Acht Jahre nach der ersten Fernfahrt eines Automobils ereignete sich in London ein fataler Unfall. Und noch heute werden etliche Menschen durch Autos getötet. Sie soll noch ihren Schirm aufgespannt und hochgehalten haben, um das herannahende Auto zum Ausweichen zu bewegen, doch vergeblich: Am 17. August 1896 fuhr Arthur Edsall die 44-jährige Bridget Driscoll mit seinem Roger-Benz in London an – mit geringer Geschwindigkeit. Driscoll war den Überlieferungen zufolge mit ihrer 16 Jahre alten Tochter und einem Freund auf dem Weg zum Crystal Palace, einem ehemaligen Ausstellungsgebäude im Stadtteil Sydenham. Doch diesen sollte sie niemals erreichen: Wenige Minuten nach dem Zusammenstoß starb die Frau. Seither gilt sie als erste Fußgängerin, die bei einem Autounfall ums Leben kam. Edsall war erst seit drei Wochen Autofahrer, eine Fahrerlaubnis gab es damals nicht. Schließlich hatte Bertha Benz erst acht Jahre zuvor, 1888, die erste Fernfahrt mit einem Auto unternommen . Skurriler Grund: Dafür gab es das wohl erste Knöllchen der Welt Heute ein Museum: Das war die erste Tankstelle der Welt Einige Zeugen hielten Edsalls Geschwindigkeit für zu hoch. Eine Mitfahrerin hörte jedoch, wie er "Zurücktreten!" rief. Das Gericht stellte schließlich "Tod durch Unfall" fest – ohne Fahrlässigkeit des Fahrers. In Großbritannien gab es damals kaum mehr als zwei Handvoll benzinbetriebener Autos. Driscoll war natürlich nicht die erste Verkehrstote: Schon zuvor waren Menschen von Pferden umgerannt, von Kutschen erfasst oder von Eisenbahnen getötet worden. Die irische Naturwissenschaftlerin Mary Ward etwa fiel am 31. August 1869 aus einem von ihren Cousins gebauten Fahrzeug und wurde von diesem überfahren. Ward gilt als erster dokumentierter Mensch, der unter den Rädern eines motorisierten Fahrzeugs ums Leben kam. In Gerichtsverhandlungen nach den Unfällen von Ward und Driscoll wurde jeweils erklärt, ein solcher Tod möge der letzte seiner Art gewesen sein. Der Wunsch erfüllte sich nicht. Wenige Wochen nach Driscolls Tod kündigte im November 1896 die schottische General Accident Co. als eines der ersten Versicherungsunternehmen eine Kraftwagenversicherung an. Rund 1,2 Millionen Verkehrstote weltweit Heutzutage sterben rund 1,2 Millionen Menschen weltweit jedes Jahr bei Verkehrsunfällen. Besonders hoch ist das Risiko in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die WHO-Region Afrika verzeichnete 2021 mit rund 190 Verkehrstoten je eine Million Einwohner die höchste Rate. In der Europäischen Union kamen 2025 rund 19.400 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Die höchsten Raten hatten Bulgarien , Rumänien und Kroatien mit jeweils etwa 70 Toten je eine Million Einwohner. In Deutschland starben 2025 gut 2.800 Menschen im Straßenverkehr – im Schnitt etwa acht pro Tag. Trotz der weiterhin hohen Opferzahlen sind die Straßen in Deutschland deutlich sicherer geworden. 1999 starben noch fast 7.800 Menschen bei Verkehrsunfällen – fast dreimal so viele wie 2025. Dazu beigetragen haben sicherere Fahrzeuge mit stabileren Karosserien und Airbags, eine bessere Infrastruktur, schnellere Rettung sowie neue Regeln. Beispiele sind Tempo 100 auf Landstraßen, die Helmpflicht für Motorradfahrer, die Gurtpflicht und die 0,5-Promille-Grenze. Auch die Zusammensetzung der Opfer hat sich verändert: 1999 waren fast 60 Prozent Pkw-Insassen. Fußgänger und Radfahrer kamen zusammen auf etwa ein Fünftel; 2025 waren es rund ein Drittel.