Kärnten: Österreichisches Café macht Trinkgeld bei Kartenzahlung verpflichtend
Ein Café in Kärten will verhindern, dass Kunden bei Kartenzahlung das Trinkgeld „vergessen“. Deshalb werden automatisch fünf Prozent der fälligen Summe draufgerechnet. Fair oder frech?
Ein Café im österreichischen Kärnten sorgt mit einer kontroversen neuen Regelung für Gesprächsstoff: Wer dort mit Karte bezahlt, muss automatisch fünf Prozent Trinkgeld zusätzlich drauflegen. Das gilt laut einem mehrsprachigen Hinweisschild immer dann wenn Gäste Serviceleistungen in Anspruch nehmen.
Der Betreiber begründet dies damit, dass Trinkgeld bei bargeldloser Zahlung häufig „vergessen“ werde. Ein Kartenterminal, an dem Gäste selbst einen Betrag auswählen können, steht dem Café derzeit noch nicht zur Verfügung, weshalb auf die festen fünf Prozent ausgewichen werden müsse.
Trinkgeld verpflichtend – bei Zahlung mit Karte
In Deutschland ist Trinkgeld traditionell ein freiwilliger Bonus für guten Service. In Restaurants geben viele Gäste etwa fünf bis zehn Prozent oder runden den Betrag auf. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht nicht und, anders als in den USA, ist das Servicepersonal hierzulande auch nicht zwingend auf Trinkgeld angewiesen.
Die zunehmende Verbreitung bargeldloser Zahlungen sorgt derzeit tatsächlich für Veränderungen der Trinkgeldpraxis – es fällt etwa das Aufrunden weg, das bei Barzahlung für viele Kunden der Anstoß für einen kleinen Bonus für den Kellner war. Nachweislich wird weniger Trinkgeld gegeben, wenn digital bezahlt wird. Ein Streitpunkt ist aber auch die vielerorts automatisch aufploppende Frage auf dem Kartenterminal, wieviel Prozent Bonus man denn geben möchte. Möchte man nichts extra zahlen, muss man das aktiv sagen, was natürlich unangenehm sein kann.
Das automatische Draufrechnen einer Trinkgeldpauschale geht aber noch einmal einen Schritt weiter. Die Reaktionen sind – erwartungsgemäß empört. „Nicht in Ordnung. Ich gebe gern, lasse mich aber nicht zwingen“, oder „Das geht für mich gar nicht. Ich möchte das selbst entscheiden. Wenn der Cafebetreiber sich Sorgen macht, dass seine Mitarbeiter abends zu wenig Geld mit nach Hause nehmen, soll er ihnen mehr Gehalt zahlen“, kommentieren Menschen im Internet.
Immer wieder Diskussionen ums Trinkgeld
Inzwischen denkt der Betreiber übrigens bereits darüber nach, die Regelung wieder abzuschaffen. Offiziell aber nicht, weil die Kundschaft wegbleibt oder unwirsch wird. Nein: Ihm zufolge geben viele Gäste mittlerweile auch bei Kartenzahlung freiwillig Trinkgeld oder runden den Rechnungsbetrag auf. Besonders bei jüngeren Besuchern sei dieses Verhalten zu beobachten. Warum die streitbare Idee dann überhaupt nötig war – unklar.