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Risikostreuung: Warum viele Aktien für echte Diversifikation nicht reichen

Wer sein Geld auf mehrere Aktien verteilt, senkt das Risiko – so weit die Theorie. Doch wie viele Titel braucht es wirklich, bis die Streuung ihren Namen verdient? Wer ausschließlich auf Tech-Giganten wie Microsoft oder Amazon setzt, fährt kein ausgewogenes Investment, sondern eine riskante Wette. Selbst das Hinzufügen von Schwergewichten wie Apple oder Meta (Facebook) ändert daran wenig. Da diese Unternehmen derselben Branche angehören, entwickeln sich ihre Kurse häufig ähnlich. Viele Anleger gehen deshalb davon aus, dass zehn, zwanzig oder fünfzig verschiedene Aktien bereits ausreichend Sicherheit schaffen. Doch stimmt das wirklich? Ab wie vielen Einzelwerten ist ein Depot tatsächlich breit genug gestreut, damit Probleme einzelner Unternehmen kaum noch ins Gewicht fallen? Warum viele Aktien keine echte Risikostreuung bedeuten Um herauszufinden, wie viele Einzelaktien das Risiko eines Depots deutlich senken, hat Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter HQ Trust, nachgerechnet. Für seine Untersuchung analysierte er den Anteil des sogenannten unsystematischen Risikos. Mit einem einfachen Trick: So erzielen Anleger die beste Rendite Krisen, Kriege, Unsicherheit: Haben geopolitische Krisen wirklich kurze Beine? Gemeint ist damit das Risiko, dass einzelne Unternehmen oder ganze Branchen in Schwierigkeiten geraten – etwa durch Skandale, Managementfehler oder eine schwächere Nachfrage. Wer sein Geld nur in wenige Aktien investiert, bekommt solche Rückschläge besonders stark zu spüren. Verteilt sich das Vermögen dagegen auf viele Unternehmen und Branchen, fallen Probleme einzelner Firmen deutlich weniger ins Gewicht. Als Vergleichsmaßstab nutzte Kielkopf den MSCI ACWI (All Country World Index), einen weltweiten Aktienindex mit mehr als 2.500 Unternehmen. Für seine Analyse wertete er die Kursdaten der vergangenen zehn Jahre aus. Dabei untersuchte er, wie stark Anleger dem Risiko einzelner Unternehmen ausgesetzt gewesen wären, wenn sie nicht breit gestreut in den gesamten Index, sondern nur in die größten fünf, zehn, fünfzig oder zweihundert Aktien investiert hätten. Erst ab 90 Aktien wird das Risiko überschaubar Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Wer nur auf die größte Aktie im MSCI ACWI setzt, geht ein stark konzentriertes Risiko ein. Rund zwei Drittel der Kursschwankungen des Depots wären dann nicht auf den Gesamtmarkt zurückzuführen, sondern auf dieses einzelne Unternehmen. Auch bei den zehn größten Aktien bleibt das Depot stark von einzelnen Konzernen abhängig. Der Anteil der Schwankungen, der auf einzelne Unternehmen zurückgeht, sinkt auf rund 35 Prozent. Anders gesagt: Mehr als ein Drittel der Bewegungen im Depot hätte weiterhin nichts mit dem breiten Aktienmarkt zu tun, sondern mit den Besonderheiten weniger großer Firmen. Von echter Diversifikation kann daher noch keine Rede sein. Kielkopf erhöhte anschließend die Zahl der Aktien schrittweise bis auf 300. So wollte er herausfinden, ab wann das Risiko einzelner Unternehmen auf ein vertretbares Maß sinkt. Laut Untersuchung wird der häufig verwendete akademische Schwellenwert von 10 Prozent erst erreicht, wenn die 90 größten Aktien im Portfolio enthalten sind. Erst ab dieser Größenordnung kann Kielkopf zufolge von wirksamer Diversifikation gesprochen werden. "Bei knapp 200 Titeln fällt das unsystematische Risiko unter 5 Prozent", erklärt der Experte weiter. Viele professionelle Investoren betrachten diese Marke als Voraussetzung für ein Portfolio mit wirklich breiter Marktabdeckung. Selbst bei 300 Aktien bleibt noch ein kleiner Rest an unternehmensspezifischem Risiko von rund 3 Prozent. Das Niveau einer nahezu vollständigen Nachbildung des Gesamtmarktes wird erst unterhalb von 2 Prozent erreicht. Dafür wäre jedoch eine so große Zahl an Einzelaktien nötig, dass dies für Privatanleger kaum noch praktikabel wäre. Was Anleger aus der Untersuchung lernen können Die Untersuchung bestätigt damit eine der wichtigsten Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung: Wer sein Geld breit streut, kann Risiken reduzieren, ohne dafür auf die Renditechancen des Aktienmarktes verzichten zu müssen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass viele Titel allein noch kein gut diversifiziertes Depot ergeben. Wer beispielsweise 200 Technologieaktien oder ausschließlich deutsche Unternehmen kauft, besitzt zwar viele Einzelwerte, streut sein Risiko aber nur begrenzt. Wer das Risiko einzelner Unternehmen "möglichst ausschalten" und die "Rendite des globalen Aktienmarktes vereinnahmen möchte", benötigt laut Kielkopf deutlich mehr Aktien, als viele Anleger vermuten. Manche Anleger konzentrieren sich bewusst auf wenige Unternehmen oder bestimmte Branchen, da sie sich davon höhere Gewinne erhoffen. Das könne aufgehen, berge aber auch ein größeres Risiko, warnt der Finanzexperte. Gerät eines der ausgewählten Unternehmen in Schwierigkeiten, kann sich das spürbar auf das gesamte Depot auswirken.

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