OB-Wahl Heidelberg: Würzner ist nicht überrascht von Theresia Bauers Kandidatur
Von Sebastian Riemer
Der Amtsinhaber Eckart Würzner reagiert gelassen auf Theresia Bauers Ankündigung, bei der Oberbürgermeisterwahl antreten zu wollen. "Mir war eigentlich klar, dass sie das macht", sagte Würzner am Dienstag auf RNZ-Anfrage. "Frau Bauer ist seit dem Jahreswechsel plötzlich sehr aktiv geworden in Heidelberg – das fiel schon auf." Direkt mit der Grünen über ihre Kandidatur gesprochen habe er aber noch nicht. "Wir haben uns am Sonntag gesehen, da hat sie noch nichts dazu gesagt."
Er freue sich auf den Wahlkampf. Der 60-Jährige schätzt die Chancen seiner Wiederwahl hoch ein: "Fragen Sie die Bürgerinnen und Bürgern: Mir geht’s nicht um Parteipolitik, sondern um die Belange der Menschen", so Würzner. "Ich werde mit Herzblut dafür arbeiten, dieses Amt, das ich liebe, weiter ausfüllen zu können."
Wahlkampftöne schlägt auch die CDU, die Würzner unterstützt, an. "Bauers Kandidatur überrascht nicht, sie hat sich in den letzten Wochen auffällig für kommunalpolitische Themen interessiert, nachdem sie diese in den vergangenen Jahren gemieden hat", sagt Fraktionschef Jan Gradel. Es sei schade, dass Bauer ihr Ministeramt im September abgebe: "Universität und Klinikum benötigen gerade jetzt für ihre künftige Entwicklung jede Unterstützung aus Heidelberg in Stuttgart."
CDU-Chef Alexander Föhr lobt Bauer als "respektable Landespolitikerin" – aber: "Kommunalpolitisch ist sie bisher wenig in Erscheinung getreten." Bei wichtigen städtischen Themen habe man ihre Unterstützung als Landtagsabgeordnete häufig vermisst. "Ihr schienen grüne Parteiinteressen und die Stuttgarter Anliegen wichtiger zu sein." Die CDU werde sich daher "mit ganzer Kraft für Eckart Würzner einsetzen und dafür, dass sich Bauer über die volle Legislaturperiode bis 2026 als Abgeordnete in Stuttgart einbringen kann".
Die SPD hatte immer betont, die Entscheidung über einen eigenen Kandidaten erst zu fällen, wenn die Grünen-Kandidatur feststehe. Am Dienstag sagte SPD-Kreischef Sören Michelsburg: "Gut, dass wir jetzt Klarheit haben über die Kandidaturen von Konservativen und Grünen." Eine Entscheidungsgrundlage sei das aber nicht: "Es ist noch zu wenig bekannt, was Würzner und Bauer inhaltlich mit Heidelberg vorhaben." Die SPD sei schon länger mit potenziellen Kandidaten im Gespräch. "Gemeinsam schauen wir uns die Inhalte genau an und entscheiden dann, was wir machen", so Michelsburg. Zeitdruck gebe es nicht. Alles sei möglich: eine SPD-Kandidatur ebenso wie die Unterstützung eines anderen Kandidaten.
Bisher hat neben Würzner und Bauer, die diesen Mittwoch offiziell von den Grünen-Mitgliedern nominiert werden soll, noch Stadtrat Björn Leuzinger ("Die Partei") seinen Hut für die OB-Wahl am 6. November in den Ring geworfen. Zudem kündigte am Montagabend Waseem Butt von "Heidelberg in Bewegung" an, gemeinsam mit einem "Mitte-Links-Bündnis" einen eigenen OB-Kandidaten aufstellen zu wollen. "Heidelberg verdient eine echte OB-Wahl mit echten Wahlalternativen", erklärte Butt. Die Grünen und die "bürgerlichen" Würzner-Unterstützer repräsentierten im Gemeinderat nur rund 60 Prozent der Heidelberger. Deshalb lade er die anderen Parteien und Gruppierungen ein, sich gemeinsam auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu einigen.
Update: Dienstag, 22. März 2022, 20.01 Uhr
Darum fordert Theresia Bauer Eckart Würzner heraus
Von Sebastian Riemer
Heidelberg. Theresia Bauer will Heidelberger Oberbürgermeisterin werden. Das kündigte die baden-württembergische Landtagsabgeordnete und Wissenschaftsministerin am Montagabend gegenüber der RNZ an. "Heidelberg ist meine Heimatstadt seit 37 Jahren", sagte die 56-jährige Grünen-Politikerin. "Ich möchte den Menschen ein Angebot machen, mit meiner Persönlichkeit, Leidenschaft und Erfahrung dafür zu sorgen, das unglaubliche Potenzial dieser Stadt noch stärker zu heben."
Bauer hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann informiert, dass sie ihr Amt als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst am 25. September – rechtzeitig zur heißen Phase des OB-Wahlkampfes – niederlegen werde. "Es gibt keinen Rückfahrtschein", sagt Bauer. "Ich mache das ganz oder gar nicht." Ihr Landtagsmandat werde sie im Falle einer Niederlage bei der OB-Wahl im November 2022 aber bis zum Ende der Legislatur ausfüllen.
