Der US-Präsident pendelt im Umgang mit dem Iran weiter zwischen Diplomatie und Drohungen mit neuen Militärschlägen. Der Druck, den Krieg bald zu beenden, wächst allerdings weiter. David Schafbuch berichtet aus New York Donald Trump hatte am Montag viel Mitteilungsbedürfnis. Auf seiner Plattform Truth Social postete der Präsident den ganzen Tag lang eine selbst für seine Verhältnisse große Menge neuer Nachrichten. Mal ging es um den neuen Ballsaal, den er gerade am Weißen Haus anbauen will. Mal darum, dass seine "echten" Umfragewerte entgegen den Medienberichten besser als je zuvor seien. Ein Meinungsartikel der "Washington Post", der Trumps 20 größte Erfolge des vergangenen Jahres auflistete, gefiel dem Präsidenten so gut, dass er jeden Punkt der Liste einzeln veröffentlichte. Zum Krieg gegen den Iran hielt sich Trump dagegen eher zurück. Auf Truth Social postete der Präsident einen Artikel des Rechtsaußenportals "Breitbart" vom Samstag, in dem es heißt, dass ein Abkommen unmittelbar bevorstehe. Auf seiner Reise am Abend nach Los Angeles beantwortete Trump auch keine Fragen von Journalisten, weder vor dem Abflug noch im Gang der Air Force One. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Selenskyj und der US-Präsident: Warum Trump wieder eine Kehrtwende macht Dilemma im Iran-Krieg: Trump wechselt immer wieder die Tonart Trump wechselte wie so häufig in den vergangenen Tagen immer wieder seine Tonart: Auf Drohungen mit weiteren Eskalationen folgten Töne der Entspannung und der Hoffnung, dass ein Frieden in greifbarer Nähe sei. Für den Präsidenten scheinen seine wechselnden Aussagen aktuell die einzige Möglichkeit zu sein, die Folgen des Krieges halbwegs zu kontrollieren: Denn in diesen Tagen zeigt sich, dass Trump gegen den Iran in einer Sackgasse stecken könnte. Während die diplomatischen Bemühungen bislang nicht zu einer dauerhaften Verbesserung der Lage in der Straße von Hormus geführt haben, scheinen die USA jetzt auch noch militärisch an ihre Grenzen zu gelangen. Vor dem vergangenen Wochenende hatten mehrere US-Medien zunächst berichtet, dass eine weitere große Angriffswelle auf den Iran unmittelbar bevorstehe. Der Präsident sagte am Freitag bei der Kabinettssitzung in Camp David, dass die USA das Land "sehr hart" angreifen würden. Das iranische Regime drohte umgekehrt mit Gegenangriffen. Irans Regime dementiert Trumps Aussagen über Einigung Doch zu einer weiteren militärischen Auseinandersetzung kam es nicht. Am späten Samstagabend (Ortszeit) schrieb Trump auf Truth Social, dass ein weiterer Großangriff abgesagt sei, "da die Grundzüge einer Vereinbarung" geschlossen worden seien. Diese würde eine Öffnung der Straße von Hormus und ein "Ende der nuklearen Drohung" durch den Iran bedeuten. Vorausgegangen war offenbar ein Telefonat zwischen Trump und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Der faktische Machthaber des Golfstaates soll darin den US-Präsidenten zur Deeskalation und einer Verhandlungslösung aufgerufen haben. Trotzdem blieben die iranischen Streitkräfte zunächst in hoher Alarmbereitschaft. Das Regime dementierte auch Trumps Aussagen über eine mögliche Einigung. Am Montag erhöhte der amerikanische Präsident dann wieder den Druck auf Teheran. "Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben", sagte der Präsident im Weißen Haus. Raketen gehen im Iran-Krieg zur Neige Am Dienstag gab es dann wieder Signale für eine mögliche Entspannung. Das katarische Außenministerium meldete fortgeschrittene Gespräche. Ähnlich äußerte sich auch US-Finanzminister Scott Bessent. Der Minister stellte eine Einigung für Dienstag oder Mittwoch in Aussicht. Warum die US-Regierung jetzt erneut auf eine diplomatische Lösung drängt, dürfte mittlerweile auch militärische Gründe haben. In den vergangenen Tagen gab es vermehrt Berichte über Probleme der US-Streitkräfte. Allen voran soll der Vorrat an verschiedenen Raketen mittlerweile