OB-Wahl Hockenheim: Attacke auf Dieter Gummer überschattete die Stimmung
Von Alexander Albrecht
Hockenheim. Auch wenn er natürlich nicht vor Ort sein kann: Dieter Gummer ist überall. Sämtliche Gespräche in und rund um die proppenvolle Stadthalle drehen sich um den fiesen Angriff auf den Hockenheimer Oberbürgermeister. "Er liegt nach wie vor in einer Ludwigshafener Klinik", sagt der Erste Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg.
Erst am Morgen habe er mit Gummers Frau telefoniert, Besuch wolle das Stadtoberhaupt derzeit nicht empfangen. Weitere Details zum Gesundheitszustand des Bald-Pensionärs möchte Jakob-Lichtenberg nicht nennen. Und sich überhaupt erst dann wieder äußern, wenn Gummer das Krankenhaus verlassen hat. Den Anwesenden im Saal schlägt Jakob-Lichtenberg in einer Rede vor, "vielleicht mehr miteinander diskutieren und weniger zu streiten". Worten könnten Taten folgen.
Die Attacke überschattet die Stimmung in der Stadthalle. Dort warten die Hockenheimer auf das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl. Im zweiten Wahlgang standen nur noch der Schönauer Bürgermeister Marcus Zeitler (CDU) und der parteilose Polizeioberkommissar Marco Germann auf dem Stimmzettel. In der ersten Runde waren noch fünf Bewerber angetreten. Die Spannung ist recht früh raus. Im Zahlendiagramm auf der Leinwand liegt Zeitlers Balken deutlich vor dem von Germann.
Kurz nach 19 Uhr und 16 von 18 ausgezählten Wahlbezirken steht der Gewinner fest. Aus den Boxen dröhnt der Queen-Klassiker "Don’t Stop Me Now" - Zeitler ist nicht mehr aufzuhalten. 56,3 zu 43,5 Prozent der Stimmen heißt es am Ende. Die Wahlbeteiligung liegt bei mäßigen 46,2 Prozent. Zeitler reckt die Daumen nach oben und macht Siegerposen, artig gratuliert ihm die lokale und regionale Prominenz.
Trotz seines respektablen Ergebnisses: Germann meint, er sei schon ein wenig enttäuscht. "Ich wollte unbedingt hier Oberbürgermeister werden", sagt er. Weitere politische Ambitionen verfolgt der von der örtlichen SPD unterstützte Wahlverlierer nicht. "Ich bin Polizist, und das bleibe ich erstmal." Derweil genießt Zeitler auf der Bühne seinen Triumph. Und schickt gemeinsam mit den Hockenheimern einen dicken Applaus zu Dieter Gummer ins Krankenhaus.
Zeitler, Vater von vier Töchtern, gesteht, dass die vergangenen vier Monate in seinem "zarten Alter" von 44 Jahren wohl die härtesten seines Lebens gewesen seien. Jetzt brauche er erstmal eine Woche Urlaub, ab dem 1. September möchte er dann gemeinsam mit den Hockenheimern die Rennstadt auf Kurs bringen. Leicht wird das nicht. Die Zukunft des Hockenheimrings ist offen, das städtische Freizeitbad "Aquadrom" schreibt tiefrote Zahlen.
Auch die Themen Bahnlärm und das Ausbluten der City werden Zeitler fordern. Das Stadtoberhaupt in spe will noch in diesem Jahr eine Bürgerinformationsveranstaltung abhalten. Erklären, wie der Hockenheimring, der zu 94 Prozent der Kommune gehört, wirtschaftlich funktioniert. Oder funktionieren soll. Der Schwetzinger Verwaltungschef René Pöltl ist überzeugt, dass Zeitler einen guten Job machen wird. "Das ist ein richtiger Anpacker", adelt er den künftigen Oberbürgermeister-Kollegen.