Nach dem Abstieg der Fortuna in die 3. Liga meldet sich Düsseldorfs Stadtdirektor mit einem offenen Brief zu Wort. Er fordert eine Debatte über Struktur, Geld und Kontrolle. Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor und Sportdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf, hat nach dem Abstieg von Fortuna Düsseldorf in die 3. Liga einen offenen Brief veröffentlicht. Darin stellt er grundlegende Fragen zur Vereinsstruktur und wirtschaftlichen Ausrichtung des Klubs. Das Schreiben ist auf dem Portal "d-sports.de" erschienen. Hintzsche beschreibt den Abstieg als mehr als eine sportliche Niederlage. Besonders die Fans täten ihm leid, die Woche für Woche Zeit, Leidenschaft und Geld investierten. Auch an die Mitarbeiter der Geschäftsstelle denke er, denn mit dem sportlichen Absturz kämen nun wirtschaftliche Sorgen: Umsatzeinbrüche, Sparmaßnahmen und Unsicherheit über die berufliche Zukunft. Wegen Vertragsklausel: Bericht: Ex-Trainer verklagt Fortuna Düsseldorf "Tschüsseldorf" – So reagieren die Fans im Netz auf den Fortuna-Abstieg Nach Fortuna-Abstieg: Stadt und OB zeigen sich solidarisch – und ernten Kritik Ausdrücklich wolle er mit dem Brief keine Schuldigen benennen. Ihn beschäftige vielmehr die Frage, wie es so weit habe kommen können und warum anderen Vereinen gelinge, was in Düsseldorf misslingt. Als Beispiele nennt er Elversberg, das in die Bundesliga aufsteige, sowie Paderborn, das trotz kleinerer Strukturen in der Relegation stehe. Auch Augsburg, Mainz, Hoffenheim und Heidenheim hätten sich in der Bundesliga etabliert. Hintzsche thematisiert zudem die Rechtsform des Vereins. Fortuna sei bis heute als eingetragener Verein organisiert, was im modernen Profifußball zunehmend die Ausnahme sei. Viele Konkurrenten hätten ihre Profiabteilungen in Kapitalgesellschaften ausgegliedert, was klarere Entscheidungsprozesse und Investorenmöglichkeiten erleichtere. Zwar gebe es erfolgreiche Beispiele als eingetragener Verein, etwa Mainz, Freiburg oder Union Berlin. "Deshalb muss erlaubt sein, offen darüber zu diskutieren, ob die aktuelle Struktur der Fortuna noch zeitgemäß ist – oder ob auch hier ein Umdenken notwendig wäre", so Hintzsche. Fortuna sei mit einem der größten Etats der 2. Bundesliga in die Saison gestartet. Stattdessen stehe am Ende der Abstieg, verbunden damit, dass ein Großteil des Kaders keinen Vertrag für die 3. Liga besitze. Über Jahre aufgebaute sportliche Werte in Millionenhöhe würden sich so innerhalb kürzester Zeit auflösen. Hintzsche fragt, warum Kontrollmechanismen in diesem Fall offenbar nicht funktioniert hätten. Hintzsche möchte mit Brief Diskussion anstoßen Zusätzlich verweist er auf Strafzahlungen wegen Pyrotechnik-Vergehen, die sich in dieser Saison auf rund 300.000 Euro belaufen haben sollen. Auch das Projekt "Fortuna für alle" müsse auf den Prüfstand gestellt werden dürfen. Die Idee, Freispiele für das gesamte Stadion anzubieten und sozial schwächeren Menschen den Zugang zu erleichtern, habe weltweit Aufmerksamkeit erzeugt. In diesem Zusammenhang fragt Hintzsche, ob die erwartete Zahl an Sponsoren erreicht worden sei und ob die Freispiele wirtschaftlich ein Zuschussgeschäft oder ein Erfolgsmodell gewesen seien. "Ich selbst nehme nicht für mich in Anspruch, den einen richtigen Weg zu kennen. Aber ich möchte mit diesem offenen Brief eine notwendige Diskussion anstoßen", betont Hintzsche abschließend. Denn Fortuna Düsseldorf sei weit mehr als ein Fußballverein. "Die Fortuna ist ein wichtiger Teil dieser Stadt – emotional, gesellschaftlich und ja, auch identitätsstiftend." Er wünsche sich, "endlich wieder eine Fortuna, die ihrem Anspruch, ihrer Tradition und ihrem Potenzial gerecht wird". Aus diesem Grund wolle er wissen, welche Veränderungen es brauche, um dies zu erreichen und Fortuna wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Fortuna stimmt Hintzsche in vielen Dingen zu Laut dem "WDR" hat Fortuna Düsseldorfs Vereinsvorstand auf den offenen Brief mit Zustimmung reagiert. Vorstandschef Alexander Jobst bezeichnete Hintzsche als profunden Kenner des Düsseldorfer Sports und kündigte an, gemeinsam mit Mitgliedern, Partnern und der Stadt Antworten auf die aufgeworfenen Fragen erarbeiten zu wollen. In den sozialen Medien stößt der offene Brief des Stadtdirektors auf gemischte Reaktionen. Während ein Teil der Nutzer die klaren Worte lobt, werfen andere der Stadt fehlende Selbstkritik und zu wenig Engagement für den Verein vor.