Wer in den nächsten zehn Jahren eine Immobilie verkaufen möchte, der kann in manchen Regionen auf eine starke Wertentwicklung hoffen. Anderen hingegen droht eine Entwertung. Die Immobilienpreise in Deutschland verzeichneten 2025 einen leichten Anstieg. Laut der Studie "Postbank Wohnatlas 2026", die das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) im Auftrag der Postbank durchführte, wird sich dieser Trend langfristig verstärken. Die Untersuchung prognostiziert für Kaufpreise von Eigentumswohnungen im Bestand bis 2035 einen durchschnittlichen inflationsbereinigten Anstieg von 0,41 Prozent pro Jahr über alle Landkreise und kreisfreien Städte hinweg. Besonders ausgeprägt dürfte der Preisanstieg in Groß- und Mittelstädten, den Umlandregionen der sieben größten Metropolen (den sogenannten "Big 7"), in Teilen Süddeutschlands sowie in einigen Ferienregionen ausfallen. Schlechter sieht es hingegen in ländlichen Regionen in Ost- und Mitteldeutschland aus; Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sehen ebenfalls Preisrückgänge. Im ländlichen Osten steigen die Immobilienpreise kaum Getrieben sind die Preiszuwächse von verschiedenen Faktoren. Ein Grund ist die seit Jahren stagnierende Bautätigkeit, bei gleichzeitig wachsendem Wohnraumbedarf. 2025 wurden so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Schätzungsweise fehlen rund eine Million Wohnungen in Deutschland. Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank in Deutschland, erläutert: "Auf dem Wohnungsmarkt zeigt sich immer deutlicher, dass die sozio-ökonomische Lage, definiert als wirtschaftliche Stärke und demografische Entwicklung, über die künftige Wertentwicklung entscheidet." In Regionen, in denen Arbeitsplätze entstehen, bleibt Wohnraum knapp – die Preise steigen. "In strukturschwachen und stark ländlichen Regionen dürfte die Preisentwicklung dagegen deutlich verhaltener ausfallen." Für dreizehn Bundesländer prognostizieren die HWWI-Experten im Durchschnitt bis 2035 steigende reale Kaufpreise für Eigentumswohnungen. Eine Ausnahme bilden Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit sinkenden Kaufpreisen außerhalb der meisten Groß- und Mittelstädte. In diesen Regionen ist vor allem das Durchschnittsalter entscheidend: Die östlichen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen haben deutschlandweit die ältesten Bevölkerungen, mit wenig Nachzug. Preise in Schleswig-Holstein steigen stark Allerdings bedeutet das nicht, dass die Immobilien in diesen Bundesländern grundsätzlich an Wert verlieren . Ein Beispiel für eine positive Wertentwicklung ist laut Beermann Leipzig : "Die Stadt führt die Liste der Regionen mit dem größten Kaufpreisanstieg an. Aber auch Dresden , Erfurt und Potsdam gehören zu diesen Ausnahmen." Das liegt daran, dass Prognosen in diesen Regionen von einer Verjüngung der Bevölkerung und höheren Einkommen bis 2035 ausgehen. In Leipzig etwa wird ein Bevölkerungswachstum von 5,6 Prozent erwartet, jedes Jahr steigt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 0,5 Prozent an. Den größten Anstieg der realen Kaufpreise wird voraussichtlich Schleswig-Holstein erreichen. Dort rechnet das HWWI bis 2035 über alle Regionen mit einem jährlichen Preisanstieg von 0,8 Prozent. Dem nördlichsten Bundesland folgen Berlin und Bayern mit knapp über 0,6 Prozent sowie Baden-Württemberg, Brandenburg und Hessen mit knapp unter 0,6 Prozent. Innerhalb der Top-10-Regionen mit dem höchsten prognostizierten Preisanstieg bis 2035 befinden sich gleich fünf Landkreise in Brandenburg. Der Landkreis Barnim folgt – allerdings mit deutlichem Abstand – direkt hinter Spitzenreiter Leipzig (Sachsen). Im Kreis Barnim rechnet das HWWI mit einem durchschnittlichen Preiszuwachs von rund 1,5 Prozent pro Jahr bis 2035. Auch in den Landkreisen Teltow-Fläming (Rang 3), Dahme-Spreewald (4), Oberhavel (6) und Potsdam-Mittelmark (7) in Brandenburg werden die Preise für Eigentumswohnungen voraussichtlich überdurchschnittlich ansteigen. Die Top-10-Liste komplettieren zwei Landkreise in Bayern und jeweils einer in Schleswig-Holstein und Hessen. Die 10 Städte mit den stärksten steigenden Immobilienpreisen Das Bundesland Brandenburg ist auch in der Top-10-Liste der Großstädte vertreten. Folgende Großstädte sollen der Untersuchung zufolge die größten Wertzuwächse bei Immobilien sehen: Leipzig : 1,90 Prozent pro Jahr Ludwigshafen am Rhein : 1,21 Prozent pro Jahr Dresden : 1,13 Prozent pro Jahr Bonn : 0,91 Prozent pro Jahr Erlangen : 0,89 Prozent pro Jahr Oldenburg : 0,88 Prozent pro Jahr Potsdam : 0,88 Prozent pro Jahr Fürth : 0,86 Prozent pro Jahr Ulm : 0,83 Prozent pro Jahr Darmstadt : 0,81 Prozent pro Jahr Für alle deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern prognostiziert das HWWI mindestens gleichbleibende, meistens aber steigende Preise bis zum Jahr 2035. In keiner Großstadt ist in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich mit einem Kaufpreisverlust zu rechnen. Beermann betont abschließend: "Bei den prognostizierten Preisen handelt es sich um Durchschnittswerte für ganze Regionen. Wie sich die Preise tatsächlich entwickeln, hängt im Einzelfall stark von Faktoren wie Lage, Infrastruktur und Nachfrage vor Ort ab." Experten weisen zudem immer wieder darauf hin, dass auch die Zinsentwicklung und der energetische Zustand einer Immobilie an Bedeutung gewinnen . Beermann fügt hinzu: "Wer Wohneigentum für die eigene Nutzung sucht, kann auch in Märkten mit stagnierenden oder leicht sinkenden Preisen interessante Angebote finden. Eine schuldenfreie Immobilie bleibt langfristig ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge."