Trainingslager in Windischgarsten: Lukas Rupp will bei 1899 Hoffenheim Vollgas geben
Windischgarsten. (RNZ) Die TSG 1899 Hoffenheim weilt derzeit im Trainingslager in Windischgarsten in Österreich, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Unser Sportreporter Niko Beck ist vor Ort. Die aktuellen Entwicklungen finden Sie immer aktualisiert hier:
> Montag, 22. Juli: Ein Kreuzbandriss hinterlässt Spuren. Ganz offensichtliche, etwa die Narben am operierten Knie. Bei Hoffenheims Lukas Rupp sind die Nachwirkungen der Verletzung, die sich der 28-Jährige im Mai des vergangenen Jahres beim Gastspiel in Stuttgart zugezogen hatte, aber auch am Hinterkopf zu sehen. „Ich schätze, das hat mit meiner Verletzung zu tun gehabt“, spricht der Weinheimer nach der Vormittagseinheit im Trainingslager in Windischgarsten offen über die kleine kahle Stelle im dunkeln Haar. „Das ist eine Immunschwäche gewesen, kreisrunder Haarausfall, der wohl durch Stress ausgelöst wurde.“
Rupp macht keinen Hehl daraus, dass hinter ihm die schwerste Zeit seiner Karriere liegt. Beinahe die komplette Vorsaison musste er fürs Comeback schuften, kleinere Rückschläge inklusive. Lediglich am letzten Spieltag in Mainz reichte es für eine Einwechslung und 24 Minuten Einsatzzeit.
Umso erleichterter ist der Mittelfeldmann nun, in Oberösterreich Vollgas geben zu können. „Ich fühle mich gut und habe durch das Knie kaum eine Einheit verpasst“, sagt Rupp mit einem Lächeln. Wenngleich: „Um bei 100 Prozent zu sein, werde ich schon noch ein paar Spiele brauchen.“ Das Reha-Training könne einen zwar auf einen gewissen Punkt bringen, „aber alleine das Mannschaftstraining ist noch mal eine ganz andere Intensität.“ Für den Körper – aber auch für die Psyche. An den Ereignissen des 5. Mai 2018 hatte der Rechtsfuß durchaus zu knabbern.
„Ausgerechnet beim Ex-Verein und dann auch noch so früh im Spiel und ohne Gegnereinwirkung“, erinnert sich Rupp. Und plötzlich sind die bitteren Momente, die folgten, wieder präsent. „Das hast du gerade am Anfang immer im Kopf, ob es wieder passieren könnte“, gesteht Rupp. Inzwischen denke er über das Schicksal aber in Spiel und Training nicht mehr nach. Rupp weiß aber auch, dass er weiterhin viel für das Knie machen muss, „damit es geschmeidig bleibt.“
Der Neustart, den die TSG in diesen Wochen unter ihrem neuen Cheftrainer Alfred Schreuder vollzieht, kommt für den Wiedergenesenen gerade recht. Die Karten werden neu gemischt – und Lukas Rupp glaubt sprichwörtlich, am Ende ein gutes Blatt zu haben.
„Julian (Nagelsmann) war ein super Trainer, aber es war einfach auch für mich mal Zeit für einen Tapetenwechsel“, sagt Rupp. Er ist fest überzeugt: „Nach drei Jahren ist es für jeden Spieler gut, neue Reize zu bekommen.“
Dass seit Beginn der Transferperiode durchaus Bewegung in „Hoffes“ Kader ist, stört den ehemaligen Jugendspieler der TSG Weinheim nicht. Wenngleich er einräumt, dass man Transfers und Wechselgerüchte immer im Hinterkopf habe. Rupp, der sich je nach System auf der Doppel-Sechs oder „eins weiter vorne auf der Halbposition“ im Mittelfeld am wohlsten fühlt, wird also auch genau beobachten, wie sich der Flirt zwischen Nadiem Amiri und Bayer Leverkusen weiter entwickelt.
Laut Bild soll sich der frischgebackene U21-Vizeeuropameister mit der Werkself einig sein, lediglich über die Höhe der Ablöse werde noch diskutiert. TSG-Manager Alexander Rosen hatte unlängst bereits eingeräumt: „Uns ist ja nicht erst seit gestern bewusst, dass er einen auslaufenden Vertrag hat“ und von einem „offenen Ausgang“ gesprochen.
Sollte Amiri Kerem Demirbay unters Bayer-Kreuz folgen, würde das Rupps Chancen auf Spielzeit sicherlich nicht verschlechtern. „Natürlich macht sich jeder seine Gedanken, ob er im Kader steht, ob er spielt, wer auf seiner Position ist“, so Rupp. Der Konkurrenzkampf sei für einen Profi aber eben auch Alltag: „Nur so kommst du an dein Limit, weil man sich gegenseitig puscht.“
An vorderster Front tobt in Windischgarsten derzeit alles andere als ein wilder Kampf um die Plätze: Ishak Belfodil absolvierte nach seiner Knieverletzung vom 34. Spieltag auch am Montag weiterhin nur Individualtraining, Andrej Kramaric, den auch Knieprobleme plagen, konnte bislang ebenfalls noch gar nicht gegen den Ball treten. Und der dritte aus der „Sturm-und-Drang-Abteilung“ der Vorsaison, der Brasilianer Joelinton, ist gar nicht erst ins Trainingslager gereist, weil er unmittelbar vor einem Rekordtransfer in die englische Premier League zu Newcastle United steht.
Davon unberührt will Lukas Rupp die lange Leidenszeit endgültig hinter sich lassen. Die Eindrücke aus dem österreichischen Luftkurort lassen darauf schließen, dass er auf einem guten Weg ist. Nicht nur, weil ganz allmählich auch die Haare am Hinterkopf wieder wachsen.
> Sonntag, 21. Juli: Abwehrchef Kevin Vogt hat eine positive Zwischenbilanz des Trainingslagers in Windischgarsten gezogen. "Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut. Wir hatten bislang sehr intensive Einheiten und das wird, so wie ich Alfred kenne, auch so bleiben", sagte der 27-Jährige in einem Interview auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten mit Blick auf den neuen Cheftrainer Alfred Schreuder.
Vogt räumte ein, dass die Kraichgauer in der Defensive etwas tun müssen. In der vergangenen Saison stellte die TSG mit 70 Treffern zwar die drittbeste Offensive in der Liga, kassierte allerdings auch 52 Gegentore. "Wir sind eine Mannschaft, die für attraktiven Fußball steht. Wir müssen eine Balance zwischen Offensive und Defensive finden. Wenn wir das hinkriegen, sehe ich eine positive Zukunft für uns", sagte Vogt. Grundsätzlich mache das Team "einen super Eindruck", auch die Neuzugänge würden sich gut machen.
Allerdings hat Hoffenheim in Nico Schulz (zu Borussia Dortmund) und Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) zwei Nationalspieler verloren. Zudem steht Stürmer Joelinton auf dem Absprung nach England und U21-Vize-Europameister Nadiem Amiri ist in Leverkusen im Gespräch.
Das Team des Niederländers Schreuder, dem Nachfolger von Julian Nagelsmann (zu RB Leipzig), bestreitet am Donnerstag (17 Uhr) in Bad Wimsheim-Neydharting einen Doppeltest gegen Hellas Verona und den türkischen Erstligisten Trabzonspor, bevor es am Freitag nach Hause geht.