Der Chef der Bundesnetzagentur erinnert angesichts niedriger Füllstände vor dem Winter die Gasversorger an ihre Verantwortung. Verbraucher sollen sich aber keine Sorgen machen. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, fordert die Gasversorger in Deutschland dazu auf, ihrer Verantwortung nachzukommen und Gas in ausreichenden Mengen für den Winter einzuspeichern. "Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat", sagte Müller am Montag zu t-online. "Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen." Hintergrund sind die historisch niedrigen Gasspeicherfüllstände in Deutschland . Am Montag waren die Speicher für den Winter nur zu 49,7 Prozent gefüllt. Bis November sollen sie laut gesetzlicher Füllstandsvorgaben zu 70 Prozent gefüllt sein. Aufgrund des Iran-Kriegs und der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus ist Gas aber teuer, was den Versorgern wenig Anreiz dafür gibt, den Rohstoff zu speichern. Kostete eine Megawattstunde Gas im Januar noch 30 Euro, sind es Mitte August über 60 Euro. Unklar ist, wie sich der Preis im Herbst und Winter noch entwickelt – sodass die Gasversorger nicht sicher sein können, ob sie dann mit dem eingespeicherten Gas noch Gewinne oder eher Verluste machen werden. Vergangene Woche warnte deshalb der Verband der Gasspeicherbetreiber Ines vor einer unsicheren Versorgung, sollte der kommende Winter kalt werden. Im Extremfall müsste die Bundesnetzagentur "behördlich über die Zuteilung knapper Mengen entscheiden, um die Versorgung von Haushaltskunden abzusichern", warnte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann im t-online-Interview. Müller: Steuerzahler sollten nicht einspringen Einen solchen Schritt lehnt Müller allerdings ab. "Uns wurde im Frühjahr versprochen, dass vorgesorgt wird. Die Verantwortung liegt bei den Gashändlern, man sollte sie auch nicht aus dieser Verantwortung entlassen." Es sei zweifelsohne richtig, dass die Herausforderung durch den Iran-Krieg besonders groß geworden sei. "Aber das sollte nicht mit der Nichterfüllung der eigenen Verantwortung verwechselt werden." Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass der Staat kein Gas einkaufen würde. Niederlande und Italien kaufen schon Gas für den Winter ein In den Nachbarländern wurde die Lage indes etwas anders eingeschätzt. Bereits im Juni haben die Niederlande die staatliche Befüllung der Speicher angeordnet, nachdem dort ebenfalls die Gasspeicher auf historische Tiefstände gefallen waren. Und in Italien zahlt der Staat den Gasunternehmen eine Prämie, wenn sie Gas im Sommer einspeichern. Das staatliche Anreizprogramm gilt so lange, bis die Speicher zu 90 Prozent gefüllt sind. Europaweit sind die Gasspeicher Mitte August nur zu rund 60 Prozent gefüllt, bis November sollten sie im Durchschnitt zu 90 Prozent befüllt sein. Dass die europäischen Nachbarländer die Gasspeicherung teilweise subventionieren, erschwert die Lage in Deutschland noch zusätzlich, so Müller. Den Vorwurf der Gasspeicherbetreiber, dass die Bundesnetzagentur die Wirtschaftlichkeit des Einspeicherns durch hohe Bürokratielasten, Abgaben und Netzentgelte verschlechtere, lehnt er indes strikt ab. "Die Bundesregierung und der Bundestag haben gerade erst die Gasspeicherumlage abgeschafft und dadurch die Gaswirtschaft mit Milliarden entlastet. Einen Bürokratieaufwuchs kann ich auch nicht erkennen. Das ist nicht das Problem", sagt Müller mit Verweis auf die Lage am Weltmarkt. Verbraucher können steigende Gaspreise erwarten Zugleich unterstreicht er die Bedeutung der Flüssigerdgasterminals, die im Winter etwa zehn bis 15 Prozent des deutschen Gasverbrauchs abdecken könnten. Das führe nun auch dazu, dass die Gasversorgung nicht allein von den Speichern abhängt, sondern auch durch LNG-Importe gesichert werden könne . "Es gibt genug Gas auf den Weltmärkten, dort können wir immer einkaufen – auch wenn das durch den Iran-Krieg teurer geworden ist." Mittelfristig erwartet der Bundesnetzagentur-Chef allerdings steigende Preise für Privathaushalte und Industrie. "Wir sehen sehr viel Unsicherheit durch die Sperrung der Straße von Hormus. Das wiederum heißt: Gasverbraucher, Mieter sollten sich auf höhere Rechnungen einstellen. Das ist nicht zu vermeiden, wenngleich die Preise jetzt bei Weitem nicht so hoch sind wie 2022", sagt Müller. Es gebe aktuell leider kein Anzeichen dafür, dass sich die Lage auf dem Gasmarkt dauerhaft entspanne.