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Nackt-Skandal um Wim Wenders und Kinski: Überraschendes Umfrage-Ergebnis

Die Debatte um eine Nacktszene von Nastassja Kinski geht inzwischen weit über den betreffenden Film hinaus. Eine Umfrage von t-online zeigt, wie unterschiedlich die Deutschen darüber denken. Der Film, der in den vergangenen Wochen eine breite Debatte über künstlerische Werke und die Verantwortung von Regisseuren ausgelöst hat, ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt. In "Falsche Bewegung" drehte Wim Wenders eine Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski , in der sie mit nacktem Oberkörper von einem erwachsenen Mann geohrfeigt und gestreichelt wird. Die Schauspielerin forderte den Regisseur im Jahr 2014 erstmals und seitdem mehrfach auf, diese Szene herauszuschneiden. Erst jetzt, zwölf Jahre später, hat Wenders dazu öffentlich Stellung bezogen. Zunächst sagte er beim Deutschen Filmpreis vergangene Woche, wo er für sein Lebenswerk geehrt wurde, dass er seinem jüngeren Ich keinen Vorwurf mache. Wenders war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 29 Jahre alt. "Ich weiß heute viel, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren", so der Filmemacher rückblickend. Nacktszenen-Streit: Filmakademie nimmt Stellung Kinski versus Wenders: Dieses Schweigen ist entlarvend Knapp eine Woche später entschloss er sich, zu handeln. Er zog den Film aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück und wies Streaming-, TV- und Vertriebspartner an, ihn nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Außerdem teilte er mit: "Als einziger der damals für 'Falsche Bewegung' handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber." Sollten Szenen entfernt werden dürfen? Damit schloss er das Kapitel aber noch nicht. Stattdessen forderte er eine Debatte über den Umgang mit solchen Szenen: "Es ist nötig, dass unsere Gesellschaft angemessene Umgangsweisen für strittige Filmwerke des 20. Jahrhunderts findet und sich neuen Lernprozessen und inklusiven Perspektiven in Bezug auf Filme stellt." Doch was denkt eben diese von Wenders adressierte Gesellschaft darüber? Das Meinungsforschungsinstitut Civey ist dieser Frage im Auftrag von t-online nachgegangen. Um eine solche Umfrage über das aktuelle, individuelle Streitthema zwischen Wenders und Kinski hinaus in einen größeren Kontext zu stellen, entschieden sich Civey und t-online für folgende Formulierung: "Sollten Filmszenen, die Minderjährige entblößt oder in sexualisierter Weise zeigen, nachträglich aus veröffentlichten Filmen entfernt werden können, wenn die Betroffenen dies als Erwachsene verlangen?" Eine knappe Mehrheit spricht sich in dieser Frage dafür aus und antwortet zu 48 Prozent mit "Ja, auf jeden Fall", weitere 8 Prozent der Befragten wählten die Antwortmöglichkeit "Eher ja". Den insgesamt 56 Prozent Befürwortern stehen 28 Prozent der Umfrageteilnehmer entgegen, die diese Vorgehensweise ablehnen. 21 Prozent davon sagen "Nein, auf keinen Fall" sollte dies möglich sein, weitere 7 Prozent antworten mit "Eher nein". Die restlichen 16 Prozent können sich in der Frage nicht zu einer Entscheidung durchringen. Frauen sprechen sich deutlicher dafür aus Interessant ist der Blick auf die Geschlechterverteilung. So gibt eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent der Frauen an, dass sie es gutheiße, wenn solche Filmszenen entfernt werden können. Bei den männlichen Befragten sind es nur 50 Prozent. In der Verteilung der Parteipräferenzen sind die Ergebnisse relativ erwartbar. Während sich unter Anhängern von Grünen (73 Prozent) und Linken (68 Prozent) die größte Zustimmung für die Möglichkeit des Herausschneidens findet, weisen Sympathisanten von AfD (41 Prozent) und FDP (45 Prozent) dort die geringsten Werte auf. Die Frage zur nachträglichen Bearbeitung von Filmszenen hat Civey zwischen dem 2. und 4. Juni 2026 rund 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren gestellt. Die Ergebnisse sind repräsentativ – und sie zeigen, dass in der von Wenders geforderten Debatte sehr unterschiedliche Meinungen kursieren. Filmakademie erbittet sich Zeit Auch die Deutsche Filmakademie hat zu den jüngsten Entwicklungen am Donnerstag auf Anfrage von t-online Stellung genommen. "Die von Wim Wenders aufgeworfene Frage, ob Filme und andere Kunstwerke nachträglich verändert werden sollten, müssten oder dürften, hat nicht nur öffentlich, sondern auch innerhalb der Deutschen Filmakademie intensive Debatten ausgelöst", teilte das Präsidentenduo Vicky Krieps und Florian Gallenberger mit. Eine Antwort auf die Frage gab die Akademie nicht. Stattdessen verwies sie darauf, sich nun inhaltlich "auf einen fundierten Austausch" vorbereiten zu wollen. Dies erfordere "Zeit und Sorgfalt" und man plane deshalb "im September eine Veranstaltung dazu".

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