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FC Bayern: Patzer in Augsburg legt Schwachstelle beim Rekordmeister offen

Der FC Bayern schrammt in Augsburg nur knapp an der ersten Saisonniederlage vorbei. Dabei wird eine Schwachstelle der Münchner schonungslos offengelegt, die Sorgen bereitet. Aus Augsburg berichtet Julian Buhl Der Frust war den Spielern des FC Bayern auch noch deutlich anzumerken, als sie nach dem 2:2 beim FC Augsburg durch den Spielertunnel kamen. Mit hängenden Köpfen und versteinerter Miene liefen sie dort in Richtung Mannschaftskabine. Allen voran Manuel Neuer stand die Enttäuschung förmlich ins Gesicht geschrieben. Der Kapitän hatte den Bayern-Patzer mit seinem Aussetzer, der zu einem folgenschweren Ballverlust und nur acht Sekunden nach dem Anstoß zum schnellsten Gegentor der Bundesligageschichte führte, eingeleitet. Als Neuer dann wieder aus der Kabine kam, sagte er in der Mixed Zone zu den Reportern: "War ein blöder Fehler von mir. Danach musste ich erst mal in mich gehen, durchatmen." Das galt gewissermaßen auch für die gesamte Mannschaft, die sich nach dem frühen Schock lange schwertat, in die Partie zurückzukommen. Ismael Saibari gelang erst nach fast einer Stunde (55.) der Ausgleich für den deutschen Rekordmeister. Den erneuten Führungstreffer für Augsburg durch Rodrigo Ribeiro (64.) konterte der eingewechselte Nationalspieler Nathaniel Brown (80.) und bewahrte die Bayern damit immerhin vor der ersten Saisonniederlage. Aufgrund der zwischenzeitlichen Überlegenheit und der vielen vergebenen Torchancen überwog im Lager der Bayern am Ende dennoch das Gefühl der Enttäuschung. Denn mit dem Unentschieden verpassten die Münchner auch den möglichen Sprung an die Tabellenspitze, nachdem Borussia Dortmund bereits am Vortag ebenfalls mit einem 2:2-Unentschieden erstmals in dieser Saison gepatzt hatte. Dementsprechend ärgerte sich Joshua Kimmich stellvertretend für die Mannschaft darüber, nicht auf Platz eins zu stehen – "das ist das, wo wir hin wollen." "Musste erst mal in mich gehen": So erklärt Neuer seinen Patzer Bayerns heißer Herbst: Kompany überrascht und erklärt Spiel zum "Finale" Gescheitert waren die Bayern dabei in erster Linie an sich selbst, da waren sich nahezu alle Protagonisten einig. Auch Bayerns Sportvorstand Max Eberl sah das so. "Wir haben uns das Leben mit einer Reihe von Fehlern schwer gemacht. Da hängt der Manu mit drin, aber andere auch", sagte Eberl. "Wir hatten genug Chancen, das Spiel trotzdem zu gewinnen." Mit der schwachen Chancenauswertung benannte Eberl einen zentralen Schwachpunkt im Spiel der Bayern, der sich bereits in anderen Partien dieser Saison gezeigt hatte. "Dann kannst du noch so viele Torchancen rausspielen" Er sei "kein Riesenfreund von Expected Goals", also der aufgrund des Spielverlaufs statistisch zu erwartenden Anzahl der Tore. "Aber wenn ich lese, wir haben Fünf-Komma-Irgendwas, dann kannst du noch so viele Torchancen rausspielen, wenn du sie dann nicht machst", so Eberl. Der Expected-Goals-Wert der Bayern in Augsburg lag am Ende tatsächlich bei 5,02. Der Bayern-Boss wies die an ihn gerichtete Frage zurück, ob Bayern gegen tief stehende Gegner aktuell kein Mittel finden würde. Die Mannschaft hätte sich genügend Tormöglichkeiten erspielt, so Eberl: "Anders als auf Schalke (0:0; Anm. d. Red.), haben wir viel mehr Lösungen gefunden. Anders als