an den Börsen weltweit fallen . Dutzende seit Wochen in der Falle steckende Tanker bereiten sich darauf vor, wieder auszulaufen. Die iranische Regierung hat erklärt, die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Wasserhandelsrouten der Erde, sei ab sofort wieder "vollständig geöffnet" . Die Nachricht klingt so gut, dass US-Präsident Donald Trump sich sogar mit einem Beitrag auf seiner Plattform "Truth Social" beim Iran bedankte. Ist jetzt also alles gut? Können alle wieder aufatmen? Nein, nicht wirklich. Denn was auf den ersten Blick wie die so dringend herbeigesehnte Entspannung aussieht, ist bei genauerem Hinsehen ein höchst zerbrechlicher und chaotisch improvisierter Lösungsversuch einer selbst verschuldeten, vermeidbaren und extrem gefährlichen Krise. Newsblog zum Krieg in Nahost: Donald Trump teilt gegen die Nato aus Öl fällt – Gold gewinnt: Öffnung der Straße von Hormus: Dax springt nach oben Der Chaos-Präsident feiert sich selbst Im Zentrum der gut klingenden Nachrichten steht ein amerikanischer Präsident, für den dieses selbst angerichtete Chaos typisch ist. Mit diesem Dauerzustand selbst erzeugter öffentlicher Aufregung überdeckt er nicht zuletzt fehlende Kompetenz und Korruption. Ausgerechnet Donald Trump inszeniert sich nun erneut als der Mann, der einen weiteren von vielen Kriegen befriedet haben will und den Wirtschaftskreislauf der Welt mit jetzt fallenden Ölpreisen wieder in Gang bringen wird. Jeglicher Jubel über Donald Trumps vermeintliche Verhandlungskunst ist allerdings unangebracht. Krieg pausiert, Märkte beruhigt, Ölpreise sinken, Fall erledigt, zurück zur Tagesordnung? In Wahrheit ist die Substanz dessen, was Trump nun erreicht hat, äußerst kläglich. Die Hormus-Meerenge mag "offen" sein, aber sie ist nicht sicher. Die vollmundige Ankündigung des Iran kommt mit Bedingungen, Unklarheiten und offenen Fragen daher. Passierende Handelsschiffe benötigen nun etwa eine offizielle Erlaubnis der iranischen Revolutionsgarden und müssen wohl Gebühren entrichten. Reedereien wissen also weiterhin nicht, welche Zusatzkosten auf sie zukommen, welche Routen sicher sind oder wie stabil die Lage wirklich ist. Zumal Donald Trump die eigene Blockade vorerst weiterhin aufrechterhalten will. Hoffen auf einen schlechten Deal Mit anderen Worten: Dieses empfindlich kleine Nadelöhr der Weltwirtschaft mag zwar nicht mehr gänzlich blockiert sein, ist aber längst nicht verlässlich frei. Jederzeit kann die Falle wieder zuschnappen. Nach wie vor gibt es keinen Friedensvertrag, auch wenn Donald Trump so tut, als fehlten nur noch ein paar kleine Details für einen Deal. Stabilität ist das nicht, sondern eher schlecht gemanagte Unsicherheit. Die Trump-Regierung arbeitet derzeit offenbar an einer Vereinbarung mit den iranischen Vertretern, bei der es insbesondere um die Eindämmung einer nuklearen Bedrohung gehen soll. Was hier verhandelt wird, wirkt den verfügbaren Informationen zufolge aber nicht wie ein belastbares Abkommen, sondern wie ein für Trump typischer transaktionaler Deal: Eingefrorene iranische Gelder sollen freigegeben werden, wenn Teheran bereit ist, seinen Uranbestand auszudünnen und die Anreicherung "freiwillig" zu stoppen. So ein Mechanismus klingt bekannt. Vergleicht man ihn aber mit dem sogenannten "Joint Comprehensive Plan of Action" (JCPOA), dem Nuklear-Deal unter Barack Obama , wird der Unterschied deutlich. So unvollkommen dieses Abkommen auch war: Es schuf ein umfassendes, international anerkanntes System mit strikten Grenzen für die Anreicherung, engen Kontrollen durch die "International Atomic Energy Agency" (IAEA) und einem klaren Rahmen, mit dem der Iran weit von einer Atombombe entfernt gehalten werden sollte. Trump war das nicht genug. 2018 stieg er einfach aus. Trumps Iran-Politik: Das wird er nicht zurückdrehen können All das wäre vermeidbar gewesen Was Trump jetzt auf den Tisch legt, ist verglichen damit nichts Verlässliches. Das Weiße Haus ist offenbar plötzlich bereit, Milliarden Dollar für den Iran freizugeben für jederzeit widerrufbare Zugeständnisse. Es fehlt eine belastbare Architektur, die eingebettet ist in internationale Institutionen. Trump hat damit keine Garantie, dass seine heute kurzfristige Entspannung nicht morgen schon zur nächsten Eskalation wird. Ungerührt feiert sich der Präsident, der ein vielleicht unvollkommenes, aber dennoch funktionierendes Abkommen ohne Not aufgekündigt hat. Das ist kein strategischer Erfolg, sondern die chaotische Schadensbegrenzung eines selbst geschaffenen Problems. Der wirtschaftliche Druck durch die iranische Blockade ist so groß geworden, dass dem Präsidenten jetzt gar nichts anderes übrig bleibt. Trump hat nicht nur Milliarden an Dollar für einen Krieg verbrannt, der Tausende Zivilisten das Leben gekostet hat. Er hat auch einen verhängnisvollen Zyklus der Eskalation geschaffen. Noch immer kann die ganze Region im Nahen Osten weiter ins Chaos stürzen und die Weltwirtschaft ins Wanken bringen. Die sich nun ankündigende Ruhe hilft zwar zunächst beiden Parteien – dem US-Präsidenten genauso wie dem iranischen Terror-Regime, das nach wie vor an der Macht ist. Diese Ruhe könnte jedoch nur eine Pause und Grundlage für die nächste Krise sein.