morgenstern: Aufpasst is'!
Am Samstag beginnt in München das Oktoberfest – leider aber können es nicht alle genießen. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
morgen um 12 Uhr gibt es eine kleine Weltpremiere: Erstmals wird, unter den wachsamen Augen von Markus Söder, mit Dominik Krause ein grüner (!) Bürgermeister im Schottenhammel-Festzelt das erste Fass Bier anzapfen. So beginnt erneut das weltweit größte Volksfest. Eine wichtige Info vorab: Die Mass (kurzes a!) kostet dieses Jahr im Durchschnitt stolze 15,80 Euro. Millionen Menschen werden wieder nach München kommen, um für ein paar Tage den Rest der Welt zu vergessen.
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, ein paar Tage lang nicht Trump und Merz, sondern nur die Texte von „Bella Napoli“ und „Skandal im Sperrbezirk“ im Kopf zu haben. Leider aber ist die Wiesn für viele nicht nur ein Ort des Eskapismus – sondern auch ein gefährliches Pflaster.
Oktoberfest ist nicht nur Ekstase
Auf Facebook und Tiktok kursieren dieser Tage Videos vom Teufelsrad, einem beliebten Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest. Darin sind junge Frauen zu sehen, teilweise wirken sie noch jünger als 20 Jahre. In den Videos wird unter die Röcke gefilmt und der Intimbereich gezeigt. Mehrere Zehntausend solcher „Upskirting“-Videos gibt es online, die Accounts haben teilweise mehr als 100.000 Follower, schreiben die Münchner Kollegen der „Süddeutschen Zeitung“. Manche der Accounts haben ihren Sitz in den USA oder Asien.
Sexuelle Übergriffe sind auf der Wiesn leider nicht neu. Im vergangenen Jahr wurden bei der Polizei 72 Sexualdelikte angezeigt, nach 56 Fällen im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. In den allermeisten Fällen sind die Tatverdächtigen Männer, oft aus dem nahen Bekanntenkreis.
Das sorgt dafür, dass viele Frauen die Wiesn eben nicht so genießen können wie die Männer. Sie müssen aufeinander aufpassen, gegenseitig ihre Standorte teilen und ihre Gläser im Blick behalten. Seit einigen Jahren gibt es unweit der Bavaria hinter der Festhalle Schottenhammel auf der Theresienwiese einen Safe Space für Frauen und Mädchen.
Leider ist es ein ernstes Thema für ein Event, das vor allem Leichtigkeit und Offenheit transportieren soll. Wenn Sie sich also in den nächsten Tagen aufmachen, in die Weltstadt mit Herz, unter dem blau-weiß-bayerischen Himmel auf die Theresienwiese einziehen und bei Bratenduft die wohlverdiente erste kühle Mass bestellen – dann will ich Ihnen nur ans Herz legen: Passen Sie auf – auf sich und Ihre Freunde.
In diesem Sinne: Aufpasst' is!
Das Wunder von Schwerin
Neben dem Wiesnanstich – bestimmt das wichtigste Event dieses Wochenendes – gibt es ja noch zwei andere Termine: In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gehen die Menschen zur Wahlurne. Und in Schwerin könnte ein kleines Wunder geschehen: Laut jüngsten Umfragen scheint Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die AfD auf den letzten Metern zu überholen.
Die AfD schlagen? Mit einer – verzeihen Sie – SPD-Kandidatin? Tatsächlich legt Schwesig in diesen Tagen eine fulminante Aufholjagd hin. Innerhalb eines Jahres hat sie ihre Umfragewerte verdoppelt. Wie sie das gemacht hat, analysiert mein Kollege Martin Debes.
5-Minuten-Talk: Wer den Wahlsonntag kaum erwarten kann
Bleiben wir kurz bei den Wahlen. Viele im politischen Berlin haben sich zuletzt angewöhnt, auf die Wahltage mit Angst zu blicken – angesichts des Ergebnisses von Sachsen-Anhalt vielleicht auch nicht zu unrecht. Doch dieses Mal gibt es ein paar Politiker, die den Sonntag kaum erwarten können. Um wen es geht und warum sie profitieren könnten, darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
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Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Wir biegen auf das letzte Viertel des Jahres ein – also noch einmal eine Chance, jetzt aber bestimmt wirklich nochmal so richtig mit dem Sport anzufangen, damit man an Weihnachten die ganze Familie beeindruckt. Falls das nicht als Argument reicht, bekommen Sie hier gleich noch eines mitgeliefert: Von mehr Sport kann auch Ihr Sexleben profitieren. Regelmäßiges Laufen oder Schwimmen etwa kann die Libido erhöhen und das Risiko für Erektionsstörungen verringern. Aber es gibt auch Sportarten, die eher schädlich sind – darunter übrigens auch die Hypesportart unter Männern um die 30. Mein Kollege Helmut Broeg klärt Sie auf.
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Das war mein vorerst letzter Morgenstern. Ab kommender Woche begrüßt Sie hier meine Kollegin Wiebke Tomescheit-Bösenberg, mich lesen Sie künftig wieder beim stern-Schwestermagazin Capital und auf capital.de. Vielen Dank, dass ich Teil Ihres Morgens sein durfte!
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Kilian Schroeder