gegen Union (7:0; Anm. d. Red.), haben wir viel mehr Lösungen gefunden. Obwohl wir da sieben Tore geschossen haben." Eberls Fazit des Ausrutschers gegen Augsburg: "Wir hatten heute zahlreichste Torchancen, sie aber einfach nicht verwertet." Zur Wahrheit gehören auch die vier Bayern-Treffer, die aufgrund von teilweise sehr knappen Abseitspositionen vom Schiedsrichtergespann zurückgenommen wurden. Darauf wies auch Chefcoach Vincent Kompany bei seiner Analyse hin. "Man braucht nicht alles komplizierter machen als es eh schon ist. Es war ein Tag, an dem es auf Millimeter und Details ankam", sagte der Belgier. "Unsere Fans haben sechsmal gejubelt, aber leider hat es nur zweimal gezählt. Aber manchmal waren wir auch selbst schuld." Er steht sinnbildlich für Bayerns großes Problem Nach einem Lattenknaller von Harry Kane (45.), einem Pfostentreffer von Serge Gnabry und insgesamt sieben Großchancen mussten sich die Bayern am Ende jedenfalls mit einem 2:2 begnügen. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihre deutlich größere Dominanz nicht auch in eine entsprechende Anzahl von Toren ummünzen konnten. Bei den Auswärtsspielen auf Schalke (0:0), in Elversberg (2:1) und in Augsburg hat die Kompany-Elf aus den addierten Expected-Goals-Werten von 9,6 gerade einmal vier Tore gemacht – also 5,6 Tore weniger, als die Qualität und Quantität der Chancen hätten erwarten lassen. Sinnbildlich für den bayerischen Chancenwucher und die mangelnde Effektivität vor dem Tor stand einmal mehr Luis Díaz . Sowohl sein artistischer Treffer per Seitfallzieher als auch sein Hackentor wurden vom Schiedsrichter wieder zurückgenommen. In vielen anderen Situationen wirkte der Kolumbianer zu hektisch und traf häufig die falsche Entscheidung. Und so wartet der Flügelstürmer, der in der vergangenen Saison noch zu Bayerns Topscorern gehörte, seit dem ersten Spieltag weiter auf sein zweites Saisontor. "Es kommen große Spiele auf uns zu" Viel Zeit bleibt den Bayern nicht, um ihr Offensivproblem in den Griff zu bekommen. Nach dem Spiel in Augsburg warten in 29 Tagen neun Partien und ausschließlich Englische Wochen auf die Münchner. Die nächste knifflige Aufgabe steht bereits am Dienstagabend in der Champions League bei Viking Stavanger auf dem Programm. Die Bayern erwarten auch danach weiterhin heiße Herbstwochen. Darauf sprach t-online Kompany und Sportdirektor Christoph Freund bereits vor dem Augsburg-Spiel an. Das sei, so Kompany, "diese Phase, in der man liefern muss". Und Freund ergänzte: "Es kommen große Spiele auf uns zu. Wir haben einen super Kader, der bereit dafür ist." Die kommenden Bayern-Gegner heißen nach Viking Stavanger, RB Leipzig , FC Arsenal , SC Freiburg , 1. FC Magdeburg , Borussia Dortmund, Atlético Madrid und Mainz 05. Besonders die beiden Duelle zu Hause mit Arsenal und auswärts bei Atlético werden in der Champions League die ersten Gradmesser. Und auch das Bundesliga-Topspiel gegen den Tabellenführer BVB dürfte richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Hinrunde werden. Bei diesen Standortbestimmungen können sich die Bayern eine derart fahrlässige Chancenverwertung nicht mehr erlauben. Andernfalls könnten sie dabei ein böses Erwachen erleben. Möglicherweise kam der Warnschuss in Augsburg aus Sicht der Münchner also gerade noch einmal zur richtigen Zeit.

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