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WM 2026: Elfenbeinküste fordert die deutsche Nationalmannschaft heraus

Alle reden über Yan Diamonde. Der Senkrechtstarter der Elfenbeinküste ist der Unterschiedsspieler der "Elefanten". Doch in seinem Schatten lauert noch viel mehr Gefahr. Die "Elefanten" aus Westafrika haben eigentlich alles, was eine Turniermannschaft mitbringen muss: Eine eisenharte, stabile Abwehr, hohe Athletik, wieselflinke Außenstürmer und einen Kader, der jede Menge internationale Erfahrung auf höchstem Niveau aufweist: Kein Gegner, gegen den man gerne antritt. Das musste auch Mitfavorit Frankreich schmerzlich erleben: Das Team um Superstar Kylian Mbappé und die beiden Münchner Michael Olise und Dayot Upamecano verlor das letzte Testspiel vor der WM in Nantes mit 1:2 (1:0) gegen die Ivorer. Mit diesem Momentum im Rücken untermauerte die Elfenbeinküste im WM-Auftaktspiel gegen Ecuador: Dieses Team ist brandgefährlich, von der ersten bis zur letzten Minute. Amad Diallo traf in der 89. Minute zum 1:0 – und steht nun auf Rang 3 der FIFA Power Rankings in der Kategorie "Angriff". Hinter Messi. Vor Vinícius Júnior . In 34 Minuten Spielzeit. Zugegeben: Das Power-Ranking der FIFA lässt Joker wie Diallo etwas besser aussehen, weil es Tore und Vorlagen der Spieler in Beziehung setzt zu ihrer Spielzeit (so gelangte DFB-Stürmer Deniz Undav auch auf Platz 7 des Rankings). Aber dennoch zeigt es: Diallo muss Deutschland im Auge behalten, nicht nur Diamonde. Das enttäuschende Abschneiden der Ivorer beim Afrika-Cup im Januar zeigt aber auch: Das Team hat seine Schwächen. Im Viertelfinale gegen Ägypten kassierten die Ivorer spät das 2:3 und mussten nach Hause fahren. So hat sich die Elfenbeinküste für die WM 2026 qualifiziert Die Qualifikation verlief nahezu makellos. In zehn Spielen blieb die Elfenbeinküste ungeschlagen. Sie holte acht Siege und zwei Unentschieden bei einem Torverhältnis von 25:0. In Worten: zu null. Kein einziges Gegentor – das unterstreicht die defensive Qualität. Schon der Auftakt setzte ein Zeichen: 9:0 gegen die Seychellen. Eng wurde es nur bei den torlosen Remis gegen Kenia und Gabun, wo die Offensive wenig Lösungen fand. Mehrere 1:0-Siege unterstreichen: Die Ivorer können sich gegen eine gute Abwehr schwertun, die Spiele am Ende aber auf ihre Seite ziehen. In der Quali-Schlussphase folgten ein 7:0 gegen die Seychellen und ein 3:0 gegen Kenia. Am Ende stand Platz eins vor Gabun – mit einem Punkt Vorsprung. Das sind die Gegner der Ivorer bei der WM 2026 Die Elfenbeinküste wurde zu Deutschland, Ecuador und Curaçao in die Vorrundengruppe E gelost. Die Spielansetzungen sehen wie folgt aus. Ecuador – Philadelphia, 14. Juni, Endergebnis 1:0: Ecuador erwies sich als der erwartet unangenehme Gegner. Gleich dreimal trafen die Südamerikaner Pfosten und Latte, die Partie hätte auch ganz anders ausgehen können. Sie sind physisch stark und spielen aus einer defensiven Grundordnung heraus. Zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste dürfte es am letzten Vorrundenspieltag um Gruppenplatz 1 gehen. Deutschland – Toronto , 20. Juni, 16 Uhr (22 Uhr MESZ): Deutschland geht als klarer Favorit ins Spiel. Das 7:1 gegen Curaçao am ersten Spieltag war eine Machtdemonstration. Aber Vorsicht: Curaçao ist nicht die Elfenbeinküste. Gegen Ecuador brauchten die Ivorer nur 31 Direct Pressures, um 44 Forced Turnovers zu erzwingen – sie pressen nicht hoch, sie lauern. Und wenn Deutschland den Ball verliert, geht es schnell. Diomandé, Diallo, Touré: Drei Sprinter, die vertikale Räume suchen. Genau dort ist Deutschland verwundbar. Curaçao – Philadelphia, 25. Juni, 16 Uhr (22 Uhr MESZ): WM-Neuling Curaçao ist der krasse Außenseiter der Gruppe. Die Elfenbeinküste steht hier nach den beiden mutmaßlichen schwierigen Aufgaben gegen Deutschland und Ecuador womöglich unter Zugzwang. Das Team von der Karibikinsel versucht im Unterschied zu manch anderen Außenseitern bei der WM , mitzuspielen und offensive Akzente zu setzen. Das sollte den schnellen Ivorern liegen, die gerne auf Konter spielen. Die Elfenbeinküste schlägt ihr Camp auf dem Vereinsgelände des MLS-Klubs Philadelphia Union auf. Das bedeutet weniger Reisestress für Team und Mitarbeiter der Westafrikaner. Das sind die wichtigsten Spieler der Elfenbeinküste Yan Diomande (RB Leipzig, Marktwert ca. 90 Millionen Euro) : Pfeilschneller Flügelspieler und der vielleicht aufregendste Teenager dieses Turniers. Diomande zieht von außen in den Strafraum, sucht das Eins-gegen-Eins und gewinnt es meistens. Gegen Ecuador kam er auf 9 Dribblings und 2 Torschüsse, blieb aber ohne Treffer. Im Abschluss ist er noch nicht konstant genug – das ist die Lücke zwischen Talent und Weltklasse. Amad Diallo (Manchester United, Marktwert ca. 45 Millionen Euro) : Alle reden von Diomande. Aber Diallo kann kaum weniger gefährlich werden. Diallo kam gegen Ecuador in der 56. Minute – und brauchte eine halbe Stunde, um das Spiel zu entscheiden. Siebenmal ging er ins Dribbling, nur einmal verlor er den Ball. Er ist beidfüßig, kann rechts spielen, zentral hinter der Spitze oder als einrückender Flügel. Trainer Faé nutzt ihn als Joker, der müde Abwehrreihen knackt. Gegen Deutschland dürfte er dieselbe Rolle spielen. Franck Kessié (Al-Ahli, Marktwert ca. 12 Millionen Euro) : Fixpunkt im zentralen Mittelfeld und Kapitän. Gegen Ecuador spielte mit einer Passgenauigkeit von 93 Prozent. Kessié sichert nach Ballverlusten ab, schaltet sich aber auch selbst in die Offensive ein. Seine größte Zeit erlebte er bei der AC Mailand, anschließend spielte er eine Saison beim FC Barcelona . Zuletzt aber mit Formschwankungen in Saudi-Arabien. Seine Beine sind nicht mehr die schnellsten – wenn Deutschland im Umschaltspiel Tempo aufnimmt, könnte Kessié hinterherlaufen. Evan Ndicka (AS Rom, Marktwert ca. 35 Millionen Euro) : Abwehrchef mit internationaler Erfahrung. Robust, kopfballstark, wichtig für die Organisation. Leichte Schwächen im Stellungsspiel. Gegnerische Mittelstürmer haben gegen diese "Kante" trotzdem nicht viel zu lachen. Bislang noch ohne Spielminute bei der WM, weil er an einer Oberschenkelverletzung laboriert. Guela Doué (Stade Rennes, Marktwert ca. 18 Millionen Euro): Der unauffälligste und vielleicht trotzdem wichtigste Spieler des Ecuador-Spiels. 53 Pässe, 94 Prozent Genauigkeit. Dazu 7 Ballrückeroberungen. Doué ist der Rechtsverteidiger, der das Spiel der Elfenbeinküste nach vorn trägt: Er schiebt hoch, versorgt Diomande mit Bällen und sichert gleichzeitig die rechte Seite ab. Sein Problem: Wenn er zu weit aufrückt, entsteht hinter ihm Raum. Genau dort operiert Deutschlands Nathaniel Brown . Das ist der Trainer Emerse Faé führte die Mannschaft bereits 2024 zum Afrika-Cup-Titel, hat nun aber eine Bewährungsprobe vor sich. Nach dem Aus im Viertelfinale beim