Die Totalsperre am Brenner läuft: Politiker schäumen, Urlauber bleiben cool – und Experten reiben sich die Augen. Was auf Europas meistbefahrener Alpenroute passiert. Die Komplett-Sperre des Brennerpasses ist am Samstag in Kraft getreten: Bis 19 Uhr auf österreichischer, bis 20 Uhr auf italienischer Seite gilt sie für die Brenner-Autobahn sowie alle Nebenstrecken. Auslöser ist eine Protestaktion von Anwohnern der Region, die gegen die massive Verkehrsbelastung auf Europas meistbefahrener Alpen-Transitroute demonstrieren. 2025 nutzten laut Autobahnbetreiber Asfinag fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen die mautpflichtige Strecke. Doch wer am Samstag ein Verkehrsinferno erwartet hatte, wurde – zumindest vorerst – eines Besseren belehrt. In den Stunden vor dem offiziellen Sperrstart rollte der Verkehr nach Angaben von Verkehrsexperten überraschend problemlos. Fachleute sprachen von einer "überraschend ruhigen Verkehrslage". Die Polizei hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren, um ein Verkehrschaos zu verhindern. Nach Brenner-Sperre: Tirol macht im Juni den Fernpass dicht Von München aus staute es sich schon am Freitag Dass die Sperre durchaus eine gewissen Wirkung entfaltet, zeigte sich bereits am Vortag: Schon in den frühen Morgenstunden des Freitags meldete der ADAC München erste Staus in Richtung Süden . Nach der Mautstelle Schönberg und vor der Baustelle Luegbrücke betrug der Zeitverlust bis zu 50 Minuten. Politisch sorgt die Aktion für erheblichen Unmut – diesseits wie jenseits des Brenners. CSU-Generalsekretär Martin Huber bezeichnete die Sperre laut "Bild" als "pure Schikane" und "Extremaktion", die "Gift für die Logistikbranche" sei und zu "Totalchaos auf den Ausweichstraßen" führe. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) richtete klare Worte an Österreich und Tirol: "So geht man mit Nachbarn einfach nicht um." Politiker schäumen: Brenner-Sperre ist "inakzeptabel" Auch aus Italien kommt scharfe Kritik. Maurizio Fugatti, Landeshauptmann des Trentino und Politiker der rechten Lega, nannte die Protestform "inakzeptabel". "Der Brenner ist nicht nur ein Pass, sondern das Herz des europäischen Alpenkorridors", betonte er. Deutlich entspannter reagieren offenbar die betroffenen Urlauber. Viele hätten ihre Reisepläne schlicht angepasst, berichtet der Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverband. "Viele Gäste haben ihre Buchungen um einen Tag vor oder einen Tag nach hinten verschoben", wird Verbandspräsident Klaus Berger von der Nachrichtenagentur Ansa zitiert. Wer am Samstag dennoch reisen muss, hat Alternativen – wenn auch keine bequemen. Reschenpass, Timmelsjoch, Gotthardtunnel und San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz sind passierbar, aber deutlich aufwendiger. Am Tag der Brennersperre: Bahnstrecke wird sabotiert Als eleganteste Option gilt der Zug: Von Innsbruck nach Franzensfeste auf der Südtiroler Seite dauert die Fahrt aktuell rund 80 Minuten. Zeitgleich zur Sperre des Brennerpasses kam es nach einem Feuerwehreinsatz auf der Brennerbahnlinie am Samstag zu Verspätungen. Am frühen Morgen sei es nördlich von Verona zu einem Brand an der Bahnstrecke gekommen, teilte die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) mit. Der Bahnverkehr zwischen Peri und Dolcè am Gardasee sei erheblich beeinträchtigt. Unbekannte hätten Schäden an der Infrastruktur verursacht. Der betroffene Streckenabschnitt liegt auf der Brennerbahnstrecke nördlich von Verona und gehört zur wichtigsten Eisenbahnverbindung in Richtung Brennerpass und weiter nach Österreich. Nach Angaben des Südtiroler Nachrichtenportals "stol.it" sind die Auswirkungen auch in Südtirol zu spüren.