Der Haushalt für 2027 kommt am Mittwoch in den Bundestag. Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt prägt auch die Debatte über künftige Ausgaben. Ein Blick auf die wichtigsten Zahlen. Die Debatte um den neuen Haushalt erfolgt in unruhigen Zeiten: Kurz nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bringt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) heute den Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2027 in den Bundestag ein. Bis Freitag wird im Parlament über die Etatpläne der einzelnen Ministerien diskutiert. Und das birgt viel Spannung. Schon am Mittwoch kommt es bei der Generaldebatte zum Showdown zwischen der schwarz-roten Bundesregierung und der Opposition. "Für ein starkes und krisenfestes Deutschland" hat Klingbeil sein Zahlenwerk überschrieben. Der Finanzminister plant 2027 mit Ausgaben in Höhe von 555,4 Milliarden Euro – das ist deutlich mehr als im laufenden Jahr, in dem 524,5 Milliarden Euro zu Buche stehen. Der größte Einzeletat ist der des Arbeits- und Sozialministeriums mit rund 201,5 Milliarden Euro, darunter sind als größer Einzelposten Leistungen an die Rentenversicherung . Der Haushalt soll im November vom Bundestag verabschiedet werden. Die wichtigsten Zahlen und ihre politische Bedeutung auf einen Blick. 118,7 Milliarden Euro neue Schulden Klingbeils Etatentwurf sieht eine deutlich höhere Neuverschuldung vor. Die Nettokreditaufnahme soll im Rahmen der Schuldenbremse bei 118,7 Milliarden Euro liegen – rund 20 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr. Dazu kommen neue Schulden aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr. Bis 2030 summiert sich die Neuverschuldung auf 219,5 Milliarden Euro. In der Union wächst der Unmut. Unter CDU-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (2009-2017) wurde die Schwarze Null – sprich ein ausgeglichener Haushalt – zum neuen Ziel der Konservativen. Nach dem schwachen CDU-Ergebnis in Sachsen-Anhalt gewinnt die Debatte an neuer Dynamik. Viele der von der Union enttäuschten Wähler gaben explizit den Bruch von Kanzler Friedrich Merz mit der Schuldenbremse als den Grund ihrer Abkehr von der CDU an. 109,7 Milliarden Euro für Verteidigung Der Etat für das Verteidigungsministerium steigt 2027 auf 109,7 Milliarden Euro, das ist knapp ein Fünftel des Gesamtetats und rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. Dazu kommen noch Mittel aus dem auslaufenden Sondervermögen für die Bundeswehr. In den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD ist die Stärkung der Bundeswehr grundsätzlich unumstritten. Auch die oppositionellen Grünen stimmen zu. Doch wieder lohnt ein Blick nach Sachsen-Anhalt. Dort punkteten AfD und BSW mit einem Wahlkampf gegen die "Rüstungsmilliarden", wie sie das nannten. Klingbeil hatte die höhere Neuverschuldung Anfang Juli nach dem Kabinettsbeschluss auch mit Blick auf die Bedrohung durch Russland verteidigt: "Wir müssen in kürzester Zeit drei Jahrzehnte aufholen, in denen unsere Bundeswehr runtergespart wurde." Ohne neue Schulden gehe es nicht. Unter Verweis auf den russischen Präsidenten und die angespannte Sicherheitslage in Europa sagte Klingbeil: "Mit der schwarzen Null können wir uns nicht gegen Putin verteidigen." Doch klingt die Verteidigungslinie der Bundesregierung mitunter kühl. So formulierte Kanzler Merz im ARD-Sommerinterview: "Was nützt uns das schönste Elterngeld , wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist." Es ist unter anderem diese Kälte, die viele Wähler an Merz zweifeln lässt. Doch gelobte der Kanzler nach der Wahl in Sachsen-Anhalt Besserung. Seine Ansprachen sollen emotionaler werden, versprach Merz nach einer CDU-Gremiensitzung zum Wahldebakel seiner Partei. 201,46 Milliarden Euro für Arbeit und Soziales Der größte Einzelposten im Jahr 2027 ist der Etat für das Arbeitsministerium von Bärbel Bas (SPD): Rund 201,46 Milliarden Euro sind für Arbeit, Soziales und Renten vorgesehen. Das sind rund 4,12 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Auf den Arbeits- und Sozialetat entfallen damit 36,27 Prozent der Ausgaben des Bundeshaushalts. Im aktuellen Jahr 2026 beträgt der Anteil 37,62 Prozent. Ein symbolischer Rückgang. Doch steckt in dem Zahlenmaterial viel Konfliktstoff. Gerade der Umbau der Sozialsysteme aber ist umstritten. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt diskutieren Union und SPD erneut über das Reformpaket der Bundesregierung. Kanzler Merz will am Reformkurs grundsätzlich festhalten, Arbeitsministerin Bas sieht Korrekturbedarf. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte, seine Partei habe bei der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren "einen riesigen Gesprächsbedarf". Merz stellte Gespräche mit der SPD in Aussicht. Der Ton in der Koalition bleibt angespannt. Bilanz Bis Freitag dauern die ersten Beratungen über den Etat im Bundestag. Dann geht es in die Ausschüsse, ehe im November die Abschlussabstimmung ansteht. Von "in Zahlen gegossener Politik" sprechen Haushaltsexperten. Bereits zum Haushalt 2026 gab es Kritik, dass beim Sondervermögen Investitionen nicht wie versprochen in einem ausreichenden Maße zusätzlich erbracht werden, sondern dass der Extra-Topf dafür verwendet wird, Lücken im Kernhaushalt zu stopfen und Wahlkampfversprechen wie eine Ausweitung der Mütterrente zu finanzieren. Von einem "Verschiebebahnhof" ist die Rede. Beim Etatentwurf 2027 erreichten die "Haushaltstricks" ein bislang unerreichtes Niveau, kritisierte die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta. "Obwohl wir eine Rekordverschuldung schultern, kommt das Geld nicht bei den Brücken und Schienen im Land an." So sei die Straßensanierung für die nächsten Jahre unterfinanziert und es gebe zu wenig Geld für Schienenprojekte. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann warnte mit Blick auf die Reformdebatte: "Wenn die Union ihren sozialen Kahlschlag nicht stoppt, macht sie sich zum Totengräber der Demokratie."