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Gianni Infantino und die WM: Offenbar ist es ihm egal, aber wie lange noch?

Gianni Infantino plant den Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren. In Europa ist der Ärger groß. Doch darüber hinaus hält er sich in Grenzen. Die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ist vorbei, Fifa-Chef Gianni Infantino bleibt aber in den Schlagzeilen. Grund dafür ist ein Plan des Schweizers, den die "Times", der "Telegraph" und die "Financial Times" enthüllten, nämlich: Anteile an der WM zu verkaufen. Die Fifa will eine Tochtergesellschaft namens "Fifa Forward Enterprise" (FFE) gründen, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Private Investoren sollen sich dann an der FFE beteiligen dürfen. Rund 20 Prozent der Anteile sollten verkauft werden, was im ersten Jahr rund 4,2 Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro) einbringen soll. Und Infantino könnte nach seinem Ausscheiden als Fifa-Chef den FFE-Vorsitz übernehmen. Das allein hätte in Teilen der Fußball-Öffentlichkeit wohl schon genug Ärger mit sich gebracht. Weil aber ebenjene Investoren von Thrive Capital angeführt werden, an deren Spitze der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn steht, war der Gegenwind noch einmal stärker – zumindest in Europa. Schließlich waren die engen Verbindungen zwischen Infantino und Trump vielen Beobachtern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Das gipfelte zunächst in der zurückgenommenen Roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun nach einem Anruf Trumps bei Infantino während der WM. Gegenwind für Infantino: "Hier wird eine Grenze überschritten" Mit den neu enthüllten Plänen aber entlud sich noch mehr Ärger. Spaniens Ligachef Javier Tebas bezeichnete Gianni Infantino als "das Problem" der Fifa. "Wir tauchen immer tiefer in den Eisberg ein, und es bleibt abzuwarten, was noch an die Oberfläche kommen wird", schrieb er auf X. Die Uefa reagierte mit einer deutlichen Stellungnahme: "Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten." Weiter hieß es: "Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert." Der DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke sagte dem "Kicker": "Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich. Hier wird eine Grenze überschritten." Mit Gegenwind aus Europa kennt sich Gianni Infantino aus. Die Uefa und einzelne Länder sind schon seit einigen Jahren scharfe Kritiker des 56-Jährigen. Sei es bei der WM in Katar, der reformierten Klub-WM, der Ausweitung der Weltmeisterschaft auf 48 Teams oder den völlig aus den Fugen geratenen Ticketpreisen in den USA. Infantino aber konnte diese Kritik aus Europa stets egal sein. Denn er hatte die Rückendeckung aus den anderen Teilen der Welt. Die XXL-WM beispielsweise kam in nahezu allen anderen Kontinentalverbänden gut an, schließlich ermöglichte sie mehr Ländern die Teilnahme und brachte mehr Geld ein. Und die teuren WM-Tickets halfen dabei, dass die Fifa die selbst gesteckten Einnahmeziele von 13 Milliarden US-Dollar am Ende nach eigenen Angaben um mehr als zwei Milliarden übertraf. Auch bei den jüngst veröffentlichten Plänen gab es zunächst kaum Gegenwind außerhalb Europas. Schließlich würde der Verkauf der Anteile jedem einzelnen Mitgliedsverband auf der Welt rund 20 Millionen US-Dollar (17,55 Millionen Euro) einbringen. Eine Summe, die selbst für den DFB interessant ist, für kleinere Verbände lebensverändernd. Im kommenden Jahr stehen Fifa-Präsidentschaftswahlen an und jeder Landesverband hat eine Stimme. Deutschlands Stimme ist genauso viel wert wie die von einem kleineren Land wie den Fidschi-Inseln. Auch deshalb war Infantinos Fokus selten auf Europa ausgerichtet. Seine Macht sichern ihm andere. Nicht nur die Uefa meldet sich zu Wort In diesen Tagen regt sich aber doch noch ein anderer Widerstand. Womöglich einer, mit dem Infantino in der Menge nicht gerechnet hatte. Denn die Uefa denkt über einen Boykott der Fifa-Wettbewerbe nach. Angesichts dessen, dass die europäischen Teams rein sportlich die wichtigsten sind, würde ein tatsächlicher Boykott die WM entwerten – sechs der acht WM-Viertelfinalisten waren Europäer. Zudem meldete sich am Dienstag auch der Kontinentalverband aus Nord- und Mittelamerika, die Concacaf, zu Wort und äußerte Kritik an der Fifa. Die Kritik aber hatte weniger inhaltliche Gründe, sondern bezog sich viel stärker auf den intransparenten Prozess: "Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens." Dass man über Medien und nicht von der Fifa informiert worden sei, war den Vertretern der Concacaf sauer aufgestoßen. Des Weiteren hieß es: "Als Führungskräfte im Fußball sind wir die Hüter des Sports. Gemeinsam tragen die Fifa, die Konföderationen und jeder Mitgliedsverband die Verantwortung, stets im besten Interesse des Sports zu handeln." Dass es jetzt auch Gegenwind von außerhalb Europas für Infantino gibt, verschärft die Lage für den Fifa-Präsidenten dann doch. Es bleibt abzuwarten, wie er reagiert und ob es bei der Uefa nur bei Worten bleibt – oder ob auch Taten folgen.

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