Millionen Menschen sparen mit ETFs für den Ruhestand. Doch wie wird aus dem Depot später eine Zusatzrente? Dafür gibt es eine einfache und clevere Lösung. Sie sind für viele längst ein wichtiger Baustein für ihre private Altersvorsorge: ETF- und Fonds-Sparpläne . Monat für Monat zahlen sie eine kleinere oder vielleicht auch größere Summe ein, und mit den Jahren wächst der Depotstand immer weiter. Je nach Sparrate und Laufzeit kommen dabei sechsstellige Summen heraus . Doch was tun, wenn das Rentenalter erreicht ist? Es gibt mehrere Optionen. Sie könnten Ihre Fonds- und ETF-Anteile verkaufen und das Geld auf ein vermeintlich sicheres Sparkonto legen. Oder Sie bleiben investiert und verkaufen von Zeit zu Zeit ein paar Anteile. Eine gute und vor allem sehr praktische Alternative ist ein Entnahme- oder auch Auszahlplan . Das ist quasi ein Sparplan Rolle rückwärts. Zwei Varianten – mit und ohne Kapitalverzehr Wenn Sie sich dafür entscheiden, lassen Sie sich von Ihrem angesparten Vermögen regelmäßig Geld auszahlen und bekommen so eine Zusatzrente. Ganz automatisch werden monatlich Anteile für eine gewünschte Summe verkauft, der Rest bleibt investiert, und das Vermögen kann weiter wachsen. Das wäre die Variante mit Kapitalverzehr. Optimal wäre es natürlich, wenn Sie die Entnahmen ohne Kapitalverzehr wählen könnten. Es werden dann immer nur die Kursgewinne sowie Ausschüttungen und Zinsen entnommen und der Kapitalstock bleibt erhalten. Der Entnahme- oder Auszahlplan ist quasi das Gegenteil von einem Sparplan. Klingt einfach und genial, hat aber leider auch einen Haken. Denn während der ETF-Sparplan das sogenannte "Timing"-Risiko verringert und Anlegerinnen in schlechten Marktphasen automatisch mehr Anteile erwerben, wovon sie langfristig profitieren, sieht es beim Entnahmeplan anders aus. Zu große Schwankungen können zum Risiko werden. Das sollten Sie überdenken und entsprechend einplanen. Erst die Anlagestrategie, dann der Auszahlplan Es gilt, die eigene Anlagestrategie zu überdenken und an die neue Lebenssituation anzupassen. Das heißt nicht, dass Sie nicht mehr in Aktien investieren sollten, im Gegenteil. Sie bieten langfristig bei breiter Risikostreuung eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent. Und auch im Rentenalter kann der Anlagehorizont je nach Lebenserwartung noch sehr groß sein . Nur können Anleger in der Entnahmephase allzu große Kursschwankungen nicht mehr so gut verkraften. In der Regel muss die Gesamtstrategie deshalb konservativer werden, indem der Anteil an Aktien reduziert wird. Stattdessen könnten Sie beispielsweise in Unternehmens- und Staatsanleihen mit guter bis sehr guter Bonität investiert werden. Steht die Strategie, kann es losgehen. Ob Sie die Variante mit oder ohne Kapitalverzehr wählen, ist auch eine Frage der persönlichen Zielsetzung und der Familiensituation. Gibt es weder einen Partner noch Nachkommen zu berücksichtigen, kann das Kapital eher verzehrt werden. Einen Auszahlplan ohne Kapitalverzehr muss man sich allerdings "leisten" können, denn die Entnahmen fallen geringer aus. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Anlagebetrag von 100.000 Euro und einer Rendite von vier Prozent liegt die monatliche Auszahlung bei 333 Euro. Das bessert die Rente nur ein bisschen auf, wird viele Rentenlücken aber nicht schließen. Bei einem Anlagebetrag von 250.000 Euro sähe es schon deutlich besser aus. Dann würde die monatliche Auszahlung 833 Euro betragen. Wer es etwas weniger konservativ mag und etwas stärker im Aktienmarkt investiert bleibt, kann mit einer höheren Rendite kalkulieren. Rechnen wir mit sechs Prozent Rendite, würde die Auszahlung schon bei 1.250 Euro liegen. Ein Depotwert von 250.000 Euro zu Rentenbeginn ist übrigens keineswegs utopisch. Dafür muss man allerdings früh mit dem Investieren starten. Bei einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr wäre dafür eine Sparrate von etwa 250 Euro im Monat nötig, wenn Sie mit Ende 30 beginnen und bis zum Rentenalter von 67 Jahren durchhalten. Wer den Sparplan bereits mit Ende 20 startet, dem reichen rund 125 Euro monatlich, um bis zur Rente bei 250.000 Euro herauszukommen. Eine dicke Zusatzrente mit Kapitalverzehr Wählen Sie für Ihren Auszahlplan die Variante mit Kapitalverzehr, wird das Ganze noch spannender: 100.000 Euro Anlagekapital, ein Zinssatz von vier Prozent und ein Kapitalverzehr in 20 Jahren machen 602 Euro pro Monat. Wären es 250.000 Euro, kämen sogar 1.505 Euro monatlich heraus. Rechnen wir mit einer höheren Rendite von sechs Prozent, würde die monatliche Auszahlung sogar bei 1.767 Euro liegen. Nicht schlecht, oder? Eine echte Zusatzrente! Berechnet habe ich das übrigens mit dem Auszahlplan-Rechner der FMH-Finanzberatung . Solche Rechner finden Sie auch auf anderen Webseiten. Spielen Sie damit ruhig mal herum. Sie können sich auch anzeigen lassen, wie die Zahlungen nach Abzug der Abgeltungsteuer ausfallen würden, die für Kapitaleinkünfte oberhalb von 1.000 Euro pro Jahr anfällt. Inflationserwartung und Kosten sind in diesen Beispielen nicht berücksichtigt. Letztere können übrigens recht üppig ausfallen. Einige Anbieter berechnen bis zu 2,5 Prozent pro Auszahlrate. Vergleichen lohnt sich auf jeden Fall, denn immer mehr Direktbanken und Neobroker, aber auch klassische Filialbanken bieten Auszahlpläne an. Grundsätzlich bin ich ein Fan solcher Auszahlpläne und werde sie später sicher nutzen. Denn ein Großteil meiner Altersvorsorge entfällt auf mein ETF-Depot. Man muss ja nicht gleich das ganze Depot in einen Auszahlplan umwandeln. Aber darüber mache ich mir dann später Gedanken, genauso wie über meine Aktienquote im Alter.