Viele Heidelberger Grüne hoffen seit Monaten, dass die profilierte Landespolitikerin antritt. Eine 13-köpfige Findungskommission der Partei hatte am Sonntagabend einstimmig für Bauers OB-Kandidatur votiert. Die Kommission sei mit zehn weiteren potenziellen Kandidaten im Gespräch gewesen, sagte Kreisverbandschef Florian Kollmann. Doch Bauer habe am meisten überzeugt. Bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung diesen Mittwoch, 23. März (20 Uhr, Chapel, Südstadt), nominieren die Grünen ihre OB-Kandidatin. Mit Cornelia Wiethaler vom Naturschutzbund (Nabu) wirft dann ein weiteres Parteimitglied seinen Hut in den Ring – die Nominierung Bauers gilt aber als sicher.
Bei den Beweggründen für Bauers Kandidatur habe das Drängen der Partei keine Rolle gespielt: "Ich mache das, weil ich so frei bin, das wirklich zu wollen." Sie sei nichts amtsmüde ("Ich bin gerne Wissenschaftsministerin"), doch liege Heidelberg ihr einfach zu sehr am Herzen. "Das Amt der Oberbürgermeisterin reizt mich eigentlich schon seit 2006, als Caja Thimm es nicht geschafft hat." In den vergangenen ein, zwei Monaten sei dann sukzessive der Entschluss gereift, jetzt anzutreten. "Die Zeit ist reif – für mich, aber auch für diese Stadt – ein neues Kapitel aufzuschlagen."
Theresia Bauer ist die erste ernsthafte Herausfordererin für den parteilosen Amtsinhaber Eckart Würzner (60), der seit 2006 Oberbürgermeister ist und im Wahlkampf erneut von CDU, "Heidelbergern" und FDP unterstützt wird. Bisher kandidiert ansonsten nur Stadtrat Björn Leuzinger von der Satire-Partei "Die Partei". Ob die Heidelberger SPD einen eigenen Kandidaten aufstellt, ist noch unklar – der Kreisverband wollte zunächst die Nominierung der Grünen abwarten.
"Ich trete für einen anderen Politikstil an", sagt Bauer. "Ich will ein besseres Miteinander und mehr Respekt auch für Menschen mit anderen Ideen." Da sehe sie sowohl in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat als auch mit den vielen engagierten Menschen in Heidelberg Luft nach oben. Man müsse aus den immerselben Mustern und Blockadehaltungen rauskommen. "Mir geht es darum, dass wir uns stärker auf gemeinsame Ziele verständigen – und bei den Lösungswegen dahin dann viel offener und kooperativer vorgehen." Sie wolle einen echten Wettstreit um die besten Ideen – auf Augenhöhe.
Bauer sagt, sie hat keinen fertigen Plan, den sie abarbeite, sondern wolle gemeinsam mit den Heidelbergern Ideen entwickeln. Ein paar inhaltliche Schwerpunkte aber nannte die 56-Jährige im Gespräch mit der RNZ: "Heidelberg braucht viel größere Schritte beim Klimaschutz." Diese müssten sich aber immer an der sozialen Gerechtigkeit orientieren. Zudem brauche es mehr bezahlbaren Wohnraum, "aber keine homogenen, langweiligen Quartiere". Bau- und Wohngruppen müssten noch viel stärker eingebunden werden. "Heidelberg braucht mehr Freiräume", sagt sie. Mehr Plätze und Räume zum Ausprobieren würden nicht nur der Kreativwirtschaft und Start-ups zugutekommen, so Bauer, sondern auch der Jugend.
Die Oberbürgermeisterwahl findet am 6. November 2022 statt. Erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit, steht am 27. November die Stichwahl an, bei der eine einfache Mehrheit zum Wahlsieg reicht.
Update: Dienstag, 22. März 2022, 8.00 Uhr
Theresia Bauer fordert Eckart Würzner heraus
Von Sebastian Riemer
Heidelberg. Theresia Bauer will für die Grünen im November 2022 das Heidelberger Rathaus erobern. Die baden-württembergische Landtagsabgeordnete und Wissenschaftsministerin gab ihre Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt am Montagabend in einem Pressegespräch mit der RNZ bekannt. Die 56-Jährige offiziell zur OB-Kandidatin für die Wahl im November zu machen, obliegt nun den Heidelberger Grünen-Mitgliedern. Die Nominierungsversammlung der Partei findet schon diesen Mittwoch, 23. März, statt.
Die profilierte Landespolitikerin Theresia Bauer ist damit die erste ernsthafte Herausfordererin für den parteilosen Amtsinhaber Eckart Würzner (60), der seit 2006 Oberbürgermeister ist. Bisher hatte lediglich Björn Leuzinger von der kleinen Satirepartei "Die Partei" seine Kandidatur erklärt. Würzner wird im Wahlkampf von CDU, "Heidelbergern" und FDP unterstützt.
Ob die SPD einen eigenen Kandidaten aufstellen wird, ist noch unklar – der Heidelberger Kreisverband hatte betont, zunächst die Nominierung der Grünen abwarten zu wollen. Nach der SPD-Politikerin Beate Weber-Schuerholz, die von 1990 bis 2006 Oberbürgermeisterin war, könnte Theresia Bauer die zweite Frau an der Spitze der Stadt werden.
Die Heidelberger Oberbürgermeisterwahl findet am Sonntag, 6. November 2022 statt. Erreicht dabei kein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen, steht am Sonntag, 27. November die Stichwahl an, bei der eine einfache Mehrheit zum Wahlsieg reicht. Alle Bewerber um das Amt des Stadtoberhaupts stellen sich am Donnerstag, 27. Oktober 2022 in der Großsporthalle "SNP dome" in einer von der Stadt organisierten Veranstaltung öffentlich vor.