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"Tatort" in Kritik: Polizei verleiht gratis Streifenwagen

Der "Tatort" gilt als Vorzeigekrimireihe der ARD. Doch für die Dreharbeiten werden teilweise Autos bei der Polizei geliehen – auf Kosten anderer. Für "Tatort"-Drehs stellen Polizeibehörden in nachweislich zwei Bundesländern laut "Bild" echte Streifenwagen ohne Leihgebühr bereit. Ein privater Anbieter, der solche Fahrzeuge normalerweise vermietet, sieht dadurch Aufträge wegbrechen. Die Polizei Saarbrücken stattete seit 2020 sieben im Saarland produzierte Folgen mit aus. Jörg Hektor, Sprecher des saarländischen Innenministeriums, konkretisierte auf Anfrage von "Bild", man habe die Produktion "an insgesamt 47 Drehtagen mit insgesamt 70 Streifenwagen sowie zehn Fahrzeugen der Spurensicherung" unterstützt, "unentgeltlich", wie er sagte. Vorab sei jeweils geprüft worden, ob die Einsatzfähigkeit der Polizei gewahrt bleibe. Als Grund für die Zusammenarbeit nennt Hektor eine "möglichst realitätsnahe Darstellung polizeilicher Arbeit". Bremer Polizei arbeitet seit Jahrzehnten mit "Tatort" zusammen Auch für die Dreharbeiten einer neuen "Tatort"-Episode aus Bremen stellte die Polizei Fahrzeuge ohne Gebühr bereit. Für die Folge "Deadline" verlieh die Polizei an vier von 22 Drehtagen bis zu fünf Fahrzeuge, bestätigte eine Polizeisprecherin "Bild". Zudem ließ sie verlauten, dass die Kooperation zwischen der Bremer Polizei und der Krimireihe seit Ende der Neunzigerjahre bestehe. Für Jörg Gennun hat das nach eigenen Angaben direkte Folgen. Der ehemalige Polizist vermietet mit seiner Firma Teamwork-Filmservice GmbH seit mehr als 20 Jahren Filmpolizeifahrzeuge und weitere Requisiten an TV-Produktionen, ein Teil der "Tatort"-Aufträge sei jedoch weggefallen, weil Behörden echte Streifenwagen kostenlos ans Set brächten. "Mir sind durch die verlorenen 'Tatort'-Aufträge etwa 30 Prozent meines Umsatzes weggebrochen", sagte Gennun. "Diese Einnahmen nimmt mir die Polizei weg" Für einen Polizeiwagen aus seinem Bestand berechnet er 250 Euro pro Tag. "Diese Einnahmen nimmt mir die Polizei weg, wenn sie kostenfrei verleiht", so Gennun. "Es vernichtet Arbeitsplätze." Die Situation habe sich bei ihm so zugespitzt, dass er Beschäftigte in Kurzarbeit schicken musste. Auch sagte Gennun: "Außerdem schadet sie dem Steuerzahler." Dass es auch anders laufen kann, zeigt Hamburg : Dort müssen Produktionen für Dienstfahrzeuge der Polizei zahlen. Nach Angaben der Polizei werden derzeit pro Tag 144 Euro fällig; hinzu kommen 35,50 Euro je Stunde für Begleitpersonal, das verpflichtend gebucht werden müsse.

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