Statistik des Ministeriums: An Hitzewochenende fast 5.000 Rettungswagen-Fahrten mehr
Fast 5.000 zusätzliche Rettungswagen-Einsätze an einem heißen Juni-Wochenende – der Bericht des Gesundheitsministeriums zeigt, wie stark der Extremtag die Dienste forderte.
Am besonders heißen Samstag vor zwei Wochen wurden landesweit fast 5.000 Rettungswagen-Einsätze mehr gefahren als an einem normalen Samstag. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Gesundheitsministeriums an den Landtag hervor. Demnach hatte sich die Zahl der Rettungswagen-Einsätze im Regierungsbezirk Köln am 27. Juni sogar mehr als verdoppelt.
„Über die Regierungsbezirke hinweg war ein prozentuales Mehraufkommen an den Hitzetagen im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt bei Rettungswageneinsätzen (RTW) zwischen 24 Prozent im Regierungsbezirk Detmold und 107 Prozent im Regierungsbezirk Köln zu verzeichnen“, heißt es in dem Bericht des Ministeriums an den Gesundheitsausschuss des Landtags.
Bei den Notarzteinsatzfahrzeugen lag der Anstieg laut dem Papier zwischen 13 Prozent im Regierungsbezirk Detmold und 109 Prozent im Regierungsbezirk Düsseldorf.
Das Ministerium hatte sich die Zahlen für das Wochenende vom 26. bis zum 28. Juni schicken lassen, als der Deutsche Wetterdienst in NRW Temperaturen von bis zu 40,2 Grad gemessen hatte. Als Vergleich wurden die durchschnittlichen Einsatzzahlen der Wochenenden 2025 daneben gelegt.
Sondersitzung im Landtag
Am kommenden Montag wird es im Landtag eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses zu den Folgen der Hitzewelle geben. Die SPD-Fraktion hatte die Sitzung mit Bezug auf Todesfälle in einem Krankenhaus und mutmaßliche Versorgungsengpässe beantragt.
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind bis Ende Juni dieses Jahres bereits 1.230 Menschen in Nordrhein-Westfalen an Hitze gestorben. Demnach gab es in diesem Zeitraum bereits mehr hitzebedingte Todesfälle als im gesamten vergangenen Jahr, wie das RKI am Donnerstag mitgeteilt hatte. Für 2025 schätzte das RKI die Zahl für NRW auf insgesamt 310 Hitzetote.
Mehr Maßnahmen zum Hitzeschutz
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält angesichts der Extremhitze zusätzliche Maßnahmen zum besseren Schutz der Bevölkerung für notwendig. Die Gesellschaft und das Gesundheitssystem müssten sich auf extreme Hitzeperioden einstellen, erklärte Laumann laut Mitteilung nach einem Treffen mit Vertretern von Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Pflege.
Handlungsbedarf sahen sie etwa bei einer besseren Sensibilisierung der Bevölkerung und der Einrichtungen des Gesundheitswesens. Erwogen werde auch die Einrichtung eines flächendeckenden Warnsystems im Gesundheitswesen, die Berücksichtigung von Hitzewellen bei der Alarmplanung aller Krankenhäuser und eine breitere Nutzung von kühlen Orten.
Krankenhäuser am Limit
Nach Worten von Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW, hat das historische Ausmaß der jüngsten Hitzewelle gezeigt, „dass nicht nur die Krankenhäuser, sondern weite Teile der öffentlichen Infrastruktur an ihre Belastungsgrenzen stoßen“. Es sei deutlich geworden, dass es bei den Krankenhäusern einen erheblichen Investitionsbedarf gebe.
Vertreter der Ärztekammern schlugen den Ausbau von Angeboten kühler Räume wie Kirchen, Bibliotheken oder anderer öffentlicher Gebäude vor. Diese müssen der Bevölkerung bekannt sein - analog dem Vorgehen bei anhaltender Kälte im Winter. Auch ein verbindliches Warnsystem für Kliniken, Rettungs- und ärztliche Bereitschaftsdienste sowie den Gesundheitseinrichtungen wurde erwogen, damit benötigte Kapazitäten rechtzeitig freigehalten werden könnten.