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7. Oktober in Israel: Wut und Trauer am Jahrestag des Hamas-Massakers

Drei Jahre sind seit dem "schwarzen Schabbat" vergangen. Hinterbliebene des Hamasangriffs vom 7. Oktober 2023 suchen bis heute nach Antworten, wie das Grauen geschehen konnte. Im Radio wechseln sich ruhige Lieder mit Soundbits der Liveschalten vom 7. Oktober 2023 ab. Gen Süden Israels, eigentlich die Peripherie des Landes, wird der Verkehr dichter. Ein steter Strom von Besuchern fließt zum Gelände des Nova-Festivals unweit des Kibbuz Re'im. Drei Jahre sind seit dem Terrorangriff der Hamas auf Südisrael vergangen. Was bleibt, sind Trauer, Wut und die alles dominierende Frage: "Wie konnte das passieren?" Seit den frühen Morgenstunden versammeln sich Angehörige, Freunde, Besucher an der Gedenkstätte des Nova-Festivals. Hier, etwa auf der Hälfte der nord-südlichen Ausdehnung des Gazagürtels, wurden am "schwarzen Schabbat" mehr als 360 Menschen ermordet, 44 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Aus den Eukalyptus-Stecklingen, nach dem 7. Oktober vor drei Jahren im Andenken an die Opfer gepflanzt, ist längst ein kleiner Wald geworden. Tagesanbruch: Nichts ist mehr wie vorher Angehörige über den 7. Oktober: "Es freut mich, dass sie so viel hinterlassen hat" In Stille oder das Gespräch suchend, in schweigender Umarmung, allein oder in kleinen Zeremonien, beim Picknick oder mit Zigaretten und Whisky versuchen Hinterbliebene den Tag durchzustehen. Die landesweite Schweigeminute, angeregt von Opferfamilien, geht in der schweren Stille des Gedenkens unter. Schuldgefühle und offene Fragen "Drei Jahre unfassbaren Schmerzes, unerträglicher Sehnsucht und Millionen Fragen bei jedem Atemzug" – die Stimme von Joram Jehudai bricht. Sein Sohn Ron ist eines der Opfer, 24 Jahre alt war er bei seinem Tod. Festivalbesucher versteckten sich hier stundenlang im Festivalmüll eines großen gelben Containers. In chronologischer Reihenfolge liest der trauernde Vater ihre letzten Nachrichten an die Außenwelt. Um 11.47 Uhr brechen sie ab. Ron und acht weitere junge Menschen sind tot. Ermordet. "Wo waren wir Eltern, um sie zu schützen, um sie zu retten?", beschreibt Joram Jehudai die Schuldgefühle. Und dass es nicht die Aufgabe der Eltern hätte sein sollen, sondern derer, "die wir gewählt und denen wir vertraut haben". Eine Untersuchungskommission, bisher von den politisch Verantwortlichen verweigert, hätte längst Ergebnisse gebracht, sagen Joram Jehudai und viele andere. Wut und Unverständnis "An diesem Tag kommen alle Verantwortlichen nach Re'im, um einen Haken an ihren Gedenkbesuch zu machen. Wo waren sie am 7. Oktober?" Schlomo und Rita Kriefs Wut ist unüberhörbar, als Gadi Eisenkot, von 2015 bis 2019 israelischer Armeechef und nun mit seiner Partei "Jaschar" mitten im Wahlkampf für die Parlamentswahlen am 27. Oktober, das Festivalgelände besucht. "Eisenkot hat diese Armee aufgebaut, die den Angriff der Hamas zugelassen hat", sagt Rita Krief. Ihr Sohn Schachaf war 17, als er mit seiner Freundin und weiteren Freunden am Strand von Zikim ermordet wurde. Die Verbitterung ist zu einem Teil ihres Lebens geworden: Statt humanitärer Hilfe für den Gazastreifen wünscht sich das Paar aus Gilat ein hartes Durchgreifen. "Wenn uns die ganze Welt schon vorwirft, zu morden, sollten wir es auch tun und nicht nur die Anschuldigungen stehen lassen", meint Rita. Dagegen stehe, dass Israel das moralischste Volk mit der moralischsten Armee sei, entgegnet ihr Mann. Ihre acht Enkelkinder werden selbstverständlich in die Armee gehen, sagen beide. Besuche gegen das Trauma Ein paar Meter weiter ist Noam mit der Familie von Jake Aaron Marlowe ins Gespräch vertieft. "Wir waren hier. Wir hörten die Schüsse. Zuerst dachten wir, es ist die Armee. Dann sind wir in die Felder gerannt, von da zu den Autos", erzählt der 28-Jährige. Sein Überleben sei "eine Frage des Glücks" gewesen. Noam bekämpft sein Trauma mit möglichst vielen Besuchen auf dem Festivalgelände. "Wenn ich Angehörige hier sehe, dann inspiriert mich das." Auch Michael Marlowe kommt so oft es geht aus Großbritannien an die Gedenkstätte. "Mein Sohn ist in London begraben, aber seine Seele und sein Herz bleiben hier. Er ist 2021 nach Israel ausgewandert und war am glücklichsten hier." In seinen letzten Momenten sei Jake ein Held gewesen. Statt sich selbst in Sicherheit zu bringen, habe er versucht, andere zu retten. Neun Schüsse trafen den 26-Jährigen, dessen Leiche vier Tage in den Feldern rund um Re'im lag, bevor er gefunden und von seinem Vater identifiziert wurde. "Seinen eigenen Sohn zu beerdigen, bricht einen. Davon erholt man sich nicht." Michael will nicht nur die Geschichte seines Sohnes erzählen, sondern die aller Ermordeten. An dem Ort des Festivals zu sein, sei "unfassbar eindringlich".

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