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„Sex and the City"-Star Kim Cattrall wird 70: Sie hat Samantha Jones hinter sich gelassen

Stern 

Ihre Rolle als Samantha Jones machte sie weltberühmt: Kim Cattrall feiert ihren 70. Geburtstag - ganz ohne ihre Serienheldin.

Kim Cattrall feiert am 21. August ihren 70. Geburtstag - und damit ein Alter, das ihre berühmteste Figur vermutlich mit einem amüsierten Blick quittiert hätte. Samantha Jones, die selbstbewusste PR-Frau aus der Kultserie „Sex and the City“, hatte als Mittvierzigerin keine Lust, sich für ihr Alter zu entschuldigen. Sie wollte Männer, Sex, Erfolg und ein Leben nach ihren eigenen Regeln. Kim Cattrall gab dieser Frau sechs Staffeln und zwei Kinofilme lang ihre Persönlichkeit, ihren Körper und ihre Stimme. Dann ließ sie los - nicht ganz geräuschlos - und lebt heute glücklicher denn je.

Eine Serie verändert den Blick auf Frauen

„Sex and the City“ ist mehr als eine TV-Serie. Der Welterfolg erzählt zwischen 1998 und 2004 die Geschichte von vier unterschiedlichen Frauen und ihrem Weg durch den New Yorker Großstadtdschungel des Lebens. Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda sind die glorreichen Vier der Neuzeit. Als die Serie 1998 startet, sprechen ihre Protagonistinnen erstaunlich offen über weibliche Lust, Sex, Affären, Bindungsangst und die Frage, wie erfülltes Leben aussehen kann. Frauen dürfen hier begehrend sein, ohne dafür bestraft zu werden. Sie dürfen Kinder wollen - oder keine - und trotzdem die Hauptfiguren ihrer eigenen Geschichte sein. Besonders Samantha macht weibliches Begehren selbstbewusst und kompromisslos sichtbar: „Mit Samantha wurde es sexy, 40 zu sein“, brachte es Cattrall 2025 in der „Times“ auf den Punkt. Die Serie prägt damit nicht nur das Fernsehen, sondern auch den Blick einer Generation auf weibliche Sexualität und Selbstbestimmung.

Cattrall sagt viermal „Nein“

Dass ausgerechnet Kim Cattrall dieser Frau ihr Gesicht gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Cattrall arbeitet längst erfolgreich als Schauspielerin, bevor Samantha in ihr Leben tritt. Sie spielt in „Police Academy“, „Big Trouble in Little China“, „Mannequin“ und „Star Trek VI“ und ist auf der Bühne als vielseitige Schauspielerin etabliert. Als das Angebot der „Sex and the City"-Macher kommt, sagt sie erstmal „Nein.“ Nicht einmal, sondern viermal. Sie ist 41 und zweifelt daran, ob sie eine sexuell selbstbewusste Frau in diesem Alter glaubwürdig verkörpern kann. Später im „People"-Magazin bezeichnet sie ihre Vorerst-Absagen als „self-inflicted ageism“, als selbst auferlegte Altersdiskriminierung. Samantha Jones wird die Rolle ihres Lebens - 2003 mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Nach dem Serienende 2004 hängen Cattrall & Co. noch zwei „Sex and the City"-Kinofilme dran. Für den zweiten Film 2010 stehen Cattrall, Sarah Jessica Parker (61), Kristin Davis (61) und Cynthia Nixon (60) bis heute zum letzten Mal als Quartett vor der Kamera. Spätestens ab da bröckelt die heile SATC-Welt - und das vor aller Augen.

„Toxisches Verhältnis“ zu Sarah Jessica Parker?

2017 lässt Cattrall im Gespräch mit Talker Piers Morgan (61) die Bombe platzen. Als er sie fragt, wann sie zuletzt mit ihren früheren Serien-Kolleginnen gesprochen habe, gibt sie zu: „Das muss Jahre her sein. Ich erinnere mich nicht mehr.“ Und sie legt nach: Was sie besonders enttäusche, sei, dass „niemand einfach mal zum Hörer greift und fragt: 'Wie geht es dir?“ In einer gesunden Beziehung erkundige man sich nach dem anderen oder wünsche sich gegenseitig Erfolg. Das sei nicht geschehen. Vielmehr fühle es sich wie ein „toxisches Verhältnis“ an - und meint damit vor allem Sarah Jessica Parker. „Die Serie war die Fantasie, das hier ist die Realität.“

Der Vorwurf sitzt, verkörperten sie doch jahrelang vor der Kamera Frauen, die in jeder Lebenslage füreinander da sind. War dieses Vertrauen wirklich nur gespielt? 2018 zeigt sich Parker in einer US-Talkshow „tief getroffen“ von Cattralls Vorwurf, sie seien „keine Freunde, nur Kolleginnen“ gewesen: „Es macht mich traurig. Und es entspricht nicht meinen Erinnerungen an damals. Wir haben auch auf der persönlichen Ebene vieles zusammen erlebt.“

Nur wenig später eskaliert der Konflikt öffentlich - ausgerechnet in einer für Cattrall besonders schweren Zeit. Anfang 2018 verschwindet ihr jüngerer Bruder Chris. Die Schauspielerin bittet ihre Follower in den sozialen Medien um Hilfe bei der Suche, wenig später wird der 55-Jährige tot aufgefunden. Auch Parker spricht ihrer ehemaligen Kollegin öffentlich ihr Beileid aus. Cattrall reagiert auf Instagram jedoch mit deutlichen Worten: „Du bist nicht meine Familie. Du bist nicht meine Freundin.“ Sie wirft Parker zudem vor, die Familientragödie für ihr öffentliches Image zu instrumentalisieren. Der ohnehin bekannte Bruch zwischen den beiden ist damit endgültig vor aller Augen.

