Für bis zu 17 Millionen Euro will die US-Einwanderungsbehörde ICE neue Ausrüstung beschaffen. Die Wirkung der geplanten Geräte ist jedoch wenig erforscht. Es hagelt Kritik. Die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE plant die Anschaffung von Elektroschock-Handschuhen. Diese sollten als "Deeskalations-Geräte" eingesetzt werden, hieß es in einer entsprechenden Bekanntmachung des Heimatschutzministeriums. Für den Kauf seien 10 bis 20 Millionen US-Dollar (etwa 8,7 bis 17,3 Mio. Euro) eingeplant, bis Ende März 2027 solle die Anschaffung abgeschlossen sein. Mit der Neuanschaffung solle sichergestellt werden, dass die Einsatzkräfte "über die notwendigen Mittel und Ausrüstungen verfügen, um kriminelle, illegal eingereiste Ausländer sicher festzunehmen und aus unserem Land abzuschieben", zitierten Medien einen Sprecher des Heimatschutzministeriums. Die Vorgehensweise von ICE-Mitarbeitern hat in der Vergangenheit immer wieder für Kritik gesorgt. Unhaltbare Zustände auf Flugzeugträger: US-Soldaten wollen offenbar von Bord springen Situation im Süden der USA : Trump sperrt die Grenze zu Die Handschuhe mit dem Akronym G.L.O.V.E. ("Generated Low Output Voltage Emitter") werden nach Herstellerangaben über einen Tastendruck aktiviert und geben beim Anfassen von Personen Elektroschocks ab. Die Bekanntmachung ließ zunächst offen, unter welchen konkreten Bedingungen sie eingesetzt werden sollen. Handschuhe sollen auch stärkere Menschen "gefügig machen" Die Elektroimpuls-Handschuhe sehen auf den ersten Blick aus wie herkömmliche Einsatzhandschuhe der Polizei. Nach Angaben eines US-Herstellers gibt es aber auf den Handinnenflächen mehrere Bereiche, die auf Knopfdruck maximal bis zu 1,5 Ampere starke, kurze Stromstöße übertragen können. Das sei mit der Wirkung eines Elektroschockers vergleichbar. Umgangssprachlich heißen sie deshalb auch Elektroschock-Handschuhe. Beworben werden diese Handschuhe vom Hersteller für polizeiliche Ordnungsaufgaben oder zum Eindämmen von Krawallen. Die Handschuhe mit eingebauter Elektroschockfunktion ermöglichten es, auch deutlich stärkere Menschen ohne großen Kraftaufwand und ohne Schlagstöcke oder schärfere Waffen "gefügig zu machen". Die Wirkung sei auf die Dauer der Berührung begrenzt. Elektroimpuls-Geräte gelten in der Regel als nicht tödliche Waffen. Ein wesentliches Gesundheitsrisiko entsteht laut Studien nicht unbedingt durch den Strom selbst. Möglich seien aber folgenschwere Stürze, wenn Menschen nach Stromstößen das Gleichgewicht verlieren. Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit Die Wirkung von Elektroschock-Handschuhen ist in Studien erst wenig erforscht. Deshalb werden Risiken vor allem aus Untersuchungen zu anderen Elektroimpuls-Geräten abgeleitet. Die meisten Tests werden dabei allerdings mit gesunden und körperlich fitten Menschen wie zum Beispiel Polizisten in kontrollierter Umgebung und mit kurzer Dauer der Stromimpulse (fünf Sekunden) gemacht. Diese Voraussetzungen entsprächen nicht dem Querschnitt der Bevölkerung, heißt es in einer Studie. Als seltene, aber schwerwiegende Folgen von Stromstößen gelten Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und Verbrennungen. In Deutschland sind in zahlreichen Bundesländern Distanz-Elektroimpulsgeräte, auch Elektroschockpistolen oder Taser genannt, in den jeweiligen Polizeigesetzen als Waffe zugelassen. Gouverneurin von New York: "Ausschreibung scheint willkürlich" Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul und die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates, Letitia James, beide Demokratinnen, kritisierten die Pläne für ICE. James sagte: "Wir prüfen die Ausschreibung noch, aber sie scheint willkürlich – und sachlich nicht gerechtfertigt zu sein. Sie scheint gegen eine Reihe von Gesetzen zu verstoßen, und auch gegen unsere Verfassung." Hochul gab zu bedenken: "Auf den ersten Blick erscheint es als Verletzung der Bürgerrechte, einer Person einen derartigen körperlichen Schaden zuzufügen – unabhängig davon, worin das Vergehen bestehen mag." Bereits Mitte Juli hatte ICE für Aufsehen gesorgt, als ein Plan zur Anschaffung von Bodycams bekannt gegeben wurde. Auch hierfür wurde ein Budget von 10 bis 20 Millionen US-Dollar eingeplant. Zwar sollen die Kameras, die am Körper der Einsatzkräfte befestigt werden, ihre Vorgehensweisen bei Einsätzen dokumentieren. Kritiker stellten allerdings infrage, ob das Heimatschutzministerium in für Bundesbeamte brisanten Fällen tatsächlich das Videomaterial veröffentlichen würde.