Der FC Bayern ringt nach Joshua Kimmichs Schicksalsschlag und Vincent Kompanys Kollaps um Stabilität. Der Klassiker gegen Dortmund soll als erster Anker im neuen Alltag dienen. Es sind zweifellos außergewöhnliche und herausfordernde Zeiten, die der FC Bayern durchlebt . In diesen turbulenten Tagen konnte der deutsche Rekordmeister selbst die Karrierekrönung von Harry Kane mit dem Gewinn des Ballon d'Or nur gedämpft feiern. Überschattet wurden die vergangenen Wochen von zwei alles andere als erfreulichen Vorfällen: dem privaten Schicksalsschlag, der Joshua Kimmich mit dem Todesfall im engsten Familienkreis getroffen hat, sowie dem Zusammenbruch von Chefcoach Vincent Kompany auf dem Trainingsplatz. Die Fußballwelt dreht sich währenddessen weiter – und das in rasantem Tempo. So warten schon am Samstag mit dem Klassiker gegen Borussia Dortmund (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei t-online) sowie der schwierigen Auswärtspartie in der Champions League bei Atlético Madrid am Dienstag (ab 21 Uhr) die nächsten beiden Topspiele auf die Bayern. Karl-Attacke von Hoeneß und Matthäus: Bayern-Trainer reagiert "Mal Zebras, mal Strauße": Kompany-Vertreter verblüfft mit verrücktem Tiervergleich Das Bundesliga-Topspiel mit dem punktgleichen Rivalen aus Dortmund soll für die Bayern nun möglichst einen ersten kleinen Schritt zurück in Richtung Normalität markieren – aus sportlicher Sicht, aber auch in den Angelegenheiten abseits des Rasens. "Das Leben ist jetzt anders für Jo" Dass sich die Realität aufgrund der Vorfälle in den vergangenen zehn Tagen für die Bayern zwangsläufig verändert hat, betonte auch Sportvorstand Max Eberl am Freitagvormittag bei der Abschlusspressekonferenz vor dem BVB-Spiel. Das betrifft vor allem Vizekapitän Joshua Kimmich persönlich. " Das Leben ist anders für Jo jetzt . Da braucht man auch kein Hehl draus zu machen. Das muss man einfach so festhalten", sagte Eberl. "Wenn in der Familie etwas passiert, dann ändert sich das Leben." Nachdem Kimmich in der Trauerzeit an den vergangenen drei Spielen nicht mitwirken konnte, kehrte er am Donnerstag zumindest wieder an die Säbener Straße zurück. Dort habe er bisher zweimal individuell trainiert und werde heute erstmals mit der Mannschaft trainieren, berichtete Co-Trainer Aaron Danks, der Kompany aktuell in der Rolle des Chefcoaches vertritt. "Und dann schauen wir, wie es bei ihm weitergeht." Damit ließ er eine Kaderrückkehr und damit auch einen möglichen Einsatz im Spiel gegen Dortmund zumindest offen. Auch Sportvorstand Eberl betonte: "Wenn Jo sich bereit fühlt, in diesen neuen Alltag einzutauchen, dann wird der Trainerstab sich zusammen mit ihm Gedanken machen, ob das morgen der richtige Zeitpunkt ist." Bayern-Kapitän fällt weiter aus Jamal Musiala, der zu Saisonbeginn mit seinen Zusammenbrüchen auf dem Spielfeld aufgrund einer neurologischen Dysfunktion ebenfalls bisweilen große Sorgen beim FC Bayern auslöste, wird nach seinem Muskelfaserriss dagegen weiterhin fehlen. Auch Luis Díaz (Muskelbündelriss) und Manuel Neuer fallen weiter aus. Das Spiel komme "unglücklicherweise etwas zu früh für ihn", erklärte Danks mit Blick auf Neuer. "Er hat immer noch Schmerzen im Fuß. Wir müssen weiter von Tag zu Tag schauen." Möglicherweise kann der Bayern-Kapitän, der gegen den BVB weiter von Ersatzmann Jonas Urbig vertreten wird, am Dienstag in Madrid ins Tor zurückkehren. Dorthin wollen die Münchner am liebsten beflügelt durch einen Sieg im Topspiel gegen Dortmund reisen. Die Ausgangslage vor dem Duell der beiden großen Bundesliga-Rivalen ist allerdings so spannend wie schon lange nicht mehr. Der BVB reist schließlich als punktgleicher Tabellenzweiter zum Duell mit dem Tabellenführer aus München an. Augenhöhe oder trügt der Schein? "Dortmund war letztes Jahr schon ein sehr starker Herausforderer und setzt das in dieser Saison fort", sagte Eberl voller Respekt und Anerkennung vor dem mit Spannung erwarteten Kräftemessen. Aber ist es tatsächlich eins auf Augenhöhe? Oder trügt der Schein am Ende doch, wie es etwa das Torverhältnis von 25:6 und vor allem die im Vergleich zum BVB (12:4) bereits doppelte Anzahl der erzielten Tore vermuten lassen könnten? Auch wenn die Dortmunder dafür derzeit die wenigsten Gegentore der Liga haben und damit die beste Abwehr stellen. "Der Punktestand ist gleich. Das bedeutet automatisch Augenhöhe", sagte Eberl: "Es ist ein großes Spiel, auf das wir uns freuen. Trotzdem wollen wir dieses Spiel gewinnen und diese Augenhöhe tabellarisch verlassen." Damit könnten sich die Bayern drei Punkte Vorsprung auf ihren ärgsten Verfolger in der Tabelle erspielen. Das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur nächsten Meisterschaft sowie zurück zum ersehnten Alltag.