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Netzagentur-Chef Müller verteidigt neue Gebühr für Solarbesitzer ab 2029

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie zuvor um diese Jahreszeit. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller erklärt, warum er trotzdem keine Gaskrise befürchtet. Sich rapide leerende Gasspeicher treiben vor dem Herbstanfang die Bundesrepublik um – und auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, schaut dieser Tage ganz genau auf die Entwicklung der Füllstände. Am Mittwoch waren die Speicher zu 50 Prozent voll. Für eine sichere Winterversorgung reicht das noch lange nicht. Müller lehnt trotzdem einen staatlichen Eingriff ab, der Markt müsse sich darum kümmern: In der Verantwortung seien die Gashändler, betont er. Zudem verteidigt er im t-online-Interview die Pläne seiner Behörde für die Neureglung der Netzentgelte, die private Solarbesitzer ab 2029 stärker zur Kasse bittet. t-online: Herr Müller, der Füllstand in Deutschlands Gasspeichern ist so niedrig wie nie zuvor um diese Jahreszeit. Steuern wir im Winter auf eine neue Gaskrise zu? Klaus Müller: Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat. Es gibt auch noch etwas Zeit, um die Speicher bis November ausreichend zu befüllen. Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung noch nachkommen. Das heißt, staatliche Eingriffe für eine ausreichende Versorgung braucht es nicht? Uns wurde im Frühjahr von den Gasmarktakteuren zugesagt, dass vorgesorgt wird. Die Verantwortung liegt bei den Gashändlern, man sollte sie auch nicht aus dieser Verantwortung entlassen. Warum sind die Gasspeicher trotz dieser Ankündigung so leer? Auf diese Frage gibt es drei Antworten. Die erste ist natürlich die angespannte Lage aufgrund des Kriegs im Iran und der Probleme in der Straße von Hormus . Das verknappt das Gasangebot. Zweitens hatten wir einen wärmeren Sommer in Asien. Die Asiaten brauchen viel Gas für Strom, den sie wiederum für ihre Kühlungssysteme benötigen. Das alles führt zu der dritten Komponente, dem gestiegenen Gaspreis, der aktuell weniger Anreize setzt, Gas einzuspeichern . Insofern ist es zweifelsohne richtig: Die Lage ist herausfordernd. Aber das sollte nicht mit der Nichterfüllung der eigenen Verantwortung verwechselt werden. Die Gasspeicherbetreiber sehen auch Sie mitverantwortlich. Sie sagen, die Bundesnetzagentur verteure das Einspeichern durch hohe Netzentgelte und Bürokratielasten. Diese Kritik höre ich immer mal wieder. Doch wenn ich genauer nachfrage, was damit gemeint ist, dann wird es diffus. Die Bundesregierung und der Bundestag haben gerade erst die Gasspeicherumlage abgeschafft und dadurch die Gaswirtschaft mit Milliarden entlastet. Einen Bürokratieaufwuchs kann ich auch nicht erkennen. Das ist nicht das Problem. Sondern? Jahrzehntelang haben Gashändler mit ihrem traditionellen Geschäftsmodell gutes Geld verdient: Im Sommer günstig einkaufen und im Winter teurer weiterverkaufen. Jetzt sehen wir das Gegenteil: Die Großhandelspreise für den Winter 2026 sind niedriger als die, die im Sommer aufgerufen werden. Das hat auch damit zu tun, dass der Gasmarkt ein steigendes LNG-Angebot auf den Weltmärkten erwartet und die Preise dann sinken könnten. In einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden oder Italien , das sehr abhängig ist von Gas, wird die Speicherbefüllung nun mit Steuermitteln abgesichert, auch das erschwert die Situation bei uns sicherlich. Aber es gibt genug Gas auf den Weltmärkten. Dort können die Händler einkaufen – auch wenn das durch den Iran-Krieg teurer geworden ist. Wird es für Privathaushalte und Mieter also auch teurer werden? Wir sehen sehr viel Unsicherheit durch die Sperrung der Straße von Hormus. Das wiederum heißt: Gasverbraucher, Mieter sollten sich auf höhere Rechnungen einstellen. Das ist nicht zu vermeiden, wenngleich die Preise jetzt bei Weitem nicht so hoch sind wie 2022. Leider zeichnet sich bisher keine dauerhafte Lösung im Iran-Krieg ab. Kommen wir zum Thema Strom. Ihre Behörde arbeitet gerade an einer großen Netzentgeltreform, die ab 2029 greifen soll. Was ist die zentrale Botschaft dieser Reform? Die Botschaft lautet, dass Flexibilität der Schlüssel der Energiewende ist, und das wollen wir fördern. Flexibilität heißt, es soll sich für industrielle Kunden und für private Haushalte lohnen, flexibel mit dem Stromverbrauch zu sein und sich auch an der Verfügbarkeit der Erneuerbaren zu orientieren. Diese Frage hat sich in den vergangenen Jahrzehnten, als wir eine sehr kontinuierliche Stromerzeugung hatten, so nicht gestellt. Jetzt sind wir bei 60 Prozent erneuerbare Energien und müssen unsere Netzentgeltsystematik anpassen: Also die Spielregeln, nach denen die Kosten des Netzes auf die Kunden verteilt werden. Privathaushalte mit Solaranlagen sollen im Zuge dieser Reform in Zukunft einen höheren Preis