Trainer Unai Emery hat aus Aston Villa ein Spitzenteam geformt. Nach 44 Jahren winkt dem englischen Traditionsclub wieder ein internationaler Titel. Von den Rängen erhält Villa royale Unterstützung. Ein Denkmal hat Unai Emery in Birmingham schon vor einer Weile bekommen. Nicht weit vom Stadion Villa Park ziert eine Meter hohe Wandmalerei ein Haus. Sie zeigt den Trainer jubelnd. Gut möglich, dass Emery demnächst ein neues Denkmal bekommt. Am Mittwoch könnte der Spanier seinen Legendenstatus in der einstigen Industriemetropole zementieren - mit einem Erfolg im Europa-League-Finale gegen den SC Freiburg . Erstmals seit 44 Jahren bestreitet Aston Villa ein europäisches Endspiel. 1982 gewann der Traditionsclub den Europapokal der Landesmeister. Sieht man von zwei Erfolgen im unbedeutenden Ligapokal in den 90er Jahren ab, war es das letzte Mal, dass Aston Villa eine Trophäe holte. Unabhängig davon, ob der Pokal nach Birmingham geht, gilt die Saison schon jetzt als Erfolg. Keine Chance im Meisterrennen Seit seiner Ankunft vor dreieinhalb Jahren hat Emery aus einem Abstiegskandidaten ein europäisches Topteam geformt. In der Premier League sah es sogar für kurze Zeit so aus, als könne Aston Villa im Titelrennen mitmischen. Nach holprigem Start mit fünf sieglosen Spielen setzte sich das Team um Stürmerstar Ollie Watkins unter anderem gegen Manchester City , Emerys Ex-Club Arsenal, Man United und Chelsea durch. Doch es fehlte die Konstanz - in der Rückrunde schwächelte Villa. Bei der Heimniederlage gegen Tottenham (0:2) buhte und pfiff das Publikum - auch ein Zeichen für die gestiegenen Ansprüche in Birmingham. Die Versöhnung erfolgte im letzten Heimspiel beim starken 4:2 gegen den FC Liverpool . Damit sicherte sich Villa die Rückkehr in die Königsklasse. Vor dem letzten Spieltag ist man Vierter hinter Arsenal und den Manchester-Clubs. "Diese Leistung ist wirklich fantastisch. Europa, Champions League , 62 Punkte, heute der Test gegen Liverpool", schwärmte Emery im Interview des Clubsenders Villa TV. Damit sei Druck von seiner Mannschaft abgefallen, die sich auch über das Endspiel für die Champions League hätte qualifizieren können. "Jetzt können wir im Finale befreit auftreten und (nur) um die Trophäe spielen." Europa-League-Spezialist Emery peilt fünften Triumph an Damit kennt sich Emery bestens aus. Der Spanier, der sich mit der englischen Sprache bis heute etwas schwertut und daher in Interviews manchmal etwas schwer zu verstehen ist, gilt als Europa-League-Spezialist. Als Trainer des FC Sevilla gewann er den Wettbewerb dreimal in Serie - 2014, 2015 und 2016 - und erneut 2021 mit dem FC Villareal. Auf dem Weg ins Finale kassierte Aston Villa in 14 Spielen nur zwei Niederlagen - und gewann alle anderen zwölf Partien. Die europäischen Abende wurden zu Festspielen - ein 4:0 gegen Bologna und ein 4:0 gegen Liga-Konkurrent Nottingham Forest, durch das Emerys Mannschaft das Ticket für das Finale in Istanbul buchte. Royale Unterstützung vom Thronfolger Gut möglich, dass am Mittwoch im Besiktas-Stadion auch Prinz William mitfiebert. Der britische Thronfolger ist seit seiner Kindheit glühender Aston-Villa-Fan. Nach dem deutlichen Halbfinalsieg in der Europa League gegen Nottingham Forest (4:0) sah man William auf der Tribüne ausgelassen zu Neil Diamonds Gassenhauer "Sweet Caroline" tanzen. Später soll er mit Spielern und Trainerteam in der Kabine gefeiert haben. William besucht regelmäßig Spiele, spricht offen über seinen emotionalen Stress als Fan und nimmt inzwischen auch seinen ältesten Sohn Prinz George gelegentlich mit ins Stadion. Die royale Unterstützung gilt als wichtiger Teil der modernen Villa-Identität. William ist der prominenteste Botschafter des 151 Jahre alten Clubs, der aktuell nicht die internationale Strahlkraft von Liverpool, Arsenal oder Man City hat. Noch nicht.