Mit Gelatine: Heidelbergerin erfindet Kaffeekapseln ohne Aluminium
Von Maria Stumpf
Heidelberg. Es hat nicht ganz gereicht für einen der drei Hauptpreise, aber eine besondere Anerkennung für ihre Teilnahme gab es schon: Christine Konert aus Heidelberg hat beim diesjährigen "Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg" Sachkenntnis, Kreativität und Tüftlerleidenschaft bewiesen. Ihre Erfindung: Kaffeekapseln ohne Aluminium. "Ich denke, ich habe etwas ziemlich Sinnvolles am Start", sagt sie selbstbewusst. Egal, ob Preis oder nicht.
Den Erfinderpreis gibt es seit dem Jahr 2001. Alle zwei Jahre wird die von Artur Fischer und der Baden-Württemberg Stiftung ausgelobte und mit über 36.000 Euro dotierte Auszeichnung in Stuttgart verliehen. Das Anliegen: Besonders innovative und Erfindungen von großem gesellschaftlichem Nutzen zu fördern. Wer keinen der Hauptpreise gewinnt, freut sich über andere Anerkennungen.
Es sei schon eine besondere Würdigung, überhaupt nominiert zu sein, meint Christine Konert. Die 57-jährige Betriebswirtin aus Kiel lebt seit zehn Jahren in Heidelberg. Beruflich bringe sie aus verschiedenen Unternehmen Erfahrungen mit, sowohl im Vertrieb als auch in der Projektentwicklung und Markteinführung von neuen Produkten, erzählt sie. Auch weil sie technisch vielseitig interessiert sei, habe sie sich inzwischen selbstständig gemacht.
"Kaffee aus kleinen Aluminiumkapseln ist beliebt. Doch wie steht es um deren Ökobilanz?" Diese Frage sei ihr Ansporn gewesen. Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet sie an der Idee, neuartige Kapseln ohne Aluminium für die portionsweise Zubereitung des Getränks herzustellen. Denn: "Recycling von Aluminium ist zwar möglich, aber dafür müssen alle Kapseln auch gesammelt werden. Und das passiert ja nicht."
Sie zeigt ihre Prototypen. Die bestehen aus einer vernetzten Gelatine, also aus nachhaltigen Rohstoffen aus der Schlachtindustrie. "Letztlich ist das ähnlich wie bei Gummibärchen aus Schweinsohren. Thermisch wird das natürlich anders verarbeitet." Sie wolle mit der nachhaltigen Kapsel einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, sagt sie. Ein energieaufwendiges Metall werde durch ein Bio-Produkt ersetzt, das lebensmittelzertifiziert, in bestehenden Systemen einsetzbar und kompostierbar sei. "Und kostengünstiger als die aus Alu."
Zurzeit sei sie noch in einer Versuchsphase, räumt sie ein. "Das Problem besteht darin, dass die Kapseln mit dem Kaffee aus zwei Teilen bestehen. Für die Verschlusstechnik muss noch die endgültige Lösung gefunden werden. Damit haben alle namhaften Kapselhersteller ihre Probleme. Ich bin aber nah dran." Sie habe für ihre Erfindung ein Patent beantragt und sie sei veröffentlicht.
Jetzt kommt es also darauf an: Christine Konert ist auf der Suche nach Unterstützern. "Eine Versuchswerkstatt muss her." Beabsichtigt sei, das Produkt dann bis zur Serienreife zu begleiten. "Allerdings fehlen mir dafür die finanziellen Mittel. Ich denke über Crowdfunding nach." Auf jeden Fall soll ein Start-up-Unternehmen gegründet werden. Oder aber ein "multinationaler Player" übernehme die Produktion und schreibe damit eine "Erfolgsgeschichte". Christine Konert: "Ich will meine Erfindung auf jeden Fall am Markt sehen."