Wer Geld fest anlegt, bekommt derzeit so viel Zins wie seit 2012 nicht mehr. Auch beim Tagesgeld zieht der Wettbewerb unter den Banken spürbar an. Die Zinsen für langfristige Festgeldanlagen haben in Deutschland den höchsten Stand seit 14 Jahren erreicht. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox von mehr als 800 Banken und Sparkassen liegt der Durchschnittszins für Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit aktuell bei 3,22 Prozent – so viel wie zuletzt im Juni 2012. Auch kürzere Laufzeiten und Tagesgeldangebote verzeichnen steigende Zinsen. Seit Anfang September sind die Festgeldzinsen besonders kräftig gestiegen . Bei zweijährigen Anlagen kletterte der Durchschnittszins um 0,21 Prozentpunkte auf nun 2,76 Prozent. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei zehnjährigen Festgeldern aus: Hier ging es um 0,25 Prozentpunkte nach oben, von 2,97 auf 3,22 Prozent. Hohe Zinsen fürs Festgeld: Bis zu 4,25 Prozent sind drin Finanzexperte und Verivox-Chef Oliver Maier warnt: "Zehnjährige Festgelder sind nicht für jeden geeignet, denn während der gesamten Laufzeit können Anleger nicht auf ihr Erspartes zugreifen. Doch für Gelder, die vor allem sicher angelegt sein sollen und zwischenzeitlich definitiv nicht benötigt werden, können sich Sparer aktuell langfristig sehr hohe Zinsen sichern." Unter deutschen Anbietern zahlt die Badenia Bausparkasse mit 3,96 Prozent derzeit den höchsten Festgeldzins. Bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland sind bis zu 4,25 Prozent möglich, etwa bei der niederländischen Achmea Bank. Maier empfiehlt zudem, auf den Zinseszinseffekt zu achten: "Wer eine Bank wählt, bei der die Zinsen nicht ausgeschüttet, sondern auf dem Anlagekonto weiter verzinst werden, profitiert vom Zinseszinseffekt." Hinter dem Anstieg stehen zwei Faktoren: die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank im laufenden Jahr sowie steigende Anleiherenditen. Wegen der hohen Renditen am Kapitalmarkt ist es für Banken teurer geworden, sich Geld für ihre Kreditvergabe zu beschaffen. Festverzinsliche Spareinlagen werden dadurch als Finanzierungsquelle attraktiver, was den Wettbewerb unter den Banken und damit die Zinsen antreibt. Banken überbieten sich bei Aktionszinsen Auch das Vergleichsportal Biallo sieht Festgeldzinsen gerade im Aufwind. Ganz neu in der Liste: die estnische Direktbank Bigbank. Für zwölf Monate zahlt sie seit dem 26. Oktober 2026 einen Aktionszins von 3,60 Prozent pro Jahr und führt damit laut Biallo den Marktvergleich an. Die nächsten Anbieter kommen auf 3,50 Prozent, darunter die Isbank, HoistSpar, die Oyak Anker Bank und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank. Die Aktionskonditionen der Bigbank gelten allerdings nur bis zum 4. November 2026. Auch beim Tagesgeld läuft der Wettbewerb um Neukunden auf Hochtouren. Der höchste Zinssatz für befristete Neukundenangebote liegt aktuell bei 4,5 Prozent. Boten Anfang September noch lediglich zwei Banken Zinsen auf oder über der Vier-Prozent-Marke, sind es inzwischen acht Anbieter. Oliver Maier von Verivox ordnet die Entwicklung so ein: "Die Marke von vier Prozent entwickelt sich immer mehr zum derzeitigen Marktstandard, wenn Banken ihre Konditionen nachbessern, um mit befristeten Aktionszinsen um neue Kunden beziehungsweise frische Spargelder zu werben." Sparer sollten dabei beachten, dass diese Aktionszinsen meist nur für einige Monate gelten und der danach gültige Standardzins oft deutlich niedriger ausfällt. Manche Angebote sind zudem an Bedingungen geknüpft, etwa den gleichzeitigen Abschluss eines Girokontos oder Wertpapierdepots. Der höchste Neukundenzins für ein reines Tagesgeldangebot ohne solche Zusatzbedingungen liegt laut Verivox bei 4,1 Prozent. Bei den Bestandskundenzinsen für Tagesgeld ist das Bild weniger rosig . Der Durchschnitt liegt aktuell bei 1,52 Prozent, ein Anstieg um 0,12 Prozentpunkte seit Anfang September. Einen stärkeren Zuwachs in so kurzer Zeit gab es seit drei Jahren nicht. Dennoch haben von den 816 ausgewerteten Banken und Sparkassen bislang nur 283 ihre Bestandskundenzinsen überhaupt erhöht.