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Bundesweiter Test: Sirenen heulen, Handys schrillen - Warntag im Nordwesten

Stern 

Nicht erschrecken, am Donnerstag wird es wieder laut: Wie bundesweit Sirenen getestet werden und was Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen und Bremen beachten sollten.

Wenn plötzlich das Handy piept, Sirenen heulen oder eine Warnung im Radio läuft, kann das zunächst verunsichern - doch diesen Donnerstag wird das Warnsystem nur getestet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Warntag in Niedersachsen und Bremen im Überblick:

Warum gibt es den Warntag?

Es ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen. Der Warntag soll zeigen, ob die Warnsysteme und das Zusammenspiel der beteiligten Stellen funktionieren. Zugleich soll die Bevölkerung mit Warnungen und den verschiedenen Warnwegen vertrauter werden. 

Die Lage sei ernst, betont etwa Bremens Innensenatorin Eva Högl. „Gefahrenlagen können auch bei uns jederzeit auftreten - etwa durch Hochwasser, Unwetter, Großbrände oder den Ausfall kritischer Infrastruktur“, sagt die SPD-Politikerin. „Eine Warnung kann im Ernstfall entscheidende Minuten bringen. Deshalb müssen die technischen Systeme zuverlässig funktionieren.“

Was passiert beim Warntag?

Der Bund verschickt eine Probewarnung als Warntext über das zentrale, satellitengestützte Modulare Warnsystem (MoWaS). Dieses System funktioniert auch dann, wenn normale Kommunikationsnetze überlastet sind. Neben Cell Broadcast und Warn-Apps wie Nina oder Katwarn werden um 11.00 Uhr Meldungen über Radio, Fernsehen, Internetangebote, digitale Infotafeln der Städte sowie in Bussen und Bahnen verbreitet. 

In einigen Kommunen kommen zusätzlich Sirenen und Lautsprecherwagen zum Einsatz. So möchte etwa die Stadt Hannover nach langer Zeit wieder ihre Sirenen nutzen, auch in Osnabrück sollen Sirenen Alarm schlagen. Mancherorts läuten Kirchenglocken, etwa in Bremerhaven. „Wir setzen bewusst auf einen Warnmix, denn keine einzelne Warnmöglichkeit erreicht immer alle Menschen“, erklärte Bremens Innensenatorin Högl. Um 11.45 Uhr folgt die Entwarnung.

Wie sollte man sich vorbereiten?

„Eine besondere Vorbereitung auf den Warntag ist nicht erforderlich“, teilte das Bremer Innenressort mit. Da es sich um eine Probewarnung handelt, bestehe keine Gefahr. 

Wer sich für den Ernstfall rüsten will: Für Cell Broadcast sollte das Smartphone ein aktuelles Betriebssystem haben, eine eigene App ist nicht nötig. Wer Warn-Apps wie Nina oder Katwarn nutzt, sollte prüfen, ob Benachrichtigungen für Warnmeldungen aktiviert sind. Zudem sollte man sicherstellen, dass die Standorte abonniert wurden, für die Warnmeldungen einlaufen sollen. Es ist außerdem ratsam, sich zu informieren, welche Warnkanäle die eigene Kommune im Ernstfall nutzt. Je nach Wohnort können Sirenen oder Lautsprecherfahrzeuge zum Einsatz kommen.

Laute und ungewohnte Warnsignale können bei manchen Menschen Ängste oder belastende Erinnerungen auslösen. Das Land Niedersachsen rät, vorab das Gespräch zu suchen und Betroffene während der Probewarnung nicht allein zu lassen. Die Sirenen könnten auch Haustiere erschrecken, Besitzerinnen und Besitzer sollten entsprechend vorsorgen. 

Warum ertönen nicht in allen Kommunen Sirenen?

„In Niedersachsen werden die Kommunen darum gebeten, sich aktiv am Warntag zu beteiligen“, teilte das niedersächsische Innenministerium mit. „Eine Verpflichtung zur Teilnahme besteht nicht.“ Ob und welche Sirenen am 10. September ausgelöst werden, hängt daher von der jeweiligen Kommune und den Gegebenheiten vor Ort ab. Bleibt eine Sirene stumm, bedeutet das nicht automatisch, dass das Warnsystem nicht funktioniert hat.

Wie unterscheidet man die Sirenen-Signale?

Der Sirenen-Alarm beginnt mit einem auf- und abschwellenden Heulton. Im Ernstfall bedeutet er: „Rundfunkgerät einschalten und auf Durchsagen achten.“ Ein einminütiger Dauerton gibt Entwarnung - der Probealarm ist beendet.

Wer einen Sirenenton hört, sollte im Ernstfall aufmerksam werden und sich über weitere Warnmeldungen informieren. Dafür können etwa das Radio, Warn-Apps oder die Internetangebote der zuständigen Behörden genutzt werden. Ansonsten kann es sinnvoll sein, sich bei Nachbarinnen und Nachbarn oder anderen Angehörigen zu informieren und auszutauschen.

Worauf sollte man am Warntag selbst achten?

Wer am 10. September eine Probewarnung erhält, sollte prüfen, über welchen Warnkanal die Meldung angekommen ist und ob sie verständlich und rechtzeitig war. 

Was, wenn man keine Warnung hört?

In diesem Fall sollte man die Behörden informieren. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe führt ab Donnerstag bis zum 17. September 2026 eine bundesweite Umfrage durch.

Wie ist der Nordwesten für den Ernstfall gerüstet?

Für den Katastrophenschutz in Niedersachsen sind die Landkreise und kreisfreien Städte sowie die Städte Hildesheim und Cuxhaven zuständig. Laut Innenministerium gibt es keine Pflicht, Sirenenstandorte zentral zu erfassen. Wie viele Sirenen in Niedersachsen aktiv sind, ist deshalb nicht bekannt.

Nach Ende des Kalten Krieges bauten viele Kommunen ihre Sirenen ab, doch nun wird aufgerüstet. Der Bund und das Land Niedersachsen förderten allein in den vergangenen fünf Jahren nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Sirenen. So verfügt Hannover seit kurzem wieder über 112 Sirenen. Die Stadt Göttingen plant, noch in diesem Jahr mehr als 100 Sirenen zu installieren, auch in Oldenburg sollen künftig wieder Sirenen erklingen. 

In Bremen stehen derzeit 43 fest installierte Sirenen zur Verfügung, wie das Innenressort mitteilte. Im Ernstfall können zusätzlich sechs mobile Sirenen zum Einsatz kommen. „Grundsätzlich sollte der Warnton fast überall in der Stadt zu hören sein.“

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