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Terrorverdacht in Plankstadt: Nichts passt hier zusammen

Von Sebastian Blum

Plankstadt. Regen hin oder her, am Freitag vor Heiligabend ist im Ortszentrum alles angerichtet für einen festlichen Wochenausklang. Das Rathaus sieht aus wie ein Adventskalender, die Fenster sind als "Türchen" geschmückt, die aufleuchten, eine nach der anderen, mit jedem Tag im Dezember, der sich dem Ende neigt. Das letzte "Türchen" ist der Rathauseingang, wo die Krippe Jesu liegt. Bei stimmungsvoller Musik und einem Glühwein lauschen die Bürger am Abend der Weihnachtsgeschichte. Auf besinnliche Tage einstimmen, lautet das Motto. Nach einer turbulenten Woche ist der Regen das kleinste Problem.

Plankstadt ist eigentlich ein Ort, in dem nichts Schlimmes passiert. Die Einzelhändler im Zentrum heißen Kreativ Floristik und Yasmins Döner, bei Bäcker Alois Kias kostet die Käsebrezel noch 90 Cent. Christbaumschmuck hängt vereinzelt an den Hausfassaden, vorweihnachtliche Hektik gibt es nicht mal am Freitagmittag vor Heiligabend. Knapp über 10.000 Einwohner pflegen ein nachbarschaftliches Verhältnis, es gibt einen Bürgerbus, in dem ehrenamtliche Fahrer ihre Gäste in schlecht angebundene Ortsteile bringen. Kurzum: Plankstadt ist ein Ort fernab irgendwelcher Skandale. Schlagzeilen gehören nach Mannheim oder Heidelberg, aber nicht hier hin. Bis Donnerstag.

"Wir sind ein verschlafenes Kaff, und dann so was", sagt Andreas Hipp, ein Bewohner im Brühler Weg. Von seinem Fenster aus hat er am Mittwochabend gesehen, wie Spezialeinsatzkräfte der Kripo Heidelberg ein paar Häuser weiter im "Waldpfad" ein Anwesen stürmten. "Die hielten ihre Waffen auf Anschlag und haben ,Hände hoch‘ geschrien - wir waren auf der Straße, um zu schauen, was passiert. Aber dann sind wir wieder rein, das wurde mir zu heiß." Nach dem Gasunfall das zweite Mal binnen kurzer Zeit Aufregung im Ort.

Eine Fräsmaschine hatte vor zehn Tagen eine Gasleitung im Neubaugebiet Antoniusquartier beschädigt, Großeinsatz, Explosionsgefahr. Anwohner wurden evakuiert, Einsatzkräfte aus der ganzen Region waren fünfzehn Stunden auf den Beinen. Für Gewerbetreibende fiel die Heizung aus, die Welde-Brauerei musste ihre Tagesproduktion wegkippen - doch es kam niemand zu Schaden. Das Leck konnte schnell geschlossen werden, das Heizsystem läuft wieder. Noch einmal gut gegangen. Weihnachten steht vor der Tür.

Eine Woche später, am Mittwochabend, macht sich ein SEK-Team auf den Weg Richtung Mannheim. Ein freier Fotograf der RNZ bekommt einen Tipp. Noch gibt es keine konkreten Hinweise, erst im Laufe des Donnerstags offenbart sich: Das Landeskriminalamt und die Kripo Heidelberg ermitteln schon länger in Plankstadt. Wegen Terrorgefahr.

Im "Waldpfad" stürmen Einsatzkräfte das Wohnhaus Nummer 86. Es ertönen Rufe, Nachbarn werden wach, die Straße wird abgesperrt. Ermittler durchsuchen auch Anwesen in Mannheim und Reilingen. Von "staatsgefährdenden Gewalttaten" geht das LKA aus. Die Beamten nehmen drei Personen fest, im "Waldpfad" finden sie ein Kalaschnikow-Maschinengewehr samt Munition. Danach lassen sie keinen Stein auf dem anderen. Die gesamte Wohnung stellen sie auf den Kopf, wühlen sich im Hinterhof mithilfe der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks die ganze Nacht lang durch Schutt und altes Mobiliar auf der Suche nach weiteren Waffen.

