"Die Zeit meines Lebens – 'Dirty Dancing' in Ost und West": Wie ein Tanzfilm auf beiden Seiten der Mauer zum Kulthit wurde
1987 wurde der Tanzfilm "Dirty Dancing" völlig überraschend zum Megahit in West-Deutschland, zwei Jahre später im Sommer auch in der kurz vor dem großen Umbruch stehenden DDR. Zeitzeugen und Fans der ersten Stunde erinnern sich in der Doku lebhaft, was "Dirty Dancing" ihnen bedeutet.
Manchmal entwickeln sich Filme zum generationenübergreifenden Kulthit, von denen es die Macher vermutlich niemals geahnt hätten. Ein solcher Überraschungserfolg war "Dirty Dancing", den ein kleiner Filmverleih 1987 wenig optimistisch nach West-Deutschland holte. Zuerst wurden dort die jungen Zuschauer und Zuschauerinnen vom "Dirty Dancing"-Fieber gepackt und stürmten oft gleich mehrere Male ins Kino, um das "Schmutzige Tanzen" des hüftschwingenden Tanzlehrers Johnny (Patrick Swayze) und der unbedarften Schülerin Frances, genannt "Baby" (Jennifer Grey), noch einmal zu sehen. 1989, im Sommer vor dem Mauerfall, erwischte es auch das DDR-Publikum.
Und, Überraschung: Hier wollten sogar noch mehr Jugendliche die heiß aufgeladene Romeo-und-Julia-Geschichte zwischen der Arzttochter und dem Proleten in einem US-Ferienresort der Sechzigerjahre verfolgen als im Westen. Der im MDR wiederholte Dokumentarfilm "Die Zeit meines Lebens – Dirty Dancing in Ost und West" (2021, Regie: Frank Zintner) erinnert an damals und versucht sich an einer Erklärung für den Erfolg des Films, der die Menschen erst ins Kino und anschließend in die Tanzschule lockte, um sich wie Johnny und "Baby" dem schmutzigen Tanz hinzugeben. Fans der ersten Stunde kommen dabei ebenso zu Wort wie solche, die 1987 noch lange nicht geboren waren. Charlotte etwa ist 19 und meint, in "Baby" eine Feministin zu erkennen. Auch auf diese Erklärung darf man gespannt sein!
Die Zeit meines Lebens – "Dirty Dancing" in Ost und West – Di. 30.06. – MDR: 22.10 Uhr