deutlich gesunken sein. Der Thinktank Center for Strategic and International Studies schrieb etwa in der vergangenen Woche, dass die Bestände bei verschiedenen Waffen deutlich zurückgegangen seien. Dazu gehören unter anderem Flugabwehrraketen des Typs Patriot oder Tomahawk-Marschflugkörper. Die Munition würde zwar für weitere Angriffe auf den Iran ausreichen, heißt es in dem Bericht. Allerdings wären dann die Vorräte bald vollkommen aufgebraucht. Dies wäre militärisch unklug, weil die Munition auch bei denkbaren weiteren Konflikten gebraucht würde. Der Bericht nennt dabei etwa militärische Auseinandersetzungen mit China , Russland oder Nordkorea . Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete zudem am Dienstag, dass auch die Bestände der Boden-Boden-Raketen vom Typ ATACMS und PrSM stark zurückgegangen seien. Die USA hätten "nahezu alle" davon eingesetzt, heißt es unter Berufung auf Insider. Der Nachrichtensender CNN berichtete weiter, dass auch fast 80 Prozent der THAAD-Raketen, die zur Abwehr von Mittel- und Kurzstreckenraketen nötig sind, verschossen wurden. "Verfügt über alles, was es braucht" Trump hatte die Engpässe in den vergangenen Tagen dementiert. Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth teilte auf der Plattform X mit, der Bericht von CNN entspreche nicht der Wahrheit. Pentagon-Sprecher Sean Parnell teilte mit: "Das amerikanische Militär ist das mächtigste der Welt und verfügt über alles, was es braucht, um zu einem vom Präsidenten gewählten Zeitpunkt und Ort zu handeln." Allerdings dürften allein die Meldungen zu den Engpässen die Verhandlungsposition der US-Regierung nicht verbessern. Gleichzeitig setzt die Fortsetzung des Konflikts Trump auch innenpolitisch weiter unter Druck. Der Krieg ist innerhalb der amerikanischen Bevölkerung unbeliebt: Laut einer Umfrage der Quinnipiac University sind 60 Prozent aller Amerikaner gegen den Krieg. Das ist der höchste Wert, den die Universität seit Beginn der Kämpfe im Februar gemessen hat. Noch weniger Rückhalt hätte eine Ausweitung der Kämpfe durch Bodentruppen: Das lehnen laut der Umfrage 74 Prozent der US-Bürger ab. Energiepreise weiter hoch Die Gründe, warum der Krieg keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat, dürften auch in den hohen Preisen für Öl und Benzin in den USA liegen. Zwar fielen die Preise unmittelbar, nachdem Trump von einem Abkommen gesprochen hatte – eine entsprechende Entwicklung war bereits in den vergangenen Monaten immer wieder zu sehen. Allerdings stiegen die Preise über einen längeren Zeitraum dennoch deutlich: Der Preis für Öl der Nordseesorte Brent ist etwa im Vergleich zum Vormonat um zehn Prozent gestiegen. Im Jahresvergleich ist der Preis pro Barrel zurzeit um fast 20 Prozent höher. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung beim Benzinpreis und beim Heizöl: Die Spritpreise pro Gallone (etwa 3,8 Liter) sind in diesem Jahr um fast 40 Prozent gestiegen, bei Heizöl stieg der Preis um fast 70 Prozent pro Gallone an. Zwischenwahlen rücken näher Die genannten Werte könnten bei den kommenden Zwischenwahlen im November für Trump auch politisch zum Problem werden. Der Präsident hatte noch im Wahlkampf versprochen, die USA nicht in Kriege zu führen und für eine bessere Wirtschaft und niedrige Lebenshaltungskosten zu sorgen. Trumps Republikaner, die in den kommenden Wochen und Monaten um ihre Plätze im Repräsentantenhaus und im Senat kämpfen, müssen im Wahlkampf jetzt die Linie ihres Präsidenten verteidigen. Gleichzeitig hatten sie dabei kein Mitspracherecht. Trump hatte im Februar die Angriffe begonnen und den Kongress dabei nicht einbezogen. Sein kurzzeitiges Schweigen zum Krieg Anfang der Woche und vor allem zu den wirtschaftlichen Folgen wird Trump wohl nicht durchhalten können. Am heutigen Mittwoch wird der Präsident in Las Vegas eine Rede halten. Ein Schwerpunkt soll dabei auch seine Wirtschaftspolitik sein.