Rudi Istenic war dabei, als Fortuna Düsseldorf 1999 aus der 2. Liga abgestiegen ist. Im Interview erklärt der Ex-Profi, was ihm aktuell die größten Sorgen macht. Der fatale Abstieg aus der 2. Liga im Jahr 1999 ist vielen Fortuna-Fans noch im Gedächtnis. Umso größer ist gerade die Angst, dass es für Düsseldorf auch in der aktuellen Saison wieder zum Supergau kommen könnte. Einer, der damals den Niedergang von der Bundesliga bis in die 3. Liga hautnah auf dem Platz miterlebt hat, ist Rudi Istenic. Vier Jahre trug er das Fortuna-Trikot. Heute blickt auch der 55-Jährige mit großen Sorgen auf die Entwicklung der letzten Wochen. Vor dem Heimspiel gegen Dresden an diesem Freitag erklärt der slowenische Ex- Nationalspieler im Interview mit t-online, was aus seiner Sicht alles schiefläuft bei der Fortuna und welche Chance der Klub jetzt noch hat. t-online: Rudi Istenic, wie groß ist Ihre Sorge um die Fortuna? Rudi Istenic: Sehr groß, gar keine Frage. Ich habe immer noch eine Bindung zur Fortuna, habe in der Traditionsmannschaft gespielt, bin oft in Düsseldorf. Es hat sich aktuell richtig zugespitzt und ist extrem geworden im Abstiegskampf. Vieles erinnert an unseren Abstieg 1999 – das ist ein echtes Déjà-vu für mich. Damals hat man auch wenige Wochen vor dem Saisonende noch den Trainer gewechselt. Aber was soll das bringen? Newsticker zu Fortuna Düsseldorf : Hiobsbotschaft vor Dresden-Spiel: Zwei Spieler fallen aus 2. Bundesliga: Fortuna gegen Dynamo: Hier sehen Fans das Spiel live Kult-Manager bangt mit Fortuna: "Frymuth und Funkel könnten jetzt helfen!" Sie sehen den Trainerwechsel kritisch? Damals war es bei uns Klaus Allofs, der acht Spieltage vor Saisonende gehen musste. Das fand ich auch nicht sinnvoll. Ein Trainer braucht zehn, zwölf Spieltage, um Gehör zu finden und der Mannschaft seinen Stempel aufdrücken zu können. Fünf Spiele – was soll Alexander Ende in der Zeit jetzt groß machen? Und es lag ja auch nicht alles an Markus Anfang. Das hat auch etwas mit der Qualität der Spieler zu tun. Vielleicht hätte man auch mehr junge Leute einbauen sollen. Als Jugendtrainer habe ich ein Faible für den Nachwuchs und bei der Fortuna gibt es hervorragende Talente. Da kann man ein wenig mehr Risiko gehen und etwas mehr Mut haben. Sollte man die Youngster jetzt ins kalte Wasser werfen – mitten im Abstiegskampf? Was hat man zu verlieren? Da weiß ich wenigstens, was ich zurückbekomme. Da weiß ich hundertprozentig, dass der Einsatz da ist. Das würden die Fans sicher auch eher befürworten, als wenn du Spieler mit auslaufenden Verträgen hast, die dann so auftreten wie im Moment. Die jungen Spieler sind doch dankbar, wenn sie die Möglichkeit bekommen, 2. Liga zu spielen. Und wenn man Profi werden will, muss man versuchen, mit jedem Druck umzugehen. Warum ist Fortuna 1999 aus Ihrer Sicht abgestiegen. Lag es an der Qualität, am Trainer oder an den Charakteren im Team? In erster Linie muss man eine Mannschaft sein. Jeder muss bereit sein, für den anderen zu laufen. Keiner darf sich zu schade sein, egal welchen Stellenwert er innerhalb der Mannschaft hat, weil er mehr verdient oder weil er mal Nationalspieler war. Es ist immer ganz wichtig, dass man ein großes Gemeinschaftsgefühl hat. Fehlt dieses Gemeinschaftsgefühl auch der aktuellen Mannschaft? Es wirkt genauso wie damals bei uns. Es ist einfach zu wenig, da kommt zu wenig rüber. Im Abstiegskampf werden die Beine zwar immer schwerer. Aber es hat immer auch damit zu tun, dass man keine Gemeinschaft ist. Viele andere Vereine zeigen mit weniger Qualität, was möglich ist, wenn man eine intakte Gemeinschaft ist. Die Fehler wurden also schon bei der Zusammenstellung des Kaders gemacht? Ja, mit Sicherheit. Das meiste hängt davon ab, wie ich den Kader zusammenstelle. Das ist der eine Teil. Aber bei der Fortuna passt einiges auch aus rein sportlicher Sicht nicht zusammen. Was kritisieren Sie konkret? Habe ich genug Abschlussqualität? Das kann ich so gar nicht erkennen. Das ist das Hauptmanko dieses Kaders. Gerade im vorderen Bereich müssen mindestens drei, vier Leute wirklich torgefährlich sein. Auch aus dem Mittelfeld heraus musst du das Gefühl haben, dass es gefährlich werden kann. 27 Tore in 30 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Ja natürlich, da kann der Trainer auch wenig machen. Du hast eine gute Spielanlage, aber kaum einer ist in der Lage, adäquat den Abschluss zu suchen oder auch wirklich eiskalt vor dem Tor mal eins gegen eins einen guten Abschluss zu haben. Das ist für den Profibereich vom Abschluss her zu wenig. Was kann einem Fortuna-Fan jetzt noch Mut machen? Zusammenhalten und einander unterstützen, das ist jetzt gefragt. Du bist super vorbereitet, machst vor dem Anstoß deinen Kreis – und dann steht es nach einer Minute 0:1. Das kann es nicht sein, da hilft ein Alibi-Kreis vor dem Anpfiff auch nicht. Dann setze ich mich besser vorher in der Woche zusammen. Es geht hier doch auch um Existenzen, die auf dem Spiel stehen. Es gibt Leihspieler im Kader, andere wären beim Abstieg ablösefrei. Welchen Einfluss hat das? Es geht aber immer für jeden Spieler auch um die Ehre. Du spielst doch auch für die Arbeitsplätze von ganz vielen Mitarbeitern, die im Verein tätig sind. Man hat einiges aufgebaut über die Jahre, was bei einem Abstieg wieder ins Wanken geraten kann. Das trifft dann in der Konsequenz alle Mitarbeiter, auch die Jugend und die Nachwuchsarbeit. Du musst sehen, dass du die Strukturen erhalten kannst, aber dafür brauchst du Geld. Fortuna hat nie viel Geld gehabt, es fehlt immer mal wieder an Sponsoren. Umso dringender brauchst du die TV-Einnahmen aus der 2. Liga. Ein erneuter Abstieg wie 1999 wäre also fatal und auf Jahre nicht zu reparieren? Ich bin kein Typ, der so negativ denkt. Ich bin ein positiver Typ. Du musst immer weitergehen, ganz klar. Wenn der schlechteste Fall eintritt, wird der Blick trotzdem nach vorne gerichtet, mit viel Euphorie. Dann setze ich eben noch mehr auf die Jugend und auf hungrige Talente. Und dann steigt man halt wieder auf. Hand aufs Herz bei allem Optimismus: Glauben Sie mit Blick auf das Restprogramm noch an den Klassenerhalt? Absolut. Gegen Dresden musst du natürlich gewinnen, keine Frage. Aber auch für die Spiele danach gegen Schalke und Elversberg sehe ich Fortuna nicht ohne Chance. Die entscheidende Frage wird sein, was du mit dem Support der Fans an Energie auf den Platz bekommst. Bringe ich wirklich junge, hungrige Spieler, die alles reinwerfen, alles geben und über den Platz marschieren? Dann ist es okay. Und dann musst du einfach gucken, was dabei herauskommt. Vielen Dank für das Gespräch!