Die Gaspreise steigen wieder – und eine alte Faustregel gerät ins Wanken. Die Grundversorgung ist mancherorts plötzlich günstiger als Sondertarife. Die Grundversorgung ist bei Gas zurzeit in vielen Orten nicht mehr zwingend der teuerste Tarif. Das hat der Geldratgeber "Finanztip" berechnet. Laut dem "Finanztip"-Gaspreis-Barometer kostet die Grundversorgung für Gas im Durchschnitt aktuell 13,52 Cent pro Kilowattstunde; die günstigsten Sondertarife mit zwölf Monaten Preisgarantie liegen mit durchschnittlich 13,96 Cent leicht darüber. In einzelnen Städten fällt der Unterschied deutlicher aus. Bei einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden kostet die Grundversorgung in Memmingen rund 1.499 Euro pro Jahr, der günstigste empfohlene Tarif mit Preisgarantie rund 1.937 Euro – ein Unterschied von 438 Euro. Auch in Norderstedt , Passau, Bielefeld und Hamburg liegt die Grundversorgung laut "Finanztip" unter dem jeweils günstigsten empfohlenen Tarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie. Benjamin Weigl, "Finanztip"-Experte für Energie, rät Kunden deshalb davon ab, die Grundversorgung pauschal abzulehnen. "Wer gerade einen neuen Gastarif sucht, sollte auch den Preis der örtlichen Grundversorgung prüfen – in vielen Orten zählt sie aktuell zu den günstigsten Tarifen." Gastarife dürften 2027 steigen Allerdings könnte der Preisvorteil in einigen Fällen nur vorübergehend sein: Für den 1. Januar rechnet "Finanztip" in vielen Regionen mit Preiserhöhungen in der Grundversorgung. Preiserhöhungen müssen Grundversorger mindestens sechs Wochen vorher ankündigen. Verbraucher können die Grundversorgung mit einer Frist von zwei Wochen kündigen und anschließend erneut vergleichen. Über mögliche Preisanpassungen haben mehrere große Grundversorger laut "Finanztip" noch keine Entscheidung getroffen. EWE hält bei anhaltend angespannter Marktlage eine Erhöhung im kommenden Jahr für wahrscheinlich; Badenova geht momentan nicht von höheren Preisen für Bestandskunden aus. Als Grund für den zeitweiligen Preisvorteil nennt "Finanztip" die Einkaufsstrategie der Grundversorger: Sie kaufen Gas für ihren festen Kundenstamm häufig längerfristig im Voraus ein. Kurzfristige Preissteigerungen im Gas-Großhandel wirken sich daher oft verzögert auf die Endkundenpreise aus, während Sondertarife schneller an Marktveränderungen angepasst werden. Die Gaspreise sind in dieser Woche auf den höchsten Stand seit Dezember 2022 gestiegen und liegen am europäischen Terminmarkt nun bei 90 Euro/MWh. Für die meisten Verbraucher mit Preisgarantie macht das noch keinen Unterschied – im kommenden Jahr dürfte es für viele aber wieder nach oben gehen.