Bauarbeiten in Lingental: Kein Durchkommen zwischen Gaiberg und Leimen
Von Thomas Frenzel
Leimen. Nach der Großbaustelle ist vor der Großbaustelle. Oder anders gesagt: Wenn im Leimener Bergstadtteil Gauangelloch die Ortsdurchfahrt mit Millionenaufwand fertig saniert sein wird, kommt der Ortsteil Lingental an die Reihe. Auch wenn dort nur wenige Hundert Menschen leben, wird diese Lingentaler Baustelle noch weiterreichende Folgen haben - für die gesamte Region bis in den Mosbacher Raum. Denn dann wird die durch Lingental führende Landesstraße L 600 als Ost-West-Traverse dicht gemacht. Voraussichtlich ab Juni 2018 und dann sechs Monate lang. Abertausende Wagenlenker können sich schon heute überlegen, wie sie dann dieses gesperrte Nadelöhr umfahren.
Hintergrund sind umfangreiche Kanal- und Entwässerungsmaßnahmen in einer Größenordnung von vier Millionen Euro, wie Oberbürgermeister Hans D. Reinwald bei der zurückliegenden Ratsversammlung sagte. Bemerkenswert bei dieser öffentlichen Sitzung war eines: Das Hofgut Lingental, das unlängst durch Eigentümerwechsel wieder für Schlagzeilen sorgte, wurde kaum erwähnt. Bekanntlich war das Gut geschlossen worden, nachdem Wassermassen es im Frühsommer 2016 überflutet hatten, die über die Landesstraße L 600 eingedrungen waren und Schäden im zumindest sechsstelligen Bereich verursacht hatten.
Gleichermaßen optisches wie ökologisches Kernstück der Maßnahme wird eine als Abwasserlauf deklarierte Renaturierung des bislang verdolten Rösbachs. Zwischen dem Lingentaler Ortseingang aus Richtung Leimen und dem Waldparkplatz Hirschgrund soll der Rösbach freigelegt und naturnah gestaltet werden - und zwar mäandernd, wie dies in der Ratssitzung mehrfach thematisiert wurde.
Diese Freilegung schlägt gegenüber einer unterirdischen Rohrlösung zwar mit 90.000 Euro an Mehrkosten zu Buche, lässt sich aber als Plus auf dem städtischen Ökokonto verbuchen. Laut Sitzungsunterlage ist von einer rein rechnerischen Öko-Aufwertung in einer Größenordnung von 22.000 Quadratmetern die Rede; mit diesen lassen sich bei künftigen Bauprojekten die dort fälligen Ausgleichsausgaben verrechnen. Ergänzt werden soll dieser künftige Abwasserbachlauf durch einen sogenannten Begleitweg, der mit weiteren 90.000 Euro veranschlagt ist - und von Spaziergängern gewiss gerne angenommen werden wird.
Im Vergleich zu der Gesamtmaßnahme sind diese auch optischen Maßnahmen nur sogenannte "Peanuts" - kleine Erdnüsslein. Zumal der Abwasserzweckverband Untere Hardt auf eigene Rechnung ebenfalls in das Projekt eingebunden ist und dazu auch das Land. Das Land beispielsweise ist für die neue Asphaltierung der L 600 zuständig, dem Zweckverband obliegt unter anderem ein neues Regenüberlaufbecken.
Wichtiger noch: Bei der stadteigenen Abwasserbeseitigung, die ihren Aufwand auf die Gebühren umlegen darf, laufen die meisten Kosten auf. In ihre Obhut fällt das Regenrückhaltebecken unterhalb des erwähnten Hirschgrundparkplatzes, mit dessen neunmonatigem Bau schon im September begonnen worden war. Hinzu kommen diverse Misch- und Regenwasserkanäle im Ortsteil - inklusive anteilige Gehwegausbauten.
Anders als die L 600-Durchfahrt durch Lingental bleibt die Erreichbarkeit des Leimener Ortsteils auch während der Baumaßnahmen erhalten, die bis Ende November 2018 über die Bühne gehen sollen. Das sicherte Rudi Kuhn als zuständiger Betriebsleiter zu: Der erste Bauabschnitt arbeitet sich aus Richtung Leimen vom Hirschgrundparkplatz nach Lingental vor, ein zweiter Bauabschnitt widmet sich der Zufahrt aus Richtung Gaiberg. Die Zufahrt zum Lingentaler Wohngebiet über den Kastanienbuckel bleibt laut Kuhn gewährleistet, auch wenn bei der An- und Abreise gehörige Umwege in Kauf genommen werden müssen.