„Ich habe Samantha befreit“

Im Gespräch mit Piers Morgan sagt Cattrall einen bemerkenswerten Satz. Er soll zu ihrem persönlichen Leitmotiv der Jahre nach „Sex and the City“ werden: „Ich habe Samantha befreit.“ Und meint damit auch: Ich habe Kim befreit. Denn so freizügig sich Cattrall als Samantha vor der Kamera gab, so hart muss sie sich ihre eigene Befreiung erst erarbeiten. Mit dem Ende der Serie liegt auch das Ende ihrer dritten Ehe mit Mark Levinson nicht lange zurück: Das Paar trennt sich Anfang 2003, 2004 folgt die Scheidung. Mit Ehemann Nummer zwei, dem Architekten Andre J. Lyson, lebte die in Liverpool geborene Schauspielerin in den Achtzigern mehrere Jahre auch in Frankfurt am Main, weswegen sie immer noch ein wenig Deutsch spricht.

Nach ihrer dritten Ehe nimmt Cattrall Schritt für Schritt Abschied von alten Gewohnheiten und folgt damit, so scheint es, ihrer voll emanzipierten Serienheldin nach. In einem munteren Dreier-Talk mit der spanischen Schauspielerin Mina El Hammani (32) und Bill Kaulitz (36) im vergangenen Jahr beschreibt sie plastisch ihren inneren Prozess: „Frauen meiner Generation sind so aufgewachsen, dass wir jedem gefallen wollen. Diesen Good-Girl-Zwang loszuwerden, war wohl am schwierigsten für mich. Heute gilt: Bewerte mich danach, wer ich bin. Nicht nach meinem Geschlecht.“ Das klingt nach Samantha Jones - nur ohne Männer, Manhattan und Cosmopolitans.

Ein magischer Moment mit Russ

Heute führt Cattrall ein Leben, das mit dem New Yorker Hochglanzkosmos von Samantha Jones wenig zu tun hat. Ihre späten Arbeiten zeigen ihre Lust an der Vielfalt. Sie produziert und spielt in der Comedy-Serie „Sensitive Skin“. Sie steht auf der Bühne, arbeitet für das Radio und übernimmt in der BBC-Serie „Central Intelligence“ die Rolle einer CIA-Agentin. Privat verbringt sie viel Zeit in der Natur von Vancouver Island mit ihrem vierten Ehemann Russell Thomas. Beide sind seit 2016 zusammen und haben im vergangenen Jahr heimlich in London geheiratet.

Im Talk mit Bill Kaulitz beschreibt sie ihre erste Begegnung mit ihrem heutigen Mann so: „Es war ein magischer Moment. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich mit ihm zusammen wäre.“ Als absoluten Luxus bezeichnet Cattrall die Einfachheit des Lebens. Zum Beispiel, wenn ihr Ehemann „Russ morgens die erste Tasse Tee ans Bett bringt.“ Mit dem Alter habe sie den wenig glamourös klingenden Faktor Stabilität in ihrem Leben mehr und mehr zu schätzen gelernt: „Das fühlt sich ehrlich und stark an.“

Keine Szene mit Carrie

Ganz losgelassen hat sie ihre Vergangenheit allerdings nie: Als 2021 mit „And Just Like That...“ die Nachfolgeserie von „Sex and the City“ bei HBO startet, fehlt ausgerechnet Kim Cattrall - zum Entsetzen vieler Fans. Spätestens da zeigt sich, wie sehr ihre Figur Samantha Jones die Kultserie geprägt hat. Während Carrie, Charlotte und Miranda immer wieder mit ihren Unsicherheiten und Grenzen kämpften, verkörperte Samantha Freiheit und kompromisslose Selbstverwirklichung. Schließlich reagieren die Verantwortlichen: Cattrall erhält einen persönlichen Anruf von den HBO-Chefs.

Tatsächlich wirkt Samantha dann in Staffel zwei mit - doch anders als gedacht. 2023 macht sie Fans beim Promi-Sender „E!“ noch Hoffnung, im glamourösen „Samantha-Style“ zurückzukehren. Am Ende bleibt es bei einem zusammengeschnittenen Telefonat mit Carrie in Staffel zwei. Einen gemeinsamen Dreh vor derselben Kamera gibt es nicht mehr. Doch es scheint, als ob Cattrall den auch nicht mehr braucht. „Kim has taken over“ - Kim hat übernommen, sagt sie 2025 dem „People"-Magazin. Das ist keine Abkehr von Samantha, sondern vielleicht ihre souveränste Fortsetzung.

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