Aus kurzer Distanz an Hüfte und Arm: Ein Elfmeterpfiff in Paris beschäftigt Trainer und Experten im Spiel der Bayern. Das zwischenzeitliche 3:2 von Paris Saint-Germain gegen den FC Bayern im Halbfinale der Champions League hat bei den Münchnern heftige Proteste ausgelöst. "Es ist halt nicht im Sinne des Sports", befand Mittelfeldchef Joshua Kimmich nach der 4:5-Niederlage der Bayern in Paris. "Ich finde, da könnte man schon die Regel anpassen, dass nicht jedes Handspiel im Sechzehner ein Elfmeter ist", forderte Kimmich und steckte die Szene in die "Kategorie unglücklich". Auch Trainer Vincent Kompany empfand den Elfmeter als "höchst diskutabel". Was war passiert? Alphonso Davies bekam den Ball nach einer Flanke von Paris' Ousmane Dembélé aus kurzer Distanz zunächst an die Hüfte und dann an den Arm. Schiedsrichter Sandro Schärer hatte zunächst weiterspielen lassen. Dann meldete sich der Videoschiedsrichter (VAR) Carlos del Cerro Grande und schickte Schärer an den Bildschirm. Nach Ansicht der Bilder entschied der Schweizer dann doch auf Handelfmeter. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner zum Beispiel unterstützte die Entscheidung auf Elfmeter. "Aus meiner Sicht ist es durchaus ein strafbares Handspiel, weil die Körperfläche breiter wird. Nach diesen Bildern eine korrekte Entscheidung", sagte Wagner noch während der Partie bei Prime Video. Die Prime-Experten waren hingegen anderer Meinung. Für Mats Hummels war es kein Elfmeter: "Nach dem Treffer fliegt die Hand so weg, dadurch sieht es schlimmer aus. Der Ball prallt von der Hüfte ab, ich dachte immer, dass es da keinen Elfmeter geben soll." Und damit stellte der frühere Abwehrspieler des BVB und der Bayern eine berechtigte Frage. Spanien bekannt für "harte Regelauslegung" Der frühere Unparteiische Manuel Gräfe erklärte bei "Bild": "Es wäre sinnvoll gewesen, hier nicht einzugreifen." Es handle sich in dieser Szene um keine glasklare Fehlentscheidung, Schärers ursprüngliche Entscheidung sei vertretbar. Wenn der Ball durch den Arm geblockt werde oder es eine Bewegung zum Ball gebe, dann wäre das Vergehen strafbar gewesen. "Aber wenn wir schon den VAR und die Bilder haben, müssen wir uns das genau anschauen", sagte Gräfe und führte aus: "Man sieht, dass der Arm vorher schon mit der Schrittbewegung rausgeht", erst danach wird die Flanke geschlagen, trifft die Hüfte und "wird dann abgelenkt in eine schon länger vorhandene, natürliche Position". Gräfe resümierte: "Das sind die Momente und Geister, die man mit dem VAR rief. Aber dann muss ich mir die Bilder schon genau anschauen." Aus seiner Sicht war die Entscheidung pro Handelfmeter eine "sehr harte Entscheidung". Die Spanier seien allerdings bekannt für eine "sehr harte, strikte Regelauslegung". US-Journalist: "Es war eine wirklich schlechte Entscheidung" Graham Scott, der Schiedsrichter-Experte es Portals "The Athletic", war sogar noch etwas deutlicher als der deutsche Ex-Schiedsrichter Gräfe: "Hier lag kein Handspiel vor – der Ball wurde aus kurzer Distanz geschossen, Davies hielt seine Arme eng am Körper, seine Bewegung war völlig gerechtfertigt, und es gab keine Anzeichen für eine absichtliche Handlung." Es sei für ihn rätselhaft, "warum die Uefa ihre Schiedsrichter auffordert, bei Handspiel in ihren Wettbewerben so streng zu sein". Dann zog Scott einen Vergleich: Der Videobeweis in der englischen Premier League "hätte dies nach der ersten Wiederholung abgewiesen, aber die spanischen Videoschiedsrichter legen in der La Liga eine andere Auslegung zugrunde". Sein Fazit: "Es war eine wirklich schlechte Entscheidung."