Die USA geraten im Umgang mit dem Iran zunehmend auch an ihre militärischen Grenzen. Die Schwächen der Armee könnten das Land künftig vor große Probleme stellen. Pete Hegseth hatte am Montag eine simple Botschaft mitgebracht. "Mein Job ist es, Ihnen zu dienen", sagte der US-Verteidigungsminister auf einer Militärbasis im Bundesstaat South Carolina zu den anwesenden Soldaten. Er werde jeden Tag und auf jede Art sicherstellen, dass die Soldaten alles zur Verfügung haben, um den Feind "zu besiegen und zu vernichten" und anschließend sicher in die USA zurückkehren zu können. Ein Schlüssel dafür liege in der Logistik des eigenen Militärs: Niemand sei besser als die USA darin, Soldaten, Munition oder andere Güter zu bewegen. "Niemand sonst kommt auch nur annähernd da heran", so Hegseth auf dem Truppenstützpunkt. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog US-Wirtschaft: So teuer ist Trumps Amerika Während Hegseth diese Worte spricht, befinden sich die USA allerdings weiterhin in einem Krieg, der kein Ende findet. Mit vier Wochen oder weniger hatte US-Präsident Donald Trump noch Anfang März kalkuliert. Mittlerweile macht Trump keine konkreteren Angaben mehr dazu. "Es wird sich regeln", sagte der Präsident am Wochenende dem Portal "Axios" zum aktuellen Verhandlungsstand mit dem Iran . Doch wie sich der Krieg im Iran regelt, scheint weiter völlig offen zu sein: Ein diplomatischer Durchbruch zeichnet sich weiterhin nicht ab. Und mit zunehmender Dauer wird deutlich, dass die USA offenbar auch dort verwundbar sind, wo sie ihre größte Stärke vermutet haben: beim eigenen Militär. Denn die aktuelle Kriegsführung hat offenbar dazu geführt, dass die Bestände an Raketen auf ein bedrohliches Maß geschrumpft sind – und sich auch dort keine schnelle Verbesserung abzeichnet. "Nahezu alle" Ende Juli, beim Kabinettstreffen der Regierung in Camp David, hatte Trump zunächst damit gedroht, den Iran "sehr hart" zu treffen. Dazu kam es dann allerdings nicht. Schon einen Tag später hatte der Präsident die große Angriffswelle abgesagt. Als Begründung schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social , dass mit dem Iran die "Grundzüge einer Einigung" beschlossen worden seien. Ein großer Fortschritt wurde seitdem allerdings nicht erzielt. Der Iran bestreitet gar, mit den USA direkt zu verhandeln. Und die Gründe für Trumps Kehrtwende scheinen offenbar auch in den Schwächen des eigenen Militärs zu liegen. Konkret heißt es von verschiedenen Seiten, dass es den Soldaten mittlerweile an vielen verschiedenen Typen von Raketen mangelt. Dabei geht es unter anderem um die Flugabwehrraketen vom Typ Patriot und Thaad. Die amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies schätzt, dass grob die Hälfte aller amerikanischen Thaad-Raketen abgefeuert wurden. Bei Patriots sollen schon etwa zwei Drittel aufgebraucht sein. Zudem seien auch die Bestände der Boden-Boden-Raketen vom Typ PrSM und Atacms "nahezu alle", hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der sich auf zwei namentlich nicht genannte Insider berief. Auch die Zahl der Tomahawk-Marschflugkörper sei zuletzt deutlich zurückgegangen. Trump und das Verteidigungsministerium hatten zuletzt jegliche Berichte über militärische Probleme dementiert. Allerdings scheint es in Hegseths Haus trotzdem Interesse daran zu geben, künftig schneller neue Munition zu erhalten. Anfang der Woche berichteten mehrere Medien über ein Papier des Pentagon, in dem die Rüstungsindustrie zur schnelleren Produktion von Munition aufgerufen wurde. Hegseths Stellvertreter Steve Feinberg rief in dem Schreiben die Industrie auf, innerhalb der kommenden drei Wochen Pläne vorzulegen, wie die Herstellung von Munition gesteigert werden könnte. "Jahrelange Entwicklungszyklen" seien dabei nicht akzeptabel. Ob der kurze Zeitrahmen mit den geringen