In diesem Haus lebt Nora M., 39, Mutter eines schulpflichtigen Jungen. Eine aus Kroatien stammende blonde Frau, die beruflich die Küche im katholischen Pfarramt Plankstadt putzt. Es sei eine Anstellung mit festem Stundenkontingent, mehr will eine Mitarbeiterin des Pfarramts gegenüber der Presse nicht sagen. Denn: Nicht mal die Polizei habe sich bisher gemeldet, "obwohl ich den ganzen Vormittag damit gerechnet habe", so die Frau.

Nora M. soll das Haus Nummer 86 nach Aussagen der Nachbarn vor rund zehn Jahren gekauft haben. Damals noch mit ihrem Ehemann, der vor ungefähr drei Jahren auf tragische Weise ums Leben kam. Über ihn ist nichts weiter bekannt. Nachbarn wollen vom Hörensagen wissen, er habe Suizid begangen.

Seither führt Nora M. ein unauffälliges Leben. Viel weiß im Ort niemand über sie. "Aber das vermutet man nicht bei ihr, sie war immer nett", sagt die 92-jährige Käthe Hipp, ebenfalls wohnhaft im Brühler Weg. Gesehen habe sie Nora M. öfter im Jugendheim, wo sich Senioren zum Kaffee treffen. Wie also kommt sie ins Fadenkreuz landesweiter Ermittlungen? Und wie in den Besitz einer Kriegswaffe? Im Internet hat Nora M. kaum Spuren hinterlassen. Auf Facebook wirkt sie ausgehfreudig, ein paar Orte in der Metropolregion und Kroatien sind vermerkt, die sie besucht hat. Einen Account unterhält sie bei "betreut.de", einem Portal für Nebenjobs als Haushalts- und Gartenhilfe. "Hallo, bin 36 Jahre alt und suche Putzstelle oder als Haushaltshilfe". So beginnt ihre Jobanzeige. Das Nichtraucher-Kästchen im Profil hat einen grünen Haken.

Zwischen Ende 2015 und Anfang 2017 war sie auf der Flohmarkt-App "Shpock" aktiv. 16 Artikel hat sie gekauft - graue Stiefeletten, eine Nespresso-Maschine, zwei "Sims"-Computer-Spiele, vielleicht für ihren Sohn. Alle Bewertungen ihrer Transaktionen fallen positiv aus, die Verkäufer beschreiben sie als "nett" oder "zuverlässig". "Lief alles glatt gerne wieder!", lautet eine Rezension. Auf ihren Profilbildern hat sie langes blondes Haar, sie sieht sehr gepflegt aus.

Nach Gesprächen und Recherchen zeigt sich: Das einzige, was passt, ist, dass gar nichts passt. "Vielleicht hat sie die Waffe hier versteckt, weil es in Plankstadt so ruhig ist", mutmaßt eine Bäcker-Angestellte. "Viel weiß man ja noch nicht", sagt ein junger Mann an der Bushaltestelle. "Trotzdem ist das gruselig, irgendwie ungreifbar." Richtig einordnen könne er den Vorfall nicht, sagt er, als er in den Bus Richtung Eppelheim steigt. "Es ist jetzt wichtig, herauszufinden, was passiert ist", sagt Bürgermeister Nils Drescher mit Blick auf das Sicherheitsgefühl am Abend vor dem Rathaus gegenüber einer Mitarbeiterin der RNZ.

Die Kripo Heidelberg und das LKA ermitteln weiter wegen Terrorverdachts. Drei Tatverdächtige, unter ihnen Nora M., wurden am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt. Entgegen der Ankündigung gab es bis Redaktionsschluss keine neuen Informationen von der Staatsanwaltschaft.

Im "Waldpfad" selbst ist nach dem Großeinsatz nichts mehr zu sehen. Die Straße ist frei, Schulkinder sind mittags nach Hause geradelt, die Ferien stehen vor der Tür. Das Hoftor zur Hausnummer 86 ist lediglich von der Polizei versiegelt. Besinnliche Tage? "Die können wir gebrauchen", sagt Andreas Hipp.

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