Wiesloch: Die Retter kamen in letzter Minute
Von Hans-Dieter Siegfried
Wiesloch/Rhein-Neckar. Birgit Koch und Michael Weis waren mit ihrem afrikanischen Jagdhund Akimba am 13. April des Vorjahres unterwegs, als sie unterhalb des Sportplatzes im Wieslocher Ortsteil Frauenweiler eine leblose Person in einem Entwässerungsgraben entdeckten. Es war kalt und regnerisch, schnelles Handeln war angesagt. "Es war ein Mann, der regungslos, aber noch bei Bewusstsein in diesem Rinnsal lag, der Kopf war bereits teilweise unter Wasser", erinnert sich Koch.
Während Michael Weis versuchte, den Mann aus dem Wasser zu ziehen, alarmierte seine Lebenspartnerin sofort über den Notruf die Rettungskräfte, und wenige Minuten später war bereits die Feuerwehr aus Frauenweiler vor Ort. "Wir haben dann mit fünf Mann die Person aus dem Graben gezogen".
Aufgrund der Witterung und der Lage des Betroffenen sprachen die Rettungskräfte von einem Einsatz, der gerade noch rechtzeitig stattgefunden habe. "Es war sicherlich zwei Minuten vor Zwölf", fasste einer aus dem Rettungsteam die dramatische Situation treffend zusammen.
Gestern nun wurden Koch und Weis für ihr mutiges und vor allem besonnenes Eingreifen im Wieslocher Rathaus ausgezeichnet. Von Tanja Kamper, der Geschäftsführerin des Vereins "Kommunale Kriminalprävention Rhein-Neckar", erhielt das so umsichtig handelnde Duo eine Urkunde, von der Stadt gab es einen Blumenstrauß, überreicht von Bürgermeister Ludwig Sauer, sowie ein kleines Geschenk und vor allem anerkennende Worte von Polizeichef Peter Albrecht. Eine Ehrung für couragierte Helfer nach dem Motto "Beistehen statt rumstehen".
"Es ist wichtig, solche Aktionen zu würdigen, wenn Menschen in Notsituationen tätig werden", betonte Sauer. Und es sei notwendig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ziel sei es, mit einer solchen Ehrung auch andere Personen anzusprechen, damit sie sich in ähnlichen Situationen ebenso vorbildlich verhalten.
Peter Albrecht fügte hinzu, in letzter Sekunde durch Hinschauen eine rechtzeitige Rettung zu ermöglichen, verdiene Respekt. "Wir bewerten dann in unserem Verein das jeweilige Verhalten der Personen, die sich eingesetzt haben", erläuterte Kamper die Vorgehensweise. Bei den jetzt Geehrten habe jedoch keinerlei Zweifel bestanden, diese auszuzeichnen.
Dabei kam Michael Weis, wie er selbst erzählte, seine Tätigkeit beim Technischen Hilfswerk zu Gute. "Da lernt man, wie man sich in solchen Fällen zu verhalten hat." Schnell die Jacke ausgezogen und noch während Lebensgefährtin Birgit Koch beim Telefonieren war, versuchte er - zunächst vergeblich - die hilflose Person aus dem Wassergraben zu ziehen. "Der Mann war bei Bewusstsein und ich konnte immerhin erreichen, dass sein Kopf frei kam", blickte Weis zurück. Flugs wurde noch eine zufällig vorbei kommende Spaziergängerin animiert, sich oben an die Straße zu stellen und die eintreffenden Rettungskräfte einzuweisen. "Es ging relativ schnell, denn wir haben in Frauenweiler eine eigene Freiwillige Feuerwehr", berichtete Birgit Koch. "Und die Mitglieder kenne ich fast alle." Für das Paar war es im Vorjahr übrigens nicht der einzige Notruf, den sie absetzen mussten. "Wir haben da schon Routine", meinten sie.
Einmal holten sie Hilfe, als ein Mann sich am Kinozentrum in Walldorf den Oberschenkelhals gebrochen hatte, zum anderen war Michael Weis bei einem Badeunfall im Wieslocher Freibad als Ersthelfer zur Stelle, konnte jedoch den Tod des Mannes nicht verhindern. Der im Vorjahr gerettete Mann hat sich indes auf ungewöhnliche Weise bedankt, Er, der wohl einen Schwächeanfall erlitten hatte und so in den Wassergraben fiel, kam nach der Rettung bei Birgit Weis vorbei, ein frisch geschlachtetes Suppenhuhn im Gepäck sowie ein Leckerli für Hund Akimba. Denn hätte dieser nicht an diesem Tag und genau um diese Uhrzeit Gassi geführt werden müssen, hätten die beiden Retter den Mann wohl kaum gefunden.