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Gianni Infantino in der Kritik: Jordanin-Vorwürfe haben Vorgeschichte

Gianni Infantino bekommt öffentlichen Gegenwind aus Jordanien. Den Fifa-Präsidenten sollte der Absender der Kritik nicht überraschen. Die Kritik an Fifa-Chef Gianni Infantino wird lauter und lauter. Kam der Gegenwind für den Schweizer aber bisher vor allem aus Europa, meldete sich nun auch eine prominente Stimme aus Jordanien zu Wort. Der Chef des jordanischen Fußballverbandes, Prinz Ali bin al-Hussein, warf Infantino auf der Plattform X "Erpressung" vor. Hintergrund: Im Dezember 2025 fand in Katar der "Fifa Arab Cup" statt, ein Turnier für Nationalteams aus der arabischen Welt. Laut Prinz Ali bin al-Hussein fehlen bis heute die Prämienzahlungen für die jordanischen Nationalspieler, die daran teilgenommen hatten. Die Fifa habe monatelang ihre Hilfe verweigert. "Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze", schrieb er auf X und legte nach: "Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun." Eine Stellungnahme der Fifa gab es bisher noch nicht. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten oder andere Nationalverbände nachziehen, könnte sich Gianni Infantino nur schwer im Amt halten. Prinz Ali bin al-Hussein hätte da wohl nichts dagegen einzuwenden. Zwei Niederlagen hintereinander Der 50 Jahre alte Jordanier wollte selbst einst auf dem Thron der Fifa sitzen. 2015 trat er gegen Sepp Blatter an, rechnete sich gute Chancen aus. Denn zuvor war er vier Jahre Vizepräsident im mächtigen Exekutivkomitee der Fifa. Der Sohn des jordanischen Königs Hussein I. betonte, sich seine Kandidatur reiflich überlegt zu haben. Weil es unter Blatter mehrere Korruptionsaffären gab, sah Prinz Ali bin al-Hussein darin eine Chance. Er warb mit dem Kampf gegen Korruption und für Reformen im Fußball-Weltverband. Dennoch ging er als Verlierer aus dem Duell gegen Blatter. Er erhielt nur 73 Stimmen im ersten Wahlgang und verzichtete auf einen zweiten. Blatter gewann die Wahl, trat wenige Tage später aber aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurück. Anfang 2016 sollte die nächste Wahl stattfinden. Prinz Ali bin al-Hussein trat erneut an. Sein stärkster Gegner diesmal: Gianni Infantino. Der damalige Uefa-Generalsekretär Infantino warb mit mehr Geld, mehr Sichtbarkeit, mehr Entwicklung und einem neuen Image. Prinz Ali bin al-Hussein dagegen warb mit Transparenz und Reformen, aber weniger mit steigenden Einnahmen und internationaler Entwicklung. Bei der Wahl erhielt der Jordanier lediglich 27 Stimmen, Infantino 88 und der bahrainische Scheich Salman 85. Einzig Kandidat Jérôme Champagne (7 Stimmen) ließ er hinter sich. Im zweiten Wahlgang gewann Infantino dann, Prinz Ali bin al-Hussein war außen vor. Ein schwerer Schlag für den heute 50-Jährigen. Auch, weil Infantinos Politik für das stand, was der Prinz für das Amt als falsch empfunden hatte. Millionen-Versprechen : WM-Gastgeberstädte warten offenbar auf Fifa-Zahlungen Infantino : Erster DFB-Profi bezieht Stellung Ein Jahr nach der Wahl folgte die nächste Enttäuschung. Infantino trieb die Internationalisierung der Fifa voran, gründete neun Regionalbüros auf der ganzen Welt. Für den arabischen Raum entschied er sich gegen Jordanien – und für die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Verhältnis zwischen den einstigen Kontrahenten um das Präsidentenamt galt fortan als kühl. Während Infantino öffentlichkeitswirksam regelmäßig Vertreter aus Saudi-Arabien oder Bahrain traf, gibt es zu Treffen mit dem jordanischen Fußballchef weniger öffentliche Informationen. Lediglich gemeinsame Fotos auf der Tribüne des "Fifa Arab Cups" im Jahr 2021. Im Rahmen der WM 2026 kam es dann zu einem Besuch Infantinos im jordanischen Trainingscamp in Dallas. Womöglich der Zeitpunkt, auf den sich Prinz Ali bin al-Hussein in seinem Post am gestrigen Dienstag berief. Spätestens danach war das Verhältnis der beiden endgültig zerrüttet. Zu kitten ist es wohl nicht mehr.

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