Afrika-Cup dieses Jahres steht er in der Kritik. Medienberichten zufolge geriet er unter Druck, nachdem die Erwartungen an eine erfolgreiche Titelverteidigung nicht erfüllt wurden. Gleichzeitig gilt er als Trainer, der jungen Spielern vertraut und die Entwicklung der Mannschaft vorantreibt. Gegen Ecuador bewies er Mut: Er wechselte Diallo und Bonny für die beiden blassen Stürmer Wahi und Touré ein – und wurde belohnt. Als zentraler Mittelfeldspieler war Faé in den Nullerjahren Teil der sogenannten "goldenen Generation" der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, die er gemeinsam mit Weltstars wie Didier Drogba , den Brüdern Yaya und Kolo Touré, Didier Zokora oder Emmanuel Eboué prägte. Auf Vereinsebene spielte er bei FC Nantes, OGC Nizza und dem FC Reading, ehe er im Alter von erst 28 Jahren seine Karriere wegen chronischer Venenentzündungen beenden musste. Spielsystem und Taktik Die Basis des Spiels der Elfenbeinküste ist eine stabile Viererkette, auf der Trainer Faé je nach Gegner entweder ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 aufbaut. Gegen Ecuador wählte er ein 4-4-2 mit Diomande und Wahi vorn. In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld stehen tatsächlich wahre Elefanten: Die meisten Spieler dieser Positionsgruppe sind mindestens 1,90 Meter groß. Im Zentrum geht es hart zur Sache, hier werden Räume zugestellt, lange Schläge weg geköpft und Bälle gesichert. Elfenbeinküste presst nicht hoch und aggressiv, sie lauert. Sie steht kompakt im Mittelblock (27 Prozent der Defensivaktionen), verschiebt sauber und wartet, bis der Gegner einen Fehler macht. Dann geht es schnell: Die Ivorer schalten nicht über lange Bälle um, sondern über kurze, vertikale Pässe nach Ballgewinn. Gegen tief stehende Gegner ist vor der letzten Kette oft Schluss. Die Strafraumbesetzung ist unzureichend, Flanken finden keinen klaren Abnehmer. Ecuador brachte sieben Flanken in den Strafraum – keine einzige kam an. Die Sehnsucht nach einem neuen Nationalhelden wie Didier Drogba dringt den Ivorern aus jeder Pore. Ein klassischer Zielspieler, der Angriffe abschließt und Bälle festmacht, fehlt. Ein Leitbulle für "Les Éléphants". Defensiv steht die Mannschaft grundsätzlich kompakt, was die Qualifikation ohne Gegentor belegt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Phasen, in denen die Ordnung verloren geht – etwa nach eigenen Ballverlusten. Diese Schwachstelle wird auch Deutschlands Trainerteam um Julian Nagelsmann im Blick haben. Die Elfenbeinküste war noch nie in der K.-o.-Runde Die Elfenbeinküste nahm 2006, 2010 und 2014 an Weltmeisterschaften teil und schied dreimal in der Gruppenphase aus. Immer war es eng, immer hatte man sich eigentlich mehr versprochen. Das große Versprechen der Drogba-Generation konnten die Ivorer nie einlösen. Das wollen sie in Nordamerika ändern. Warum eigentlich "Les Éléphants"? Der Spitzname "Les Éléphants" verweist auf das Nationalsymbol des Landes. Der Elefant steht für Stärke und Widerstandskraft, aber auch für den Familiengeist, der Elefantenherden zu eigen ist. Das sind Eigenschaften, mit denen sich die Mannschaft identifiziert. Ex-Nationalspieler Max Gradel formulierte es so: "Wir sind die Fortsetzung derselben Geschichte. Wir sind die Familie der Elefanten. Die Generationen mögen unterschiedlich sein, aber die Geschichte bleibt dieselbe".

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