Pyeongchang: Sechs Mannheimer Adler tragen maßgeblich die DEB-Auswahl
Von Rainer Kundel
Pyeongchang/Mannheim. Wenn die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in der Nacht zum Donnerstag in ihrem ersten Spiel des olympischen Turniers auf Finnland trifft, wird sie von Adler-Center Marcel Goc als Kapitän aufs Eis geführt. Der 34-Jährige ist nach 2006 (Turin) und 2010 (Vancouver) zum dritten Mal dabei. Eine vierte Teilnahme verhinderte 2014 die historische Pleite gegen Österreich beim Qualifikationsturnier in Bietigheim. Mit sechs Spielern ist die Eishockeystadt Mannheim so stark wie noch nie vertreten. In die Nähe kommen fünf Nominierungen von Sarajevo 1984 (Kreis, Niederberger, Kuhl, Wolf, Roedger). Jetzt ist die nächste Generation dran - David statt Manfred Wolf. Dabei kam einigen Akteuren die Strategie von Bundestrainer Marco Sturm zugute, auf Experimente zu verzichten und der Erfahrung Vorzug zu geben. "Zum Einbau von mehr jüngeren Spielen fehlte uns die Vorbereitungszeit", so Sturm, der manchem verdienten Akteur das Erlebnis Olympia gönnte, auch wenn die Saisonform schon mal besser war. Die RNZ stellt die Teilnehmer des siebenfachen deutschen Eishockeymeisters Adler Mannheim vor.
> Dennis Endras (32 Jahre/94 Länderspiele): Nach 2010 sind es in Südkorea die zweiten Olympischen Spiele für den Allgäuer. Der international erfahrenste unter den Torhütern hatte zuletzt eine schwere Phase durchzumachen. Bei der Heim-WM 2017 fiel er nach dem frühen Playoff-Aus der Adler dem "Streichkonzert" zum Opfer, beim Deutschland-Cup im November zog er sich eine Beinverletzung zu. Nach der Genesung stellten ihn die Adler-Trainer in Frage und begannen eine Rotation mit Chet Pickard. Was Endras nicht gut bekam. Der "Vielspieler" bat um die Jahreswende zu einer Aussprache und machte klar, dass er nur mit regelmäßigen Einsätzen seine Bestform findet. Seither gewinnen die Adler wieder - auch dank Dennis Endras.
> Sinan Akdag (28/77): Seit 2014 trägt der Oberbayer mit türkischen Wurzeln das Adler-Trikot. Jetzt geht ein Traum für ihn in Erfüllung, denn der Offensiv-Verteidiger ist auf den letzten Drücker für seinen operierten Klub-Kollegen Denis Reul auf den Olympia-Zug aufgesprungen. Umso größer die Freude, zumal seine Frau mitreisen kann. "Wir sind auf das Land und das Drumherum sehr gespannt und nehmen Foto und Videokamera mit." Auf dem Eis droht dem technisch starken, aber physisch nicht immer präsenten Verteidiger zunächst die Rolle des Ergänzungsspielers. "Wir sind in einer Gruppe mit Finnland, Schweden und Norwegen nicht der Favorit, aber gerade deshalb kann uns eine Überraschung gelingen."
> Marcel Goc (34/104): Der nach Christian Ehrhoff erfahrenste ehemalige NHL-Profi stammt aus einer Eishockey-Familie in Calw (Vater Josef war Nachwuchstrainer im Eissportverband Baden-Württemberg, Brüder Sascha und Niki waren ebenfalls Nationalspieler). Alleine seit seiner Rückkehr nach Mannheim 2015 erlitt der Routinier drei schwere Verletzungen. Für den Bundestrainer gilt der am Bullypunkt starke Mittelstürmer als Führungsspieler und erster Ansprechpartner. Zumal der Olympia-Boykott der NHL die Teilnahme der aktiven deutschen Cracks aus Nordamerika verhindert, was Marcel sehr bedauert. "In Vancouver 2010 waren die Besten der Besten dabei, diesmal haben wir vielleicht eine etwas größere Chance für eine Überraschung". Goc konnte diesmal ohne Terminstress an der Eröffnungsfeier teilnehmen, während der kommenden Tage hat er Abstecher zur Skisprungschanze und zu den Biathlon-Wettbewerben vorgesehen. Bei einem Besuch im Deutschen Haus würde sich der zweifache Familienvater auf ein Stück Schwarzwälder Schinken oder eine gute Weißwurst freuen.
> Marcus Kink: (33/128): Der Adler-Kapitän spielt nicht seine beste Saison, auch weil er viel Energie damit verbraucht, seine kriselnde Mannschaft in der Kabine zusammenzuhalten. Auf internationalem Parkett ist der Garmischer aufgrund seiner Unterzahl-Stärke und als aufopferungsvoller Teamplayer noch unverzichtbar. Kink ist der Spielertyp schlechthin, dessen Wert sich nicht in Punkten auf dem Matchblatt niederschlägt.
> Matthias Plachta (26/61): Im Breisgau geboren, kam Plachta als Sohn des polnischen Nationalspielers Jacek Plachta als 15-Jähriger zum Jungadler-Projekt und nahm nach anfänglicher Stagnation bei den Profis in der Spielzeit 2014/15 mit Meistermacher Geoff Ward eine rasante Entwicklung. Gefürchtet ist der Handgelenk- und Schlagschuss des Linksschützen in Überzahl-Situationen. Nach einem nicht gelungenen "Ausflug" in die American Hockey League vor drei Jahren ist Plachta in der aktuellen Adler-Saison eine der wenigen Konstanten.
> David Wolf (28/35): Der überzeugte Gartenstädter wurde nach einem Bänderriss im Oktober rechtzeitig wieder fit und hat Anfang Januar seine Wettkampfform erreicht. Eine gute letzte Heim-WM und seine Durchsetzungsfähigkeit sprachen für den "Vorkämpfer", zumal er auch in der Nationalmannschaft ein Spieler ist, der dem Gegner unter die Haut geht und dennoch disziplinierter als im Heimklub auftritt.
Nicht zu vergessen: Mit Danny Aus den Birken, Yannic Seidenberg, Dominik Kahun, Frank Mauer (alle EHC München) sowie Felix Schütz (Kölner Haie) und Marcel Noebels (Eisbären Berlin) stehen weitere, überwiegend im Nachwuchs-Leistungszentrum der Dietmar Hopp-Stiftung (Jungadler-Projekt) ausgebildete Spieler im Aufgebot.
Vorrunde, Gruppe C, Donnerstag, 4.10 Uhr: Deutschland - Finnland (ARD); Freitag, 13.10 Uhr: Deutschland - Schweden (Eurosport2); Sonntag, 4.10 Uhr: Deutschland - Norwegen.