Munitionsständen direkt zu tun hat, geht aus den Berichten nicht hervor. Allerdings soll auch der Unmut von Trump wegen des Munitionsmangels wachsen. Die "Washington Post" berichtete, dass der US-Präsident und Hegseth deswegen beim Kabinettstreffen in Camp David aneinandergeraten sein sollen. "Sagt nicht die Wahrheit" Laut dem Bericht soll Trump darüber geklagt haben, der Verteidigungsminister habe ihn wegen der Engpässe in die Irre geführt. Der Präsident sei zudem davon ausgegangen, dass der Minister die Probleme mit der Munition "gelöst" habe. Hegseth soll wiederum die Schuld für die Probleme seinem Stellvertreter Feinberg gegeben haben. Die Berichte wurden erneut vom Weißen Haus und vom Verteidigungsministerium dementiert. Der Vorwurf, Hegseth sage Trump im Kontext des Kriegs allerdings nicht immer die Wahrheit, ist dagegen nicht neu. "Pete sagt dem Präsidenten nicht die Wahrheit", sagte etwa ein namentlich nicht genannter Regierungsbeamter der "Washington Post" im April. Warnungen vor Munitionsmangel Hinzu kommt, dass der mutmaßliche Munitionsmangel innerhalb des Pentagon offenbar niemanden überrascht hat. Im Vorfeld des Kriegs soll der oberste Militär der USA, General Dan Caine, genau vor diesem Szenario gewarnt haben. Caine soll in internen Runden erklärt haben, dass ein längerer Krieg gegen den Iran angesichts der drohenden Mängel problematisch werden könnte. Mittlerweile soll Caine intern darauf dringen, dass die USA eine baldige Lösung in dem Konflikt benötigen. Laut dem Nachrichtensender CNN soll der General in einem Einzelgespräch Trump verdeutlicht haben, dass seine Ziele mit den US-Luftstreitkräften allein nicht erreichbar seien. "Die Luftmacht hat ihre Grenzen", sagte Caine Ende Juli auch bei einer öffentlichen Anhörung im Kongress. Umgekehrt bedeuten Caines Aussagen, dass die Ziele der US-Regierung wohl nur durch eine Ausweitung der Kämpfe realisierbar sind. Trump spricht etwa immer wieder davon, dass der Iran in Zukunft keine eigenen Nuklearwaffen besitzen darf. Auch die Öffnung der Straße von Hormus , die der Iran wegen des Kriegs geschlossen hatte, wird von Trump regelmäßig gefordert. Eine solche Ausweitung, trotz geringer Mengen an Raketen, könnte ein Einsatz von Bodentruppen sein. Dieser gilt laut Umfragen in der Bevölkerung nicht nur als äußerst unbeliebt. Er würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu deutlich mehr Todesopfern beim US-Militär führen, das bislang von 18 gefallenen Soldaten während des Kriegs spricht. Die komplizierte Lage könnte auch erklären, warum das Pentagon mittlerweile selbst immer ratloser wegen des Kriegs wirkt. Ende Juni berichtete der Nachrichtensender CNN über ein Dokument des Regionalkommandos Centcom: Darin werden Soldaten aufgerufen, kreative Lösungen im Krieg gegen den Iran zu finden. "Monate bis Jahre" Ob der Aufruf zu brauchbaren Vorschlägen geführt hat, ist bislang nicht bekannt. Klarer ist dagegen, dass der Munitionsmangel der USA nicht allzu schnell behoben sein wird. Das Center for Strategic and International Studies hatte im Mai vorgerechnet, wie lange die Produktion neuer Raketen dauern könnte. Konkret heißt es, dass es Jahre dauern könnte, bis die Bestände mehrerer Raketentypen wiederhergestellt sind. Das Arsenal an Flugabwehrraketen vom Typ Patriot könnte erst Mitte 2029 wieder auf dem Vorkriegsniveau sein, das der Thaad-Raketen erst Ende 2029. Noch länger soll die Produktion neuer Tomahawks dauern. Der Thinktank geht davon aus, dass die Bestände an Marschflugkörpern frühestens Ende 2030 wieder aufgefüllt sein könnten. Eine ähnlich konkrete Zeitangabe machte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bislang nicht. Allerdings sprach auch er Ende April vor dem Kongress davon, dass es "Monate bis Jahre" dauern würde, um bei der Munition wieder das Vorkriegsniveau zu erreichen.