Der Fall Spahn hat eine neue Debatte über die Leihmutterschaft ausgelöst. Muss das Verbot erneut auf den Prüfstand? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Muss das Verbot der Leihmutterschaft nach der Affäre um den CDU-Politiker Jens Spahn erneut auf die politische Tagesordnung? Die Verfassungsrechtlerin und ehemalige Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht , Frauke Brosius-Gersdorf , hat am Montag für eine Legalisierung von Leihmutterschaften in Deutschland plädiert und damit zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Die SPD-Fraktion im Bundestag verweist auf Nachfrage darauf, dass man noch auf dem Weg zu einer geeinten Position sei. So sagte etwa die Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, Carmen Wegge, sie befürworte die Einführung einer altruistischen Leihmutterschaft in engen Grenzen. "Die Leihmutter erhält also keine Bezahlung für die Schwangerschaft selbst, sondern lediglich die Erstattung ihrer tatsächlichen Kosten, etwa für medizinische Versorgung." "Diese soziale Schieflage halte ich für hochproblematisch" Sie verweist darauf, dass aktuell viele Paare mit Kinderwunsch auf das Ausland ausweichen – allerdings nur die, die es sich leisten können. Und gerade im Ausland fänden Leihmutterschaften in einer Umwelt statt, die Frauen oft nur unzureichend vor Ausbeutung schütze. "Diese soziale Schieflage halte ich für hochproblematisch", so Wegge. Die Gegenposition in der Partei nimmt die Bundestagsabgeordnete und frauen- und familienpolitische Sprecherin Jasmina Hostert ein. "Leihmutterschaft wirft sehr viele ethische Fragen auf", teilte sie mit. "Ich persönlich sehe momentan keine befriedigende Lösung, die diese komplexen ethischen und sozialen Fragen gut auflöst." Auch Hostert verweist auf die Schieflage, dass Paare, die es sich leisten können, Leihmütter im Ausland beauftragten, diese dann oft aber nur unzureichend geschützt seien. Prien schließt Kurskorrektur der CDU aus Die CDU hingegen ist in ihrer Position klar: Auf die Frage, ob sich die Position der CDU in naher Zukunft ändern könnte, verwies Prien im Gespräch mit dem Portal "Politico" auf den verschärften Parteitagsbeschluss vom Februar. Demnach sei nicht nur die gewerbliche, sondern auch die sogenannte altruistische Leihmutterschaft ohne Bezahlung mit dem Werteverständnis der CDU unvereinbar. Eine Kurskorrektur sieht Prien nicht kommen: "Das kann ich mir kaum vorstellen." Befragt dazu, was ihr beim Thema Leihmutterschaft durch den Kopf gehe, erklärte Prien: "Das muss unendlich schwer sein. Ich kann mir das persönlich ehrlicherweise nicht vorstellen." Denn man baue gerade in den neun Monaten einer Schwangerschaft eine starke Bindung zu dem Kind auf. Auf der anderen Seite sehe sie natürlich auch das Dilemma von Paaren, die – egal ob homo- oder heterosexuell – keine eigenen Kinder austragen könnten, sagte Prien. "Das ist ein ganz furchtbares Schicksal, mit dem man sich abfinden können muss", sagte sie. Dass das schwerfalle und individuelle Entscheidungen mit Blick auf Möglichkeiten im Ausland vielleicht anders ausfallen könnten, könne sie zumindest nachvollziehen. Grüne sehen erneute inhaltliche Befassung für geboten Die Grünen zeigen sich hingegen offen für eine Debatte. Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeige, "dass es geboten ist, sich erneut inhaltlich mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin zu befassen." Der CDU-Politiker Jens Spahn hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass sein Sohn in den USA durch eine Leihmutter geboren worden ist. Vor allem innerhalb seiner Partei wurde das scharf kritisiert, sodass Spahn am Samstag von seinem Amt als Fraktionsvorsitzender zurückgetreten ist.