zahlen. Parallel hat die Bundesregierung entschieden, die Einspeisevergütung auslaufen zu lassen. Ist der Solarstrom von Privatleuten nicht mehr im Netz erwünscht? Ganz im Gegenteil. Solarbesitzern sind wir zu großem Dank verpflichtet, sie haben der Energiewende viel Gutes getan. Dennoch müssen die Netzentgelte fair auf alle Schultern verteilt werden. Im bisherigen System werden Haushalte, die eigenen Solarstrom erzeugen, aus der Solidargemeinschaft der Netzentgeltzahler ein Stück weit herausgenommen. Im Sommerhalbjahr beziehen sie praktisch keinen Strom aus dem Netz und zahlen dann auch keine Netzentgelte, weil sie sich selbst mit Solarstrom versorgen können. Im Winter dann aber, wenn die Sonne nicht genug scheint, verlassen sie sich wieder auf das Netz, wie alle anderen auch. Dieses Netz muss aber 365 Tage im Jahr finanziert werden, und das ist bislang vor allem auf Kosten der Haushalte geschehen, die keine eigene Solaranlage einbauen konnten. Also vor allem Menschen in Etagenwohnungen oder mit zu geringem Einkommen. Deshalb wollen wir die Lastenverteilung jetzt wieder etwas ins Gleichgewicht bringen, indem die sogenannten "Prosumer" jetzt einen etwas höheren Grundpreis zahlen sollen als bisher. Können denn diejenigen, die keine Solaranlage haben, keinen Strom produzieren und einspeisen, dadurch dann eine Entlastung erwarten? Ja, die sollen das auf ihrer Stromrechnung merken. Die Netzentgelte, die im Moment einen nennenswerten Teil des Strompreises ausmachen, können für die reinen Stromverbraucher, die keinen Strom produzieren, leicht sinken. Eine Dauerbaustelle in der deutschen Energiewende betrifft die Smart Meter. Wie kann es sein, dass Sie bisher gegen die Hälfte der Netzbetreiber in Deutschland ein Aufsichtsverfahren einleiten mussten, weil sie diese Stromzähler nicht ausreichend installiert haben? Das ist ein historisches Trauerspiel in Deutschland. Da haben wir eine Entwicklung, die in Europa viel weiter ist, verpasst und laufen jetzt hinterher. Sowohl die letzte als auch die aktuelle Bundesregierung haben das Problem erkannt und die gesetzlichen Vorschriften hier nachgeschärft, damit so langsam immer mehr Haushalte die modernen Stromzähler erhalten können. Das Mindeste, was wir als Behörde da machen konnten, war, diese Vorschriften ernst zu nehmen. Wir haben den rund 400 Betreibern, die bisher zu wenig getan haben, ein sehr robustes Schreiben geschickt . Das ist auch mit finanziellen Konsequenzen verbunden, wenn sie da nicht nachsteuern. Und wir sehen auch, dass sich da im ersten Halbjahr einiges getan hat. Das ist immer noch nicht ausreichend, und man kann gar nicht oft genug darüber klagen, wie ärgerlich es war, diese zentrale Entwicklung zu verschlafen. Die Energiewende steht und fällt mit dieser digitalen Infrastruktur, und als Land verspielen wir deshalb viele Chancen. Im ersten Halbjahr hat die Bundesnetzagentur 50 Prozent mehr Beschwerden über Brief- und Paketzusteller registriert als im Vorjahreszeitraum. Wie oft haben Sie selbst sich schon geärgert, dass der Paketbote nur einen Zettel einwirft, aber nicht bei Ihnen klingelt? Solche Erfahrungen mache auch ich persönlich hier in Bonn . Ich erlebe das Gleiche, was Zehntausende Menschen in Deutschland erleben. Vom Paket, das vor der Haustür in der Pfütze schwamm, bis zum beschädigten Päckchen war schon alles dabei. Glücklicherweise habe ich freundliche Nachbarn, die immer wieder auch Pakete für mich annehmen. Jenseits dieser subjektiven Ebene: Wie groß ist das Problem objektiv betrachtet? Über den neuen digitalen Mängelmelder gehen zwar viele Meldungen zur Postversorgung ein. In der Summe können wir aktuell aber nicht feststellen, dass die Probleme mit den Postzustellern zunehmen. Es gibt keine örtlichen Schwerpunkte mehr, an denen wir mit den Dienstleistern gezielt nachsteuern müssten. Das war auch schon mal anders. In den vergangenen Jahren zum Beispiel. Richtig. Doch dann hat die Deutsche Post nachgebessert, auch andere Wettbewerber sind zuverlässiger geworden. So hat unter anderem der Versand kurz vor Weihnachten 2025 im Schnitt sehr gut funktioniert. Das nächste große Event steht im Herbst an mit den großen Schlussverkauf-Tagen rund um den "Black Friday". Sind die Zusteller darauf und auf das nächste Weihnachtsgeschäft in Ihren Augen gut vorbereitet? Nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr erwarte ich, dass die Zusteller auch 2026 wieder einen guten Job machen. Abschließend beurteilen können wir das aber natürlich erst hinterher, also Anfang 2027 – dann ist klar, wie viele Beschwerden bei uns eingegangen sind. Was gewiss ist: Weder DHL noch die Konkurrenzdienstleister wie DPD, Hermes und andere freuen sich über Post von der Bundesnetzagentur. Das Interesse an einem reibungslosen Versand ist hoch. Herr Müller, vielen Dank für dieses Gespräch.

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