Epstein-Files: Missachtung des US-Kongress: Fall des Milliardärs Leon Black geht an Justizministerium
Jeffrey Epstein und Investor Leon Black waren Geschäftspartner, der Sexualstraftäter beriet ihn auch bei Investments in Deutschland. Nun erhebt der US-Kongress schwere Vorwürfe.
Noch vor wenigen Jahren war Leon Black ein Star in der internationalen Investorenszene. Mit seinem Beteiligungsunternehmen Apollo Global Management verwaltete er ein Milliardenvermögen. Außerdem galt Black als Kunstliebhaber, er ersteigerte etwa eine Pastellversion von Edvard Munchs „Der Schrei“ für mehr als 100 Millionen Dollar. Blacks Vermögen beläuft sich laut „Forbes“ auf 14,5 Milliarden. Dollar.
Jetzt soll sich Black für die Missachtung des US-Kongresses verantworten. Das Repräsentantenhaus stimmte für die Anklage, weil der Milliardär einer Vorladung vor den Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses nicht nachgekommen sei. Dort hätte Black über seine Beziehung mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aussagen und entsprechende Dokumente vorlegen müssen.
„Niemand steht über dem Gesetz“, sagte James Comer, Vorsitzender des Aufsichtsausschusses. „Wir werden uns weiterhin für Transparenz für die amerikanische Bevölkerung und für Gerechtigkeit für die Überlebenden einsetzen.“ Die Entscheidung für die Anklage fiel einstimmig – nun liegt es am US-Justizministerium zu entscheiden, ob es Black strafrechtlich verfolgt.
Jeffrey Epstein half Black bei der Steuervermeidung
Leon Blacks Name kommt häufig in den sogenannten Epstein-Files vor. Dabei handelt es sich um mehrere Millionen Seiten an Ermittlungsakten, die das US-Justizministerium Anfang des Jahres veröffentlicht hatte. Epstein arbeitete für Black offenbar Strategien aus, wie er möglichst wenig Steuern zahlen muss – wofür ihn Black fürstlich belohnte. Laut Medienberichten soll Black Epstein 158 Millionen Dollar gezahlt haben, um insgesamt 1,3 Milliarden Dollar an Steuern zu sparen.
Zusätzlich beriet Epstein Black laut den Akten zumindest zum Teil auch bei Investments. Als Black etwa in ein Startup des deutschen Gründers Magnus Resch einstieg, versuchte Blacks Team auch Epsteins Meinung einzuholen. Selbst Geschäfte mit Epstein hat Magnus Resch nie gemacht und laut dessen Anwalt auch von den Verbindungen zwischen Epstein und Resch nichts gewusst.
Blacks Anwälte bezeichneten die Anklage als „empörende Maßnahme, die die Fakten und die Wahrheit über Herrn Black ignoriert“. „Das gesamte Repräsentantenhaus spricht ihn der Missachtung des Parlaments aus, ohne Rücksicht auf das laufende Gerichtsverfahren, in dem die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen des Ausschusses angefochten wird, und auf die Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Ethikrichtlinien gegen den Vorsitzenden Comer“, hieß es.
Black brach eine Befragung ab
Jeffrey Epstein hatte über Jahre ein System aufgebaut, indem er junge – oft auch minderjährige Frauen – in die Prostitution trieb. Bei Partys auf dessen Privatinsel führte er diese zahlreichen Prominenten zu oder missbrauchte sie selbst. Bereits im Jahr 2008 wurde Epstein erstmals verurteilt. Im Juli 2019 nahm ihn das FBI erneut est, am 10. August 2019 wurde Epstein tot in seiner Zelle aufgefunden.
Auch Leon Black wurde von mehreren Frauen vorgeworfen, sie vergewaltigt zu haben. Bei einer der Frauen behauptete Black, er habe mit ihr eine einvernehmliche Affäre gehabt – Jahre zuvor hatte er ihr rund zehn Millionen Dollar für eine Schweigevereinbarung gezahlt. Im März 2021 trat Black als CEO von Apollo Global Management zurück.
Um diese Schweigegeldvereinbarungen geht es nun auch indirekt in der Anklage. Anfang September hatte Black eine Befragung des Aufsichtsausschusses abgebrochen, weil die Abgeordneten Einsicht in die Schweigegeldvereinbarungen wollten. Daraufhin erhob der 75-jährige Milliardär selbst Klage gegen die Vorladung.