Die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland steigt. Dennoch kommt eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung nun auf den Prüfstand. Die Einsparpläne der Bundesregierung in der Gesundheitsversorgung liegen auf dem Tisch: Den entsprechenden Gesetzesentwurf verabschiedete die Bundesregierung am vergangenen Mittwoch. Über die Zukunft des kostenlosen Hautkrebs-Screenings bestehen indes weiter Missverständnisse. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können sich bislang alle zwei Jahre auf Hautkrebs untersuchen lassen. Immer wieder ist zu lesen, dass die Bundesregierung die kostenlose Vorsorge streichen möchte – einer steigenden Zahl an Hautkrebsfällen zum Trotz. Keine vollständige Abschaffung Eine vollständige Abschaffung steht allerdings nicht im Raum. Dies betonte nun der Gesundheitsökonom Ferdinand Gerlach, Vorsitzender der Finanzkommission Gesundheit, im Gespräch mit dem Podcast des "heute journal". Geplant sei vielmehr eine Weiterentwicklung. Bislang ist das anlasslose Screening für alle Versicherten über 35 Jahren kostenlos. Die hierfür anfallenden Kosten in Höhe von 35 Euro übernimmt die Krankenkasse. Künftig könnten jedoch nur noch die Kosten für bestimmte Risikogruppen übernommen werden. So steht es auch im Gesetzesentwurf zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Geplant ist, dass der Gemeinsame Bundesausschuss seine Krebsfrüherkennungs-Richtlinie "anhand des aktuellen medizinischen-wissenschaftlichen Wissensstands" überprüft und gegebenenfalls in ein risikobasiertes Hautkrebs-Screening überführt. Ergebnis bis Ende 2027 Überprüft werden soll dabei unter anderem die bestehende Altersgrenze, die Beschränkung auf bestimmte Zielgruppen, aber auch die Intervalle der Untersuchungen von derzeit alle zwei Jahre. Bis Ende 2027 soll die Untersuchung abgeschlossen werden. Laut Gerlach sei die Art und Weise, wie die Krebsfrüherkennungsuntersuchung durchgeführt werde, zu ineffektiv. "Es gibt Wartezeiten in den Hautarztpraxen. Die gibt es unter anderem deshalb, weil dort Hausärzte damit beschäftigt sind, Gesunde zu untersuchen", bemerkte er. Gerlach sagte zudem, dass Deutschland das einzige Land weltweit sei, das ein anlassloses kostenloses Hautarzt-Screening anbiete. Selbst in Ländern mit stärkerer Sonneneinstrahlung und höheren Hautkrebsraten wie Australien bestehe ein solches Angebot nicht. "Wir müssen uns fragen – und das ist ein Gesamtproblem in unserem Gesundheitssystem: Wo wollen wir die Mittel und die Zeit, die ärztliche Arbeitszeit, so einsetzen, dass wir möglichst viel Gesundheit erreichen", sagte Gerlach. Schließlich würden Patienten mit anderen Problemen wie Schuppenflechten oder Neurodermitis keine Termine erhalten. Zu späte Diagnose wird kostspielig Für eine zielgerichtete Vorsorge plädierte auch Dermatologin und t-online-Kolumnistin Yael Adler. Als Vorbild könnte hier das vor Kurzem eingeführte Lungenkrebs-Screening dienen. Denkbar wäre etwa ein Zuschnitt auf Patienten mit bestimmten Hauttypen, Personen, die unter familiärer Vorbelastung stehen oder sehr viele Muttermale haben, oder Patienten, die sich beruflich mehr als andere im Freien aufhalten. Dennoch sollten auch Nicht-Risikopatienten nicht außen vor bleiben. Schließlich treten etwa bei schwarzem Hautkrebs Symptome erst in einem späten Stadium auf. Eine Therapie ist in diesen Fällen – wenn überhaupt noch möglich – sehr kostspielig. Auch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft warnt davor, dass sich aufgrund "eklatant steigender Erkrankungszahlen" bei schwarzem sowie weißem Hautkrebs eine Kostenexplosion nur verhindern lasse, wenn der Hautkrebs zu einem frühen Zeitpunkt erkannt und behandelt wird. So ist die Zahl der diagnostizierten Fälle von schwarzem Hautkrebs zwischen 2005 und 2023 um 121 Prozent auf 417.400 Betroffene gestiegen. Die Fallzahlen bei weißem Hautkrebs stiegen gar um 186 Prozent von 630.000 auf 1,8 Millionen. Die Deutsche Krebsgesellschaft bewertet die Pläne zu einem risikobasierten Hautkrebs-Screening derweil positiv. Sie warnt allerdings davor, dass die Überprüfung des Screenings in der öffentlichen Kommunikation zu dem Eindruck führen könne, Hautkrebsvorsorge sei kein wichtiges Thema. Diesem Eindruck gelte es, unabhängig vom Ergebnis der Untersuchung vorzubeugen.