Unangenehme Kommentare, sexuelle Anspielungen und ungewollter Körperkontakt: Eine Studie aus Braunschweig zeigt Grenzüberschreitungen in Fahrschulen auf. Nun soll gehandelt werden. Wer in Braunschweig den Führerschein macht, fühlt sich während der Ausbildung nicht immer sicher. Das zeigt eine Befragung unter jungen Erwachsenen, die eine Arbeitsgruppe des Braunschweiger "Runden Tisches gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und jungen Menschen" durchgeführt hat. Besonders junge Frauen berichten demnach von unangenehmen Erfahrungen im Fahrschulunterricht. 41 Prozent der befragten Frauen gaben an, bereits unangenehme Witze oder Kommentare erlebt zu haben. Bei den Männern waren es 19 Prozent. Während sich insgesamt rund 90 Prozent der Befragten in der Fahrschule sicher fühlten, gaben 13,5 Prozent der jungen Frauen an, sich eher unsicher oder sehr unsicher zu fühlen. Bei den Männern lag dieser Anteil bei 4,1 Prozent. Studie zeigt sexuelle Grenzüberschreitungen in Fahrschulen 20,9 Prozent der Frauen berichteten von aufdringlichen oder anzüglichen Kommentaren, 14,6 Prozent von sexuellen Anspielungen und 13,6 Prozent von unangemessenen Fragen mit sexuellem Bezug zu ihrem Privatleben oder Aussehen. Aufdringliche Blicke erlebten 11,6 Prozent. Bei den männlichen Teilnehmern lagen die entsprechenden Werte zwischen 1,3 und 5,7 Prozent. Auch ungewollten Körperkontakt, Einladungen zu privaten Treffen und unerwünschte Nachrichten mit sexuellem Bezug schilderten Teilnehmer der Befragung. Die Arbeitsgruppe sieht darin ein besonderes Problem: "Wer einen Führerschein anstrebt, ist abhängig von der Einschätzung des Fahrlehrers", heißt es von den Verantwortlichen. Diese Abhängigkeit werde durch entsprechende Grenzüberschreitungen ausgenutzt. Für die Untersuchung wurden im Sommer rund 10.000 Braunschweiger der Jahrgänge 2000 bis 2009 angeschrieben. Etwa 930 Personen beteiligten sich freiwillig und anonym, was einer Rücklaufquote von rund neun Prozent entspricht. Rund 850 von ihnen hatten eine Fahrausbildung begonnen oder bereits abgeschlossen. Nach Angaben der Arbeitsgruppe gab es bislang bundesweit keine Zahlen zu Art und Häufigkeit sexueller Übergriffe in Fahrschulen. Fahrlehrerverband kündigt Konsequenzen an Der wissenschaftliche Projektleiter Olaf Lobermeier von der Ostfalia Hochschule zeigt sich angesichts der Ergebnisse besorgt. "Wir haben erwartet, dass viele junge Menschen Erfahrungen mit sexualisierten Grenzüberschreitungen im Fahrschulunterricht gemacht haben", sagte er. Die Schilderungen in den offenen Kommentaren zeigten deutlich, dass über das Problem nicht hinweggesehen werden könne. Insbesondere junge Frauen seien dadurch nachhaltig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Die Arbeitsgruppe will nun mit Fahrschulen und deren Verbänden ins Gespräch kommen, um Präventionsstrategien und Aufklärungskampagnen zu entwickeln. An der Untersuchung waren neben der Gleichstellungsbeauftragten und dem Präventionsteam der Polizei auch zwei Fahrschulen und weitere Partner beteiligt. Der Fahrlehrerverband Niedersachsen nimmt die Ergebnisse nach eigenen Angaben sehr ernst. "Es gab immer wieder einzelne Vorwürfe, uns haben aber die Fakten gefehlt", sagte der Verbandsvorsitzende Klaus Napierski. Jetzt wolle der Verband die Ergebnisse gründlich prüfen. Ziel sei es, sinnvolle und zielgenaue Maßnahmen zu entwickeln.