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Trump in der Iran-Falle: Krieg ohne Ende, Ölpreis und Umfragen-Absturz

Sechs Monate Krieg, steigende Ölpreise und miserable Umfragen: Donald Trump gerät im Iran-Konflikt immer tiefer in die selbst gestellte Falle. Ein "Wirtschaftskrieg" soll nun retten, was militärisch bislang nicht gelungen ist. Bastian Brauns berichtet aus Washington Der erste Effekt, den Donald Trump in dieser Woche erzielte, war ein erneuter Anstieg des Ölpreises. Inzwischen liegt er im Schnitt rund 40 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr. Dabei wollte der US-Präsident eigentlich seine Handlungsfähigkeit und Stärke beweisen, als er am Mittwoch abermals eine neue Iran-Strategie verkündete. "Die brutalste Wirtschaftsoperation, die jemals gegen ein Land durchgeführt wurde", kündigte der Präsident auf seiner Plattform Truth Social an. Mit einem "Wirtschaftskrieg und einer Isolierung beispiellosen Ausmaßes" drohte Trump nicht nur Teheran, sondern gleich der ganzen Welt. Wer den Iran über Banken, Unternehmen, Flughäfen oder andere Wege noch am Leben halte, werde selbst "schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen" zu spüren bekommen, so Trump. Die martialische Rhetorik zeugt von einer Realität, die sich nach rund einem halben Jahr Krieg im Nahen Osten nicht mehr beschönigen lässt. Die politische und wirtschaftliche Lage wird für Donald Trump immer schwerwiegender. Die Folgen dieses unbeliebten Krieges treffen seine Partei, die Republikaner, die vor den Zwischenwahlen im November mitten im Wahlkampf stecken. Der Unmut darüber zeigt sich selbst innerhalb der Regierung. Iran-Krieg: Was steckt hinter Trumps Drohung mit einem Wirtschaftskrieg? Attacken gegen Südkorea : Trump macht Kim Jong Un ein gefährliches Geschenk Der wirtschaftliche Nervenkrieg Nach sechs Monaten Krieg gibt es noch immer keinen überzeugenden Erfolg, den der Präsident seinen Wählern präsentieren könnte. Der Iran hat weder kapituliert noch ist ein politischer Verhandlungserfolg in Sicht. Die Gespräche liegen auf Eis. Der geplante Zeitraum von 60 Tagen, die nach der Absichtserklärung vom Juni eigentlich zu echten Friedensverhandlungen führen sollten, ist praktisch ergebnislos ausgelaufen. Zugleich bleiben die Straße von Hormus und ihre Bedeutung für den weltweiten Ölhandel weiterhin die Geisel dieses ungelösten Konflikts. Das iranische Regime kann diesen strategischen Hebel trotz anhaltender Seeblockade durch die US-Marine auch weiterhin ansetzen. Trumps rhetorische Beteuerungen, die Handelsroute sei wieder frei, entbehren einer realen Grundlage. Auch wenn der Iran laut US-Medienberichten inzwischen einen bedeutenden Teil der Kontrolle verloren haben soll. Uneinigkeiten zwischen Trump und Vance Das Hauptproblem für Trump bleibt der Ölpreis und die Sorge vor einer immer weiter steigenden Inflation bei anderen Gütern, auch bei der US-Notenbank Fed. Bei diesem Thema zeigt sich besonders deutlich, wie schwerwiegend die Differenzen innerhalb der US-Regierung sein müssen. Trumps Vizepräsident JD Vance erklärte zuletzt in Bezug auf die Iran-Strategie öffentlich, Ziel Nummer eins sei es, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten. Erst danach nannte er das Ziel, den Iran von der Entwicklung einer Atomwaffe abzuhalten. Trump hingegen setzt seine Prioritäten demonstrativ anders. Auf die Frage von Reportern, ob die finanzielle Belastung amerikanischer Familien seine Entscheidungen bei den Iran-Verhandlungen beeinflusse, antwortete er schon im Mai: "Nicht mal ein kleines bisschen." Er denke nicht über die finanzielle Situation der Amerikaner nach, sondern nur darüber, dass der Iran keine Atomwaffe bekommen dürfe. Seither fällt der Präsident immer wieder mit ähnlichen Aussagen auf. Trump sagt Sätze wie, die Amerikaner müssten dieses Opfer eben bringen. Oder die Erschwinglichkeit von Produkten interessiere ihn nicht. Anhand dieser unterschiedlichen Kommunikation wird deutlich, wie groß das zentrale Dilemma dieses von den USA begonnenen Krieges ist. JD Vance muss als potenzieller Nachfolger von Trump über das Problem sprechen, das ihm mit angelastet werden könnte und das bestenfalls noch vor den Midterm-Wahlen gelöst werden müsste. Trump aber klammert sich an sein festgelegtes strategisches Ziel, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern, ungeachtet der Konsequenzen. Die US-Staatsverschuldung explodiert Die verschärfen sich längst über die Tankstellen hinaus im ganzen Land. Unter Donald Trump hat die amerikanische Staatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten . Dazu tragen auch die Milliardenkosten für den Iran-Krieg erheblich bei. Gleichzeitig liegen die langfristigen Zinsen hoch, während das Haushaltsdefizit von rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein historisches Niveau erreicht hat. Normalerweise gab es das zudem eher bei großen Kriegen oder einer Rezession. Trump führt das Land aber in einer wirtschaftlich vergleichsweise stabilen Phase. Die Sorgen wachsen, dass die USA bei einer möglichen viel größeren Krise künftig deutlich weniger fiskalischen Spielraum haben werden. Ein Schiff als Symbol für Trumps Desaster Jenseits solcher für die Amerikaner eher abstrakten Gefahren häufen sich aber auch sehr konkrete schlechte Nachrichten für Trump. Sie betreffen nicht zuletzt das Selbstverständnis der USA als einer starken Nation. So ist die Situation an Bord des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" zum Symbol eines zermürbenden Einsatzes geworden, der immer länger dauert und kein Ende erkennen lässt. Zahlreiche Familienangehörige der Soldaten zeigen sich öffentlich empört und fassungslos über die Zustände an Bord. Medien berichten über Probleme bei der Versorgung mit Essen und von psychischen Belastungen der Besatzung infolge der verlängerten Einsatzzeit. Sogar der US-Admiral Brad Cooper räumte ein, wie "einzigartig herausfordernd und schwierig" die Umstände seien. Der Präsident hingegen bezeichnete die Berichte als "Fake News" und beschimpfte eine Journalistin im Oval Office, die dazu Fragen stellte . Historisches Umfragetief erfasst die ganze Partei Der politische Druck auf Trump steigt. Seine Umfragewerte sind inzwischen in einen Bereich abgestürzt, den er zuletzt nach dem Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 erreicht hatte. Ende Juli lag seine Zustimmung in einer CNN-Umfrage bei 34 Prozent. Eine aktuelle Erhebung von Reuters/Ipsos sieht ihn nun bei 33 Prozent Zustimmung und 64 Prozent Ablehnung. Es ist ein historischer Tiefpunkt, der auch die zur Wahl stehenden republikanischen Kandidaten beschädigt. Besonders fatal für Trump und seine Partei: Ausgerechnet bei den Themen, die seine Iran-Strategie unmittelbar mit dem Alltag der Amerikaner verbinden, sind seine Werte miserabel. Nur 28 Prozent hießen zuletzt seinen Umgang mit dem Iran gut. Die Inflation und die hohen Benzinpreise gehören ebenfalls zu seinen größten Schwachstellen. Und die Amerikaner scheinen keine große Hoffnung zu haben, dass der Krieg bald zu Ende ist. 80 Prozent der Befragten in der Reuters/Ipsos-Umfrage rechnen damit, dass das Engagement im Iran noch lange dauern wird. Der Präsident hatte einen schnellen Krieg versprochen. Kann der Plan überhaupt gelingen? Trumps neu angekündigter Wirtschaftskrieg gegen den Iran soll nun leisten, was seine militärische Operation nicht vermochte. Die US-Regierung versucht so, den Iran unter Druck zu setzen, ohne selbst militärisch noch tiefer in einen Krieg hineinzurutschen, der die eigenen Munitionsbestände längst empfindlich dezimiert hat. Die weitere Option Bodentruppen würde Trump als selbst ernannten Friedensbringer politisch noch mehr schädigen. Wie realistisch der neue Vorstoß des US-Präsidenten ist, ist unterdessen eine ganz andere, aber die entscheidende Frage. Faktisch erlebt der Iran bereits seit Jahrzehnten Sanktionen. In der Folge hat das Regime ein komplexes System aus Schattenflotten, Scheinfirmen, Währungswechselstuben und Finanznetzwerken aufgebaut. Die angedrohten Sanktionen so durchzusetzen, dass sie eine Wirkung erzielen, wird laut Experten jedenfalls schwierig. Auch, weil mächtige Partner des Iran, wie China oder Russland , selbst kein Interesse daran haben. Der Iran könnte einfach weitermachen Ob Trump sich sekundäre Sanktionen gegen chinesische Banken oder Unternehmen leisten kann, ist zweifelhaft. Den Iran wirtschaftlich nachhaltig in die Knie zu zwingen, würde Monate, möglicherweise Jahre dauern. Wie im Falle Russlands verlangt ein solches Vorgehen ein hohes Maß an strategischer Geduld, internationale Absprachen und eben die Bereitschaft, wirtschaftliche Nebenwirkungen für das eigene Land auszuhalten. All das gehört erkennbar nicht zu Trumps Stärken. Von Trumps Drohung eines "wirtschaftlichen D-Day" für den Iran könnte also am Ende einmal mehr wenig übrig bleiben. Sein Dilemma: Je drastischer Maßnahmen sind, desto größer werden die Risiken für die amerikanische und globale Wirtschaft. Je vorsichtiger er agiert, desto eher kann der Iran den Druck einfach aussitzen.

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