Bildband „Jukebox Heroes“: Darf’s ein bisschen weniger sein? Plattencover in minimalistischem Design
Ikonische Cover neu gedacht: Der Bildband „Jukebox Heroes“ reduziert Klassiker der Popgeschichte auf das Wesentliche – und macht Lust, die alten Platten wieder aufzulegen.
Wer noch mit Schallplatten und CDs aufgewachsen ist, hat gelernt, dass ein Album immer mehr ist als die darauf enthaltene Musik. Es ist ein sinnliches Erlebnis, zu dem das Cover auch seinen Teil beiträgt: Es verschmilzt mit den Songs zu einem untrennbaren Gesamtkunstwerk. Mit dem Effekt, dass allein der Anblick des Artworks eines lieb gewonnenen Albums ein warmes Gefühl in der Brust erzeugt.
So wie große Musik immer wieder neu interpretiert, nachgespielt und bearbeitet wird, ist dies auch bei Plattencovern möglich. Der in Hamburg lebende Illustrator Dieter Braun hat genau das in seinem neuen Bildband „Jukebox Heroes“ gemacht, den er zusammen mit dem Musikjournalisten und stern-Mitarbeiter Ingo Scheel herausgebracht hat. „Ikonische Plattencover in minimalistischem Design” lautet der Untertitel, und genau das setzt Braun auch um: Die bearbeiteten Motive von Klassikern wie „What’s Going On“, „London Calling“ oder „Highway to Hell“ sind hier auf das Nötigste reduziert.
„Jukebox Heroes“ macht Lust auf die Musik
Das funktioniert umso besser, je minimalistischer die Bilder schon im Original sind. Ganz exzellent bei „Three Imaginary Boys“, dem Debütalbum von The Cure, das durch Brauns Reduktion wie ein modernes Gemälde wirkt. Wo das Cover ohnehin schon überladen und mit viel Schrift überzogen ist, wie bei Elvis Presleys Compilation „50.000.000 Elvis Fans Can’t Be Wrong: Elvis’ Gold Records, Volume 2“, funktioniert das Prinzip weniger gut. Die meisten Alben gewinnen aber durch die Neuinterpretation und machen Lust zum Weiterblättern. Und, genauso wichtig: anschließend die Platte aufzulegen. Denn, das machen Braun und Scheel in ihren Vorworten klar: Die Liebe für Musik wird nicht geringer. Sie wächst durch die lebenslange Beschäftigung mit ihr. „Jukebox Heroes“ ist ein weiterer Baustein.
„Jukebox Heroes. Ikonische Plattencover in minimalistischem Design”, von Dieter Braun und Ingo Scheel, ist im Knesebeck Verlag erschienen. Es beinhaltet 184 Seiten und kostet 40 Euro.