Ab 2027 sollen Spitzenverdiener mehr Steuern zahlen. Das Bundeskabinett hat dazu einen Entwurf des Finanzministeriums beschlossen. Der Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für die vereinbarte Steuerreform ab 2027 wurde am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossen. Darin ist auch eine Erhöhung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags und des Kindergeldes enthalten. So sollen Geringverdiener und Familien über etwas mehr Geld verfügen. Gegenfinanziert wird das Ganze durch höhere Steuersätze für die Topverdiener im Land. So soll es künftig zwei Reichensteuersätze geben, statt bisher nur einen. Gegenwärtig zahlen Personen ab einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 277.826 Euro einen Steuersatz von 45 Prozent. Das ist der höchste Steuersatz, der 2026 in Deutschland gilt. Neue Reichensteuer ab 2027 Ab 2027 ändert sich das, dann sollen die Einkommensreichen sogar bis zu 47 Prozent zahlen können. Geplant ist Folgendes: Die Reichensteuer von 45 Prozent soll früher greifen, schon ab einem Jahreseinkommen von 250.000 Euro Wer mehr als 280.000 Euro jährlich verdient, soll 47 Prozent zahlen – das ist die neue, zweite Reichensteuer An dem Spitzensteuersatz in Höhe von 42 Prozent, den Gutverdiener schon ab einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 69.879 Euro zahlen müssen, ändert sich derweil nichts. Progressive Einkommensteuer: So funktioniert es Das bedeutet aber nicht, dass Wohlhabende auf 47 Prozent ihres Einkommens Steuern zahlen müssen; in Deutschland funktioniert die Einkommensteuer progressiv. Das heißt, dass für alle die ersten 12.348 Euro (das ist der Grundfreibetrag) steuerfrei sind, erst ab einem Einkommen von 12.349 Euro werden Steuern erhoben. Erst dann wird der niedrigste Steuersatz von 14 Prozent fällig. Ab 17.800 Euro muss man 24 Prozent zahlen, so wächst die Steuer auf bis zu 42 Prozent an. Erst ab 250.000 Euro wird künftig die erste Stufe der Reichensteuer fällig, die zweite Stufe ab 280.000 Euro. Wie genau die progressive Einkommensteuer funktioniert, haben wir hier ausführlich erklärt. Dadurch liegt der durchschnittliche Steuersatz eines Einzelnen niedriger als die einzelnen Grenzsteuersätze. Wer 2027 ein jährliches zu versteuerndes Einkommen von 250.000 Euro hat, zahlt rund 93.000 Euro Einkommensteuer, bei 280.000 Euro sind es 107.000 Euro. Und wer sogar 300.000 Euro verdient, zahlt 116.000 Euro an Steuern im Jahr. Keine Vermögensteuer in Deutschland seit 1997 In Deutschland wird Einkommen grundsätzlich stärker besteuert als Vermögen. Bis 1997 gab es noch eine Vermögensteuer , die auf besonders hohe Gesamtnettovermögen erhoben wurde. Das betraf etwa Grundstücke, Finanzvermögen und Betriebsvermögen. Über einen Freibetrag wurde sichergestellt, dass nur Hochvermögende betroffen waren.