Der Aktienkurs der Vonovia kennt nur eine Richtung: nach unten. Am Berliner Wohnungsmarkt geht die Sorge vor dem Sozialismus nicht erst seit der Abgeordnetenhauswahl um. Mietern nützt all dies wenig – im Gegenteil. Das entscheidende Thema bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin war bekanntlich die Wohnungsfrage. Die Wahlsiegerin, die Linkspartei, suggeriert, dass die Mieten in Berlin zu hoch seien, und hat als Feind all jene auserkoren, die in Berlin im großen Stil Wohnraum zur Verfügung stellen. Besonders im Fokus stehen die Deutsche Wohnen und Vonovia . Die Konzerne sind angesichts ihres Immobilienportfolios eng mit der Stadt Berlin verknüpft. Historisch hatte die Hauptstadt einen deutschlandweit einzigartig hohen prozentualen Anteil an genossenschaftlichen Immobilien und staatlichem Wohnungsbau. Im Zuge des Berliner Bankenskandals der 1990er- und 2000er-Jahre privatisierte die Stadt ihren damaligen Wohnungsbestand. Dabei muss man wissen, dass zur Zeit der Privatisierung Anfang der 2000er-Jahre Berlin längst nicht die Attraktivität besaß, die die Stadt ab 2010 ausstrahlte. Berliner Mieten sind nicht so hoch Berlin war geprägt von Wegzug, und ebenso wie andere große Städte im Osten Deutschlands, wie Leipzig und Dresden , gab es, wenn überhaupt, nicht genügend Mieter. In Stadtteilen wie Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder Kreuzberg konnten sich Mieter mitunter ihre Wohnung frei aussuchen – auch zu niedrigen Mieten. Heute sieht das ganz anders aus, und doch: Ungeachtet der Argumentation der Linkspartei sind die Berliner Mieten im Mittel keinesfalls überhöht . Das zeigen internationale Vergleiche, die Kaufkraft und Einkommensfragen berücksichtigen. Der Vorwurf der Profitmaximierung und des Wohlergehens von Konzernen wie Vonovia steht diametral der Entwicklung des Aktienkurses in den vergangenen Jahren entgegen, der sowohl bei Vonovia als auch Deutsche Wohnen nur den Weg in Richtung Süden kennt. Vonovia-Aktien stürzen ab Die Aktie von Vonovia wird gegenwärtig sogar mit einem hohen, zweistelligen (60-prozentigen) Abschlag zum Buchwert gehandelt, was nichts anderes bedeutet, als dass der Kapitalmarkt erhebliche Risiken politischer Art für Vonovia in den Kurs eingearbeitet hat. Man könnte formulieren, dass der gewollte Sozialismus in Berlin für Investoren nichts anderes als eine rote Flagge darstellt. Dass als Zweitrundeneffekt internationale Investoren die Stadt Berlin meiden dürften und die Pläne der Linken – genauso wie jene von SPD und Grünen – Investoren vertreiben, ist in Berlin jetzt schon zu spüren. Denn anders als europäische Großstädte wie Paris , Madrid , London oder Lissabon ist Berlin weder für große Dax-Konzerne noch für die Start-up-Szene von übergeordneter Bedeutung. Vielmehr hat sich Berlin zu einer Stadt von Behörden und Staatsangestellten entwickelt. Das Argument gegen Deutsche Wohnen und Vonovia lautet gerade in linken Kreisen immer wieder, dass man sich doch bitte ein Beispiel nehmen solle an einer mieterfreundlichen Stadt wie Wien. Dort ist der kommunale Wohnungsbau sehr stark, die Stadt seit einigen Jahren ebenfalls von einer linksgerichteten Führung geprägt. Viele haben bezogen auf den Wohnungsmarkt eine Art Wien-Tourette entwickelt, welches nichts anderes bedeutet, als bei Fragen der Miethöhe stets auf die österreichische Hauptstadt zu verweisen. Da dürfte es einige Fachunkundige durchaus verwundern, dass im Jahr 2025 die Nettokaltmieten beim Neubau in Wien erstmals die Marke von 20 Euro überschritten haben. Dies liegt auch daran, dass viele der schönen Altbauten den Mieter selten wechseln und von vielen Mietern als Zweitwohnungen genutzt werden, da die Wohnkosten entsprechend niedrig sind. Mietendeckel bringt auch in Genf nichts Besonders interessant wird die Miethöhe von 20 Euro im Neubau in Wien aber, wenn man ihr die Durchschnittsnettokaltmiete der Vonovia in Berlin gegenüberstellt. Diese liegt nämlich nach Angaben von Vonovia und Daten der Stadt Berlin bei nicht einmal 9 Euro, präzise gesprochen bei 8,81 Euro. Im Neubau liegt der Mietpreis in Berlin bei 15 Euro. Der extrem abgestürzte Aktienkurs von Vonovia hat selbstverständlich nicht nur etwas mit Berlin zu tun; auch die deutliche Steigerung am Zinsmarkt für die Finanzierung eines zehnjährigen Kredits auf mittlerweile rund vier Prozent hat am Immobilienmarkt ihre Spuren hinterlassen. Was der Aktienkurs von Vonovia aber nicht verändern wird, ist die Nutzlosigkeit von Regulierung und Mietendeckeln. Dafür kann man jede Stadt weltweit zurate ziehen, die einen Mietendeckel probiert hat, wie etwa in der Stadt Genf, die das Modell praktisch erfunden hat. Und in der Tat sind die Mieten im Stadtkern dort für den Bestand durchaus niedrig. Es ist jedoch zum einen nahezu unmöglich, eine Wohnung zu finden. Zum anderen hat der Mietendeckel erstaunliche Nebeneffekte: In der Stadt eskalieren zugleich die Preise für Neubau, Grundstücke und Mieten. Eine aktuelle Studie der UBS weist Genf weiterhin als Immobilienmarkt mit erhöhtem Immobilienblasenrisiko und sehr hohen Preisen aus. Das Problem ist also nicht weg. Es wird lediglich verlagert. So wird auch die schöne Forderung, Deutsche Wohnen zu enteignen oder deren Bestände zu vergesellschaften, populistisch und demagogisch bleiben, jedoch für Mieter nachteilig wirken und zugleich eines sicher nicht schaffen: neuen Wohnraum. Und gleichzeitig dies als kleiner Trost für alle linken Aktivisten: Es wird auch keine florierenden Aktienkurse für Vonovia geben, falls dies das eigentliche Ziel sein sollte. Immerhin dies haben die Linken in Berlin erreicht.