Chase und Norisbank locken mit vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Weitere Banken könnten nachziehen, doch Sparer sollten genau aufs Kleingedruckte achten. Lange Zeit bewegten sich die Tagesgeldzinsen in Deutschland eher gemächlich. Nun aber kommt Bewegung in den Markt: Ausgelöst hat sie die US-Großbank J.P. Morgan, die mit ihrer Marke Chase ins deutsche Privatkundengeschäft eingestiegen ist . Sie lockt Neukunden derzeit mit vier Prozent Tagesgeldzinsen für vier Monate. Einen ersten Konkurrenten hat das bereits zum Handeln bewogen: Die Norisbank zog nach und bietet jetzt ebenfalls vier Prozent – und das sogar zwei Monate länger. Wird diese Marke bald zum neuen Standard? Katharina Lüth, Vorständin der Zinsvergleichsplattform Raisin, sieht den Markt laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zumindest vor "einer neuen Dynamik, die für Sparerinnen und Sparer attraktive Angebote bringen wird". Hintergrund seien unter anderem die wieder steigende Inflation und geopolitische Risiken wie der Iran-Krieg, die die Europäische Zentralbank dazu bringen dürften, ihre Leitzinsen wieder anzuheben. Da sich Banken an diesen orientieren, könnten Anleger bald wieder häufiger höhere Zinsen sehen. Schwedische Bank Nordnet plant Markteintritt Neben J.P. Morgan drängen zudem weitere ausländische Banken nach Deutschland. Die spanische BBVA bietet bereits drei Prozent für Neukunden, die schwedische Nordnet bereitet ebenfalls ihren Markteintritt vor. Für sie ist Tagesgeld, so Lüth, ein "attraktives Einstiegsprodukt, um Kundinnen und Kunden zu gewinnen". Bemerkenswert ist allerdings, um welche Art Kunden die Banken zu buhlen scheinen. Bei Chase können Tagesgeldsparer bis zu eine Million Euro anlegen, bei der Norisbank bis zu 250.000 Euro. Viele Konkurrenten deckeln ihre Angebote bei 100.000 Euro. "Der wohlhabende Kunde ist das Ziel", sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung der "Wirtschaftswoche". Wer hohe Guthaben mitbringt, sei für Banken langfristig besonders interessant – etwa für spätere Wertpapier- oder Kreditgeschäfte. Postbank soll angeblich in Kürze nachziehen Viele Institute halten sich derzeit noch bedeckt. Der "Wirtschaftswoche" erklärten etwa DKB, Hypovereinsbank oder Volkswagen Bank lediglich, man beobachte die Marktentwicklung genau. Andere Häuser signalisieren dagegen Bewegung. Der Deutsche-Bank-Konzern kündigte an, dass nach der Norisbank auch die Postbank zeitnah ein neues Tagesgeldangebot starten werde. Bei der Commerzbank wiederum sieht man keinen Handlungsbedarf. Man biete bereits "attraktive und marktgerechte Einlagenzinssätze" und verweist auf eine WM-Kampagne mit bis zu fünf Prozent Zinsen . Dafür muss die deutsche Fußball-Nationalmannschaft allerdings Weltmeister werden. Kritisch positionieren sich Hamburger Sparkasse und der Broker Scalable. Beide betonen, keine "Lockangebote" zu machen, "die nur kurz gelten, nur Neukunden belohnen und Bestandskunden verärgern". Top-Zinsen oft nur zeitlich begrenzt Tatsächlich sollten Sparer das Kleingedruckte von Zinsangeboten stets genau lesen. Denn oft gelten Top-Zinsen nur zeitlich befristet und nur für Neukunden. Danach sinkt der Zinssatz teilweise deutlich. Bei Chase fällt er nach vier Monaten beispielsweise auf zwei Prozent zurück. Bei der Norisbank gibt es die vier Prozent nur zusammen mit einem Girokonto. Für Verbraucher dürfte sich der neue Wettbewerb trotzdem auszahlen. Wer bereit ist, Angebote regelmäßig zu vergleichen und notfalls auch die Bank zu wechseln, könnte künftig wieder deutlich höhere Zinsen bekommen als noch vor wenigen Monaten.