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Annette Frier: "Öffentlich-rechtliche Sender kommen an ihre Grenzen"

Seit Jahrzehnten bringt Annette Frier die Deutschen zum Lachen – auch bei ernsten Themen. Im t-online-Interview spricht sie über Demenz, die Wechseljahre und ihre Ehe. Ob im Dauerclinch mit ihrem Serien-Ex-Mann oder mitten in den Wechseljahren: Als Anne Merz zeigt Annette Frier seit 2019, wie komisch Familienchaos sein kann. An diesem Donnerstag um 20.15 Uhr strahlt das ZDF mit "Merz gegen Merz – Entscheidungen" den vierten Film der Reihe aus. Darin verschwindet Annes dementer Vater aus dem Pflegeheim – und die ganze Patchworkfamilie begibt sich auf die Suche. Gerade das Thema Demenz liegt der 52-jährigen Annette Frier am Herzen. Im Gespräch mit t-online erklärt sie, warum Humor dabei helfen kann, verteidigt Komödien in der Debatte um den Rundfunkbeitrag , erzählt, was sich für Frauen in den Wechseljahren ändert, und verrät, warum ihr Mann gut zu ihr passt. t-online: In "Merz gegen Merz" spielt die Demenz eine große Rolle. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig? Annette Frier: Statistisch gesehen wird es monatlich wichtiger für die ganze Gesellschaft. Ich kenne gar keine Leute mehr, die nicht damit zu tun haben. Mein Missverständnis mit Demenz war die Annahme, dass es in erster Linie um die Patienten geht, aber systemisch betrachtet geht es bei Demenz immer mindestens um eine ganze Familie. Und darf man so ein hartes Thema mit Humor erzählen? Gesellschaftlich wird das Thema immer relevanter, jede Woche. Wir haben dieses Jahr so viele 70-Jährige wie noch nie in unserem Land. Wir verwandeln uns in eine Gesellschaft von alten Menschen und deswegen finde ich gut, dass wir diesen Kontext bei "Merz gegen Merz" mit ein bisschen "Zauberstreu" versehen dürfen. Dann verlieren wir alle vielleicht ein wenig die Angst, uns mit diesem knallharten Thema auseinanderzusetzen. In der Debatte um den Rundfunkbeitrag: Welchen Wert haben denn ausgerechnet Komödien für ernste Themen? Oh, ich bin gerne Komödien-Botschafterin. Ich finde es wichtig, Luft zu holen, lachen zu können, auch wenn's eng wird. "Merz gegen Merz" ist da ein wichtiger Beitrag. Kultur für die Gesellschaft ist vergleichbar mit Bildung für Jugendliche: Sie kostet, aber wir sollten uns das leisten. Wenn ich wüsste, dass das Geld, das wir in der Kultur sparen in die Bildung unserer Kinder gesteckt wird, wäre ich auch bereit für ein Gespräch. Aber es wird in erster Linie in Aufrüstung und in noch mehr Sicherheit investiert – in einer Welt, in der wir jeden Tag vor das Gesicht gehalten bekommen, dass es so etwas wie Sicherheit nicht gibt. Was wünschen Sie sich von den Programmverantwortlichen? Mehr Mut? Das gilt ja immer. Aber ich kann nicht sämtliche Themen auf die Öffentlich-Rechtlichen abschieben und sagen: Die müssen sich kümmern. Wir müssen das alles selbst gestalten, gemeinsam als Gemeinschaft. Und zwischendurch müssen wir auch anerkennen, wenn es mal einen Fortschritt gibt. Man kann nämlich auch sagen: Super, dass sich endlich etwas tut. Wir bezeugen einen großen Zeitenwandel. Wer muss diesen Wandel denn vorantreiben – die Sender, die Politik oder Sie selbst als Künstlerin? Wir brauchen dafür ein neues Bewusstsein als Kulturschaffende. Lange Zeit bin ich davon ausgegangen, dass mir mein Arbeitgeber, also zum Beispiel Sender, Produktionsfirmen oder Theater, automatisch sämtliche Entscheidungen abnimmt und mich also beschäftigt und mir Inhalte offeriert. Warum eigentlich? In welchem Vertrag steht das? Die öffentlich-rechtlichen Sender kommen allerorten auch an ihre Grenzen. Das große Ganze ist eine Aufgabe für uns alle und besonders für die Kulturschaffenden, ideenreich zu werden. Und ich habe gar kein Interesse mehr daran, dass das jemand an meiner statt erledigen soll. Außer natürlich die Politik. Die sollte nichts anderes tun. Das ist ihre Aufgabe per Definition. Ansonsten gilt: stets an die eigene Nase fassen und beherzt losgehen ins Ungewisse. Wie sehr haben sich Ihre Rollen über die Jahre verändert? "Frier und Fünfzig" war ein kleiner Hilferuf meinerseits. Meine Rollenangebote fand ich in den letzten Jahren oft dürftig, da war zu wenig los. Mittlerweile ist glücklicherweise einiges in Bewegung geraten. Drehbuchautor Ralf Husmann hat Ihnen die Wechseljahre ins Drehbuch von "Merz gegen Merz" geschrieben. Wie reagieren Männer in Ihrem Umfeld auf das Thema? Für Männer ist das Thema maximal interessant, weil die Wechseljahre ihre Ehen und ihre Ruhe bedrohen. Im ersten Widerstand heißt es: "Die Mama ist jetzt ein bisschen komisch." Das ist wirklich gestrig und ja, auch ein bisschen ermüdend. Aber Sie erleben auch das Gegenteil? Ja. Es gibt natürlich auch ein großes Interesse bei Männern, zu verstehen, was da eigentlich mit ihren Frauen los ist. Die guten Männer gehen mit und teilweise sogar voran. Es betrifft sie ja auch ganz direkt. Im ersten Widerstand fallen aber meistens Sätze wie: Was will sie denn noch? Jetzt sind wir doch finanziell endlich einigermaßen safe, die Kinder sind groß. Warum ist "business as usual" denn plötzlich verkehrt? "Eingeschlagen wie nichts Gutes": Der berühmte Mann von Annette Frier Und die Frauen? Meine Erfahrung ist, dass Frauen in meinem Alter oft noch mal richtig neugierig werden. Und das beißt sich maximal mit "seine Ruhe haben." Die Frauen entdecken ihre Weiblichkeit neu, nachdem sie die Familienplanung durchgezogen haben. Sie wollen endlich bei sich selbst ankommen und legen vielleicht weniger Wert auf Anpassung an die Familie oder die Gesellschaft. Ich kürze ab: Bei den meisten Frauen beginnt dann nochmal ein sehr spannendes Kapitel. Was verbessert sich denn konkret durch die Wechseljahre? Die Klarheit ist gar nicht zu unterschätzen. Klarheit – weg von "Es anderen Leuten recht machen wollen". Weg davon, Situationen oder Systeme zu beschwichtigen. Damit tut man meistens weder sich noch anderen einen Gefallen. In den Wechseljahren kann man sich nicht mehr durch sein eigenes Leben mogeln. Es geht nicht mehr. Es geht einfach nicht mehr. Stichwort hier: Freude und Freiheit. Wie merken Sie das ganz konkret in Ihrem Beruf? Mit "Frier und Fünfzig" und anderen Rollen, die ich zurzeit spiele, komme ich der besagten Freiheit schon recht nah. Ich bin wählerischer geworden und bleibe ansonsten lieber mal zu Hause, anstatt ein mittelmäßiges Drehbuch zu verfilmen. Früher hätte ich größere Hemmungen gehabt, meine Zeit für mich zu nutzen. Jetzt habe ich auch mal die Chance, Dinge zu tun, die möglicherweise Gegenwind verursachen. Beispiel: eine nette kleine Werbung anstatt drei nette lange Filme. Ist es nicht auch manchmal schwer für den eigenen Partner, bei all den Veränderungen mitzukommen? Wie ist das bei Ihnen? Der verändert sich ja auch, und ich habe glücklicherweise einen Partner, der ebenfalls kein Interesse an Stillstand hat. Worauf haben Sie in Zukunft noch so richtig Lust – vielleicht etwas Neues lernen? Ja, unbedingt. Ich beschäftige mich in diesem langen Sommer ausschließlich mit Lieblingshobbies: Klavier spielen, schreiben, ansonsten gern ganztägig Tischtennis mit meinen Kindern